LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin verbringt eine längere Phase nahe der 60.000-US-Dollar-Marke, und Scott Melker sieht darin ein mögliches Zeichen für einen Bodenbildungsprozess. In einem Podcast verwies er auf technische Muster wie oversold-RSI, eine bullische Divergenz und die Rückeroberung der 200-Wochen-Linie. Gleichzeitig deutet er auf Marktstruktur-Signale hin, bei denen frühere Käufer-Layer zu Verkäufern wurden. Besonders ETFs zeigen unterdessen Abflüsse, während große Halter wieder in der Nähe des Bereichs akumulieren.

Bitcoin hält sich seit geraumer Zeit im Umfeld von 60.000 US-Dollar, und genau diese Seitwärtsphase ist der Kern der Argumentation von Scott Melker. Er ordnet das aktuelle Preisverhalten als möglichen Abschnitt einer Bodenbildung ein, ohne dabei einen klaren Zeitplan zu liefern. Entscheidend ist weniger die einzelne Kerze im Chart, sondern das Zusammenspiel aus technischer Lage, Marktstruktur und dem Verhalten verschiedener Akteursgruppen. Laut Melkers Einordnung fällt das Timing mit einer Situation zusammen, in der viele Preisimpulse bereits „verkauft“ wurden und damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass frische Käufer überhaupt erst wieder Fuß fassen.
Technisch betrachtet verweist Melker auf Signale, die in früheren Bitcoin-Zyklen in der Nähe von Zyklustiefs aufgetaucht sind. So notierte BTC zuletzt etwa 10 % über dem Tief des Julis bei rund 58.000 US-Dollar, während die Stimmung weiterhin klar im Fear-Bereich verortet wurde. Besonders bullish interpretiert er eine Kombination aus einer stark überverkauften Lage beim wöchentlichen Relative-Strength-Index und einer bullischen Divergenz. Dazu kommt, dass Bitcoin wieder über die 200-Wochen-Moving-Average-Linie zurückgekehrt ist – ein Niveau, das in der Marktlogik häufig als langfristiger Trendanker dient. Eine weitere Bezugskonstante ist die Reaktion nahe dem 50-Monats-Moving Average, das in der Vergangenheit oft mit größeren Akkumulationszonen zusammenfiel.
Gleichzeitig betont Melker, dass „Bodenbildung“ nicht gleichbedeutend mit dem sofortigen Rückeroberungs- und Trendbruch über alle Widerstände ist. Er warnt, dass Bitcoin zentrale Resistance-Level noch nicht zurückgewonnen hat und daher auch erneut das untere Ende der aktuellen Spanne testen könnte. Genau diese Kombination – Stabilisierung nahe Unterstützungen, aber fehlender Break durch entscheidende obere Zonen – ist für viele Trader ein typisches Bild reifender Märkte, in denen kurzfristige Nachfrage noch schwankt. Ergänzend kommt ein Marktstruktur-Faktor hinzu: Teile der Akteursklasse, die früher als unterstützender Käufer fungierten, haben sich in der aktuellen Phase teils in Richtung Verkäufer verschoben. Wenn etwa digitale Asset-Treasury-Unternehmen nach dem Einbruch ihrer Börsenprämien Liquidationen ausführen oder Akkumulationspläne aufgeben, verändert sich die „Auto-Unterstützung“ im Orderbuch, selbst wenn einzelne technische Marker stabil bleiben.
In dieser Logik liest Melker auch die Rolle von Strategies mit, die zuvor als konsistenter Abnehmer galten, aber zuletzt ihre Einkaufsstrategie geändert haben. Genannt wird dabei etwa, dass ein Unternehmen mit Fokus auf den Ansatz von Michael Saylor Bitcoin verkauft und stattdessen stärker Cash-Reserven aufbaut sowie Verpflichtungen aus dem Preferred-Stock-Umfeld managt. Interessant ist an der Darstellung weniger die einzelne Transaktion als der Effekt auf die Marktwahrnehmung: Wenn ein erwarteter „buyer of last resort“ weniger aggressiv kauft, verschiebt sich die Nachfragebasierten Absicherung. Melker bringt es pointiert auf den Punkt, indem er sinngemäß beschreibt, dass aus vermeintlichen Stützern am Ende erzwungene Verkäufer wurden – dennoch bleibe Bitcoin in Reichweite des wichtigen Bereichs. Parallel dazu verlagern Bitcoin-Miner laut der Meldung Kapital in Richtung KI-Infrastruktur, während sie gleichzeitig Bestände verkaufen.
Auch an den ETF-Daten zeigt sich, warum die Stimmung trotz Stabilisierung nicht automatisch „risk-on“ wird. Während der Korrekturzeit sollen Spot-Bitcoin-ETFs laut der Quelle deutliche Abflüsse verzeichnet haben, und Retail-Investoren hätten sich zeitweise stärker auf AI- und Semiconductor-Werte verlagert. Genau in so einem Umfeld wird häufig sichtbar, wie unterschiedlich schnell Kapital zwischen Themen rotiert. Auf der anderen Seite melden sich große Halter wieder zu Wort: Die Quelle beschreibt, dass große Bitcoin-Positionen nach dem Verkauf in der Rally in Richtung des zeitlich verankerten all-time-high-Bereichs bei rund 126.000 US-Dollar erneut in der Nähe der 60.000-US-Dollar-Region akkumulieren. Das würde zu Melkers Kernthese passen, wonach sich die Angebotslage von kurzfristig emotional getriebenen Händlern hin zu langfristig ausgerichteten Investoren verschiebt. Zusätzlich deuten fallende Exchange-Reserven darauf hin, dass Anleger Bitcoin eher in Richtung Self-Custody abziehen statt auf einen unmittelbaren Verkauf zu setzen.
Für Unternehmen und Technologieentscheider ist diese Gemengelage vor allem deshalb relevant, weil sie die Schnittstelle zwischen Krypto-Liquidität und der aktuellen KI-Investitionswelle berührt. Wenn Miner und Teile der Ökonomie Kapital in Richtung KI-Infrastruktur umschichten, kann das die kurzfristige Verkaufsbereitschaft im Krypto-Ökosystem beeinflussen – und damit indirekt auch die Volatilität, die wiederum für Treasury-Strategien, Risikomanagement und IT-Roadmaps ein Faktor bleibt. Gleichzeitig zeigt der ETF-Abfluss, dass „Institutionalisierung“ nicht zwangsläufig zu stabilen Zuflüssen führt, solange die übergreifende Risikoneigung schwankt. Ob Melkers Bodenbildungs-Szenario aufgeht, wird sich an der nächsten Phase entscheiden: Gelingt der Reclaim wichtiger Widerstände, würde das technische Bild die Marktstrukturthese stützen. Bleibt dagegen der Bereich um 60.000 US-Dollar nur eine Zwischenstation, ist ein erneuter Test nach unten in Reichweite – gerade dann, wenn Stimmungsindikatoren wie der Fear-Regime-Charakter fortbestehen.
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