LONDON (IT BOLTWISE) – Entwickler am XRP Ledger testen eine Transaktion, die neue Accounts ohne ein XRP-Guthaben anlegen soll. Statt Nutzerreserven vorzuschießen, würden Sponsoren die erforderlichen Reserve-Beträge und künftig auch Transaktionsgebühren übernehmen. Das soll Zahl-App-Kosten senken, die bisher jede Wallet vor Aktivierung mit XRP füllen müssen. Offen bleibt, wann der Vorschlag nach Code-Review und mit passenden Validator-Abstimmungen auf Mainnet greift.

Beim XRP Ledger rückt eine scheinbar kleine, in der Praxis aber sehr kostentreibende Hürde in den Fokus: die Mindest-Reserve pro Account. Das Netzwerk verlangt derzeit 1 XRP Reserve je Wallet, wobei dieses Geld während der Account-Lebensdauer gebunden bleibt. In einem Szenario, in dem ein Unternehmen etwa 100.000 separate Accounts anlegt, müssten rein für die Reserve entsprechend 100.000 XRP hinterlegt werden. Genau hier setzt ein neuer Code-Vorschlag an, der das Anlegen von Accounts grundsätzlich anders behandelt und damit die Betriebslogik von Zahlungs- und Automatisierungsanwendungen verändern könnte.
Konkret prüfen Entwickler die Transaktion „SponsoredAccountCreate“. Die Idee: Ein bestehender Account soll einen weiteren Account erzeugen und zugleich dessen Reserveverpflichtung übernehmen können. Damit würde das Netzwerk die Reserve-Obligation als Gesamtsumme weiterhin benötigen, nur der Zahler wechselt vom Nutzer auf den Sponsor. Für Anwendungen bedeutet das, dass neue Wallets mit 0 XRP starten dürfen, ohne dass der eigentliche Endbenutzer vorab Kryptowährung in jede einzelne Wallet einspeisen muss. Technisch bleibt das Prinzip eng mit einem bestehenden Sponsorship-Standard („Sponsored Fees and Reserves“) verbunden, der es ermöglicht, Netzwerk-Kosten zu bezahlen, ohne dabei die privaten Schlüssel des Nutzers in fremde Hände zu geben.
Wichtig ist dabei die Sicherheits- und Kontrollfrage, denn gerade bei eingebetteten Wallets ist sie entscheidend. Der Vorschlag zielt ausdrücklich darauf ab, dass ein Sponsor die Kosten trägt, aber nicht die Kontrolle über die privaten Keys übernimmt. In der Darstellung der Entwickler besteht der Unterschied zu klassischen Wallet-Setups vor allem darin, wie das Reserve-Requirement beim Account-Start erfüllt wird: Der neue Account würde direkt erzeugt, ohne eine XRP-Überweisung an ihn. Damit reduziert sich der Bedarf an vorgelagerter Funding-Logik in den Applikationen, etwa dann, wenn Zahlungs- oder Verwaltungssoftware erst nach der Wallet-Erstellung weitere Aktionen ausführt oder wenn Wallets ausschließlich als Container für Stablecoins dienen.
Die Relevanz zeigt sich auch in konkreten Use-Cases rund um Stablecoins. So arbeitet Ripple nach den Angaben im Quelltext mit einer Lösung zusammen, die „embedded wallets“ für XRP Ledger-Anwendungen ermöglichen soll. Diese Integration soll Zahlungen mit XRP sowie mit Ripples RLUSD-Stablecoin unterstützen, einschließlich automatisierter Zahlungen durch KI-Agents. In der bisherigen Ausgestaltung sind Wallets jedoch zunächst auf XRP-Funding angewiesen, damit sie überhaupt aktiv werden können – auch dann, wenn sie später nur Stablecoins halten und transferieren. Genau an dieser Stelle soll „SponsoredAccountCreate“ ansetzen: Anwendungen könnten Nutzerengagement und Vorabkosten senken, weil Wallets nicht mehr zwingend sofort mit XRP befüllt werden müssen.
Gegenwärtig befindet sich das Vorhaben aber noch in einem Zwischenstatus. Der Pull Request bleibt offen und enthält zwei nicht abschlossene automatisierte Code-Review-Findings. Außerdem hängt die Umsetzbarkeit an einer breiteren Sponsorship-Änderung, die noch nicht auf dem Mainnet aktiv ist. Laut den im Quelltext genannten Zahlen fehlten für eine erforderliche Validator-Mehrheit noch Abstimmungen: Die Sponsoring-Änderung hatte zum genannten Zeitpunkt lediglich 11 der für die Freigabe nötigen Stimmen erhalten, während 29 Stimmen aus dem Validator-Set benötigt werden. Das zeigt, dass es sich nicht um eine „Feature-Flag“-Ankündigung handelt, sondern um eine Änderung, die sowohl die Logik in der Codebasis als auch die Konsensfähigkeit des Netzwerks betrifft.
Für Entwickler und Produktverantwortliche ergibt sich daraus ein klarer wirtschaftlicher Hebel, der zugleich neue Betriebsmodelle begünstigt. Wenn Sponsoren Reserven und perspektivisch auch Transaktionsgebühren übernehmen, lässt sich die Wallet-Onboarding-Kette für Zahlungs-Apps vereinfachen: Statt für jede neue Nutzer- oder Agent-Instanz separat XRP bereitzustellen, können Sponsoren die Kosten zentralisieren und kontrolliert skalieren. Gleichzeitig verschiebt sich die Kostenstelle vom Nutzer hin zum Sponsor-Account – das kann für B2C- und B2B-Anwendungsbetreiber attraktiv sein, erfordert aber ein sauberes Sponsor-Controlling, Monitoring und Worst-Case-Planung, weil die Reserveverpflichtung weiterhin physisch im System „mitläuft“. Genau deshalb lohnt sich das Timing: Sobald Mainnet-Activation und Validator-Freigaben zusammenfallen, wird der Vorteil besonders dort spürbar, wo sehr viele kurzlebige oder zweckgebundene Wallet-Instanzen entstehen.
Am nächsten entscheidenden Punkt hängt schließlich, wie schnell die Brücke von „Code in Review“ zu „robustes Mainnet-Pattern“ wird. Sollte sich die Sponsorship-Änderung wie vorgesehen durchsetzen und die verbleibenden Review-Findings geklärt werden, könnten Zahlungs-Workflows künftig stärker auf Stablecoin-Logik statt auf vorgelagerte XRP-Funding-Prozesse setzen. Für AI-orchestrierte Zahlungsprozesse könnte das zudem die Latenz- und Onboarding-Schritte reduzieren, weil KI-Agents nicht mehr zwingend erst Wallets mit XRP „warmfahren“ müssen. Bis dahin bleibt der Vorschlag ein vielversprechender Baustein, der zeigt, wie sich die UX und die Kostenstruktur im XRP-Ökosystem durch Protokoll-Feinjustierung verbessern lassen.
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