LONDON (IT BOLTWISE) – Mehrere „Digital-Asset-Treasury“-Unternehmen, die 2025 Bitcoin gekauft und gehalten hatten, sollen ihre Bestände bereits vollständig abgebaut haben. Laut einer Markt-Auswertung erfolgten die Verkäufe vor allem zur Rückzahlung von Schulden und zur Ausschüttung an Investoren. Obwohl der Schritt kurzfristig nach „Bear Market“-Timing aussieht, zeigen die Größenordnungen, dass der Effekt auf den Bitcoin-Kurs begrenzt bleibt. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Miner-Zulieferung, ETF-Nachfrage und dem Marktanteil der großen Treasury-Spieler.

Mehrere Unternehmen, die im Umfeld von „Digital-Asset-Treasury“-Modellen (DAT) Bitcoin als Bilanzposition aufgebaut hatten, sind offenbar vom Horten zur Liquidation übergegangen. Die konkrete Beobachtung: Eine Gruppe von zwölf DAT-Firmen, die im Laufe des Jahres 2025 begonnen hatte, Bitcoin zu kaufen und zu halten, soll ihre Coins bis zum Zeitpunkt der Marktbetrachtung vollständig verkauft haben. Als Auslöser werden in der Quelle vor allem zwei Muster genannt: Verkäufe zur Entschuldung und Verkäufe zur Rückführung von Kapital an Aktionäre, nachdem die Aktienkurse der jeweiligen Gesellschaften zeitweise unter Druck geraten waren. Damit verschiebt sich die Frage vom „Warum verkaufen sie?“ zur Folgefrage „Wie stark kann das den Kurs tatsächlich treffen?“
Technisch betrachtet folgt das DAT-Modell häufig einem wiederkehrenden Kreislauf: Das Unternehmen platziert neue Aktien oder nimmt Fremdkapital auf, nutzt die Zuflüsse, um Bitcoin zu erwerben, und wiederholt diesen Prozess, solange die Marktbewertung der Aktie über dem Wert der gehaltenen Coins liegt. Sobald dieser Bewertungsabstand verschwindet, kehrt sich die Logik um: Verkäufe werden attraktiver, weil der Markt dem Unternehmen dann weniger „Aufschlag“ auf den Bitcoin-Bestand zugesteht. Die Quelle ordnet Sequans Communications als anschauliches Beispiel ein: Der Chipentwickler startete das Programm im Juni 2025, baute auf mehr als 3.200 Coins auf und veräußerte schließlich den letzten Bestand bis zum 24. September, nachdem die Erlöse bereits zur Tilgung einer wandelbaren Schuld verwendet worden waren. Genau dieses Timing – erst aufbauen, dann bei Bewertungsdruck wieder abstoßen – prägt das Bild der gesamten Kohorte.
Für die Kurswirkung ist allerdings nicht nur die Richtung der Transaktionen relevant, sondern auch das Verhältnis zum täglichen bzw. quartalsweisen Fluss neuer Coins. Im dritten Quartal werden nach Angaben der Quelle etwa 41.400 Bitcoin von Minern erzeugt. Gleichzeitig werden „corporations“ als Netto-Nachfrager mit einem Anteil von rund 18% der neu entstehenden Menge beschrieben. Parallel dazu treten institutionelle Käufer in den Vordergrund: Spot-Bitcoin-ETFs sollen im betrachteten Zeitraum Käufe im Umfang von 6,4 Mrd. US-Dollar getätigt haben. Wenn die Verkäufe mehrerer Treasury-Anbieter zugleich relativ klein im Vergleich zur gesamten Marktumgebung sind, ergibt sich eine nüchterne Schlussfolgerung: Selbst wenn Bestände abgebaut werden, „kontrollieren“ die Verkäufer laut Quelle keinen entscheidenden Teil der Angebotsseite. Das würde erklären, warum der Abverkauf zwar im Sentiment spürbar ist, aber rechnerisch kaum in der Lage wäre, den Preis mechanisch zu drücken.
Ein weiterer Punkt ist die Kostenbasis und damit die Anreizstruktur der Verkäufe. Die Quelle beschreibt, dass viele öffentliche Unternehmen Bitcoin in einem Durchschnittskorridor von etwa 80.500 US-Dollar pro Coin hielten (Stand September 2026) und dass in diesem Schnitt auch der Kaufpreis der größten und ersten DAT-Instanz enthalten war. Die generelle Logik: Während der Bull-Phase zahlten Firmen offenbar höhere oder niedrigere Einstiegspreise je nach Zeitpunkt, um in der späteren Bear-Phase dann „teils mit Verlust“ aussteigen zu müssen. Interessant ist dabei auch die scheinbar paradox wirkende Strategie der DATs: In der Theorie klingt es plausibel, wie man es aus dem Trading-Jargon kennt – „erst günstig kaufen, später teuer verkaufen“. Praktisch zwingt das DAT-Mechanik-Schema jedoch dazu, das Kurs- und Bewertungsverhalten des Aktienmarkts zu synchronisieren. Gerade wenn der Aktienkurs schneller kippt als die eigene Bitcoin-Bilanz entlastet, gerät die „ideale“ Reihenfolge aus dem Tritt.
Die zentrale Gegenfrage lautet deshalb: Kann ausgerechnet der größte Treasury-Akteur den Kurs bewegen? Die Quelle veranschaulicht das am Beispiel von Strategy, die zum 26. Oktober 848.517 Bitcoin gehalten haben soll – etwa 4% des 21-Millionen-Limits für das Gesamtangebot. 4% sind auf dem Papier groß genug, um bei einem koordinieren Verkauf eine spürbare Unterbrechung auszulösen. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass allein die Größe noch keine Kursgarantie liefert: Auch wenn Strategy in einzelnen Quartalen zugekauft hat, fiel Bitcoin im Juni in eine Bear-Market-Phase und landete laut Quelle rund 52% unter dem Peak von 126.080 US-Dollar. Das deutet darauf hin, dass makroökonomische und marktweite Kräfte oft stärker sind als die Wirkung einzelner „Buy-and-Hold“-Käufer. Zudem bleibt der psychologische Hebel beim Horten langfristig bestehen, weil jede zusätzliche „Lock-up“-Position die Verfügbarkeit für neue Käufer reduziert und damit den Wettbewerb um knappe Coins erhöht.
Für Unternehmen und Marktteilnehmer folgt daraus eine deutlich praktischere Lesart als aus der reinen Schlagzeile „Sie haben alles verkauft“. Wenn Treasury-Anbieter in der Größenordnung der kleineren Player agieren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihre Verkäufe nicht den gesamten Angebotsfluss dominieren – selbst dann nicht, wenn sie zeitlich konzentriert stattfinden. Die entscheidende Ausnahme wäre ein zukünftiges Szenario, in dem ein einzelner Akteur in sehr großer Menge zum Verkäufer wird und gleichzeitig die Nachfragefaktoren (etwa ETF-Zuflüsse und die Netto-Nachfrage anderer Käufer) nicht mithalten. Solche „Preisbewegungs“-Szenarien hängen dann weniger an der Existenz von DAT-Strukturen, sondern an der Bereitschaft, auch in Bear Markets konsequent zu investieren, um die Liquiditätslage des eigenen Modells zu stabilisieren. In der Quelle wird genau das als differentiell herausgestellt: Strategie habe über den Zyklus hinweg vergleichsweise konsistent Kaufphasen durchgestanden, während kleinere Rivalen das Muster des Auf- und Abbaus schneller wiederholten.
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