LONDON (IT BOLTWISE) – Arthur Hayes erwartet, dass Bitcoin bis Ende 2026 auf 125.000 US-Dollar steigen kann. Der BitMEX-Mitgründer macht dafür vor allem einen Rückkehrimpuls von Liquidität verantwortlich und verknüpft ihn mit makroökonomischen Veränderungen. Entscheidend könnten zudem die Entwicklung rund um den CLARITY Act sowie die Dynamik bei Spot-Bitcoin-ETFs sein. Im Hintergrund bleibt aber auch die technische Marktstruktur: Bitcoin muss relevante Trendzonen stabil halten, damit aus dem Szenario ein beschleunigter Aufwärtsschub wird.

Bitcoin handelt wieder fester: Nach einem Wochenanstieg um rund 2% und der Rückkehr über 80.000 US-Dollar steht die Frage im Raum, ob sich daraus ein zügiger Weg zu deutlich höheren Kursniveaus ergibt. Genau hier setzt die Prognose von Arthur Hayes an, der als Mitbegründer von BitMEX und CIO bei Maelstrom bekannt ist und seine Erwartung auf 125.000 US-Dollar bis Ende des Jahreszeitfensters 2026 stützt. Hayes argumentiert dabei weniger mit einem einzelnen “Katalysator”, sondern mit einem Liquiditätsrückkehr-Mechanismus, der Risikoassets insgesamt wieder anschieben könnte. Für Marktteilnehmer ist das besonders relevant, weil die Geschwindigkeit solcher Re-Ratings oft an der Frage hängt, wie schnell Geld zurück in die Finanzierungskette gelangt.
Technisch betrachtet lässt sich Hayes’ Denkweise als Kombination aus Makro-Liquidität und marktinternen Flussgrößen beschreiben. Wenn in einer Phase ein “credit squeeze” die Kreditvergabe dämpft, reagieren nachgelagerte Systeme wie Risikoallokation, Konsum- und Investitionsbereitschaft sowie Carry-Trades häufig empfindlich. In der Vorlage wird dieser Zusammenhang über eine Q1-Entwicklung eingefangen: Unternehmen hätten demnach KI-Agenten übernommen, was den Personal- und Kostenmix verschoben und die Einkommen sowie die Kreditnachfrage belastet habe. Der gegenteilige Effekt wäre in Q2 plausibel, wenn sich der Finanzsektor wieder stärker öffnet: Hayes verweist dabei auf steigende Borrowing Needs, etwa durch erhöhte Verteidigungsausgaben, und verortet den daraus resultierenden Liquiditätseffekt als Treiber für einen erneuten Aufwärtsimpuls bei Bitcoin.
Auch die Geldpolitik wird in Hayes’ Logik zum zentralen Parameter. Er erwartet keine schnelle Straffung unter dem kommenden Fed-Vorsitz Kevin Warsh und betrachtet selbst eine mögliche Bilanzverkleinerung als nicht zwingend liquiditätsaustrocknend. Der Grund ist die Struktur der Transmission: Banken können Mittel weiterhin über US-Staatsanleihen, Reserven und Repo-Mechanismen bewegen, was den Cashflow im System stützen kann. Ergänzend wird eine Regeländerung im Bankensektor als positiver Hebel genannt, weil sie Banken gestattet, weniger Bargeld als Sicherheitsreserve zu hinterlegen. Hayes quantifiziert den potenziellen Effekt mit dem Unlock neuer Kredite im Bereich von 1,3 Billionen US-Dollar, was bei Umlaufeffekten in der Volkswirtschaft noch deutlich größer wirken könnte.
Für die Markt-Realität entscheidet jedoch, ob diese makroökonomische Liquiditätsstory in den Kryptomarkt “durchschlägt”. Genau hier kommen zwei konkrete Katalysatoren ins Spiel: der CLARITY Act und die Dynamik bei Spot-Bitcoin-ETFs. Der CLARITY Act wird als regulatorischer Hebel beschrieben, der Krypto-Assets stärker als Bestandteil des US-Finanzsystems definieren könnte. Das wäre aus Investorensicht mehr als ein Etikett: Es kann die Hürde für neue Produktvarianten senken, Corporate-Treasury-Praktiken erleichtern und institutionelle Verwahrung (Custody) anschlussfähig machen. Wie Experten aus dem Umfeld der Gesetzgebung berichten, ist insbesondere das Timing im Prozess entscheidend, etwa wenn es zu zügigen Markup-Schritten in relevanten Ausschüssen kommt.
Parallel dazu liefern ETF-Zuflüsse oft den schnellsten “Übersetzungsmechanismus” von institutionellem Interesse in reale Nachfrage. In der Vorlage werden Spot-Bitcoin-ETFs mit positiven Zuflüssen über mehrere Monate hinweg beschrieben, einschließlich vergleichsweise hoher Tageswerte im Frühstart einer Periode. Wenn solche Zuflüsse konstant oberhalb bestimmter Schwellen bleiben, entsteht für Bitcoin typischerweise ein institutionelles Momentum: Händler, die sonst nur taktisch agieren, können sich durch laufende Vehikel-Zuflüsse stärker auf Trendfortsetzung stützen. Gleichzeitig gilt aber: Schon das Abflauen von Zuflüssen oder das Auftreten von Outflows kann die Preiselastizität abrupt verändern. Marktbeobachter vergleichen dabei häufig unterschiedliche Anbieter-Ökosysteme, etwa wenn größere Emittenten und Custody-Strukturen (z. B. durch etablierte Finanzhäuser) die Nachfrage glätten oder verstärken.
Hayes verknüpft sein Bild zudem mit einem technischen Rahmen, der die Richtung des Marktes operationalisiert: die “Bull Market Support Band”. Konkret wird die Zone über gleitende Durchschnitte beschrieben, in der der Markt seine Trendkraft verteidigen oder verlieren kann. In der Vergangenheit habe Bitcoin wiederholt lange Rallyes angeschoben, sobald es diese Zone zurückeroberte und darüber stabil blieb. Für die Gegenwart ist die Logik pragmatisch: Institutionelle und systematische Strategien reagieren häufig nicht nur auf Nachrichten, sondern auf die Frage, ob ein Marktindex eine etablierte Trendhürde hält. Falls Bitcoin die Zone verteidigt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein erneuter Aufwärtsschub in mehrere Wellen gliedert—statt in einem schnellen Spike zu enden.
In der Kombination entsteht daraus ein recht konsistentes Kurskorridor-Szenario: Wenn Liquidität, ETF-Nachfrage und das technische Haltemuster zusammenpassen, könnte Bitcoin über 100.000 US-Dollar zurückkehren und eine weitere Wachstumsphase bis in Richtung 125.000 US-Dollar anschieben. Die Vorlage setzt dabei eine Art “Pfadabhängigkeit”: Jeder Baustein verbessert die Wahrscheinlichkeit des nächsten. Umgekehrt verlängert bereits das Versagen eines Bausteins—etwa durch sinkende Zuflüsse oder eine instabile Trendzone—den Zeithorizont deutlich in das Folgejahr. Für Unternehmen und Investoren heißt das: Die Prognose ist weniger ein Fixpunkt als ein Wahrscheinlichkeitsmodell, in dem Timing und Marktstruktur gleichwertig neben der reinen Liquiditätsstory stehen.
Aus einer weiteren Perspektive lohnt sich der Blick auf Wettbewerber und Ökosystem-Dynamik im Kryptomarkt. Während die Kursbewegung von Bitcoin selbst getrieben wird, entscheidet die Infrastruktur darüber, wie schnell Kapital tatsächlich ankommt. Etablierte Handelsplattformen, Custody-Anbieter und Emittenten von Anlageprodukten können durch Liquiditätstiefe, Abwicklungszeiten und Risikomanagement die Wirkung von Zuflüssen verstärken. Im institutionellen Umfeld werden zudem häufig traditionelle Marktteilnehmer als Benchmark genutzt: Wer beispielsweise in den ETF-Rahmen investiert, optimiert oft Portfoliostrategien entlang makroökonomischer Faktoren, ähnlich wie bei anderen Risikoassets. Dadurch kann sich ein “Prozyklus” ergeben, der in einer Phase steigender Liquidität die Kurven schneller nach oben zieht.
Die Zukunftsperspektive hängt damit stark an drei Fragen: Wie robust bleibt die Kredit- und Reservelandschaft im Verlauf der zweiten Jahreshälfte, wie stabil sind ETF-Zuflüsse und wie “sauber” hält Bitcoin die technischen Unterstützungszonen? Regulatorisch ist dabei der CLARITY Act ein Schlüssel, weil er institutionelle Pfadabhängigkeiten reduzieren kann—und damit Risikoaversion im Markt senkt. Für die Praxis der Software- und Finanztechnik bedeutet das auch: Wer KI-gestützte Handels- oder Risiko-Modelle einsetzt, muss Parameter für Liquiditätsregime, Flussdaten und technische Trigger sauber versionieren. Andernfalls kann ein Szenario wie Hayes’ zwar plausibel sein, die operative Umsetzung aber durch verspätete Re-Trainings oder zu starre Schwellen aus dem Takt geraten. Insgesamt bleibt das Bild: 125.000 US-Dollar sind möglich, aber nur, wenn Liquidität wirklich in Q4 ankommt und der Markt die Trendstruktur bestätigt.
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