LONDON (IT BOLTWISE) – Arkham verfolgt frische Abflüsse aus als mit dem Bitget-Hack verknüpften Wallets. Dabei wurden 19,48 Millionen US-Dollar in 52 Transfers bewegt, fast vollständig in Bitcoin. Die Blockchain-Analyse bleibt jedoch bewusst offen, ob die Mittel bereits verkauft, ausgecasht oder weiter gewaschen werden. Entscheidend ist nun vor allem, wohin die neu genutzten Zieladressen führen.

Aus Sicht von Security-Teams wirkt der neue Datenschnitt vor allem deshalb relevant, weil er nicht einfach nur „mehr Geld bewegt sich“ meldet, sondern eine konkrete Bewegungskette aus einem bereits bekannten Hack-Zusammenhang nachzeichnet. Arkham ordnet mehrere Wallets als „hacker-linked“ ein und berichtet, dass zwischen 10:02 UTC am 21. Oktober und 02:48 UTC am 24. Oktober insgesamt 19,48 Millionen US-Dollar in 52 Einzeltransfers abgingen. Laut Arkham entfällt der Großteil dieser Summe auf Bitcoin: 19,33 Millionen US-Dollar wurden in BTC umgeschichtet, der Rest verteilt sich auf weitere Krypto-Assets, wobei ETH als bedeutende Komponente genannt wird.
Technisch betrachtet ist genau diese Struktur – wenige große Beträge, fragmentiert in viele Transfers – ein typisches Muster, um spätere Rückverfolgung zu erschweren. Arkham schreibt dazu, dass die Gelder „fast vollständig an neue Adressen“ gingen. Damit ändert sich die Lage für Analysedienstleister: Wer nur eine einzelne „Abfluss“-Transaktion dokumentiert, sieht am Ende oft nur eine Zwischenstation; wer jedoch die Zieladressen über mehrere Blockfenster hinweg verfolgt, kann zumindest Wahrscheinlichkeiten für weitere Schritte ableiten. Arkham formuliert seine Einordnung daher nicht als Feststellung, sondern als Frage: Werden die gestohlenen Mittel bereits gewaschen?
Der neue Update bleibt dabei bewusst ohne „empfangende Gegenstelle“. In den von Arkham beschriebenen Details werden weder eine Börse noch ein OTC-Desk oder ein konkreter Dienstleister als Ziel genannt, der die letzten Transfers angenommen haben könnte. Das ist insofern ein Unterschied zu vielen früheren Meldungen, in denen spätestens das „Wohin“ klarer wird. Arkham stützt sich vor allem auf den Abfluss aus gelabelten Walletbeständen, ohne nachweislich zu belegen, ob die Assets in der Folge tatsächlich verkauft, ausgecasht oder wieder in anderen Krypto-Mechanismen verschoben wurden. Damit ist auch klar, warum der Begriff „laundering“ hier als Hypothese stehen bleibt und nicht als Ergebnis.
Im größeren Bild erweitert Arkham die Betrachtung bis auf 78,01 Millionen US-Dollar, die seit dem 15. Oktober von den als mit dem Angriff verknüpften Adressen an neue Ziele transferiert worden sein sollen. Der tägliche Verlauf zeigt dabei Sprünge: Arkham nennt für den 15. Oktober 23,31 Millionen US-Dollar, am 16. Oktober 8,68 Millionen, am 17. Oktober 1,15 Millionen und am 18. Oktober weitere 10,51 Millionen. Danach folgen weitere Bewegungen am 20. und 21. Oktober sowie kleinere Posten an den darauffolgenden Tagen. Gleichzeitig fällt ein zeitlicher Bruch in Arkham’s eigener Kurzbeschreibung auf: Während die präzisen Zeitstempel 64 Stunden und 46 Minuten abdecken, beschreibt ein späterer Post die 19,48 Millionen als „über die vergangenen 48 Stunden“ verteilt.
Für die Einordnung der „verbleibenden“ Mittel nutzt Arkham eine zweite Kennzahl: den Wert der noch als gelabelt betrachteten Bestände. Arkham beziffert diese Restbestände mit 242,54 Millionen US-Dollar und führt dabei vor allem Bitcoin mit 2.960,01 BTC auf. Als Referenz setzt Arkham den Diebstahl mit 350 Millionen US-Dollar an und ordnet die Restwerte als 69% dieser ursprünglichen Zahl ein. Dem stehen jedoch Bitgets eigene Accounting-Zahlen gegenüber: In der Darstellung des Unternehmens liegt die Gesamtbetroffenheit nach Revision bei rund 387,5 Millionen US-Dollar, nachdem zunächst 351,6 Millionen US-Dollar genannt wurden. Laut Bitget soll die Korrektur unter anderem darauf zurückgehen, dass zuvor Zcash- und TRON-Assets in der ersten Rechnung ausgelassen worden seien; der Zwischenstand ändert damit nicht nur die Prozentrelationen, sondern erschwert auch jede direkte Aussage darüber, wie viel am Ende bereits zurückgeholt wurde.
Historisch zeigen vorherige Analysen, dass die Täterbewegungen nicht bei einer einzelnen Kette stehen bleiben. AMLBot hatte für September beschrieben, dass etwa vier BTC in Richtung CoinJoin gelenkt wurden, um Spuren möglicherweise zu verwischen. In derselben Perspektive wurden auch Routen skizziert, die über TRON in USDT führen, anschließend über Schritte wie USDT0 in Ethereum übergehen und danach via ETH-Swaps sowie THORChain zurück Richtung Bitcoin geführt haben sollen; außerdem wurde ein weiterer Teilrouten-Cluster mit THORChain und Chainflip erwähnt, inklusive der Beobachtung von Dutzenden Swap-Matchings zu konkreten Zeitpunkten. Wichtig: Diese historischen Pfade belegen nicht automatisch, wohin Arkham’s jüngste Oktober-Transfers laufen. Die im Oktober gezeigten Screenshots liefern zwar Transaktionsgraphen, aber ohne lesbare, transaktionsnahe Belege, die die aktuellen Abflüsse eindeutig mit denselben Ziel-Services verbinden.
Während Arkham also die Bewegung der Gelder nachverfolgt, beschreibt Bitget parallel den operativen Recovery-Ansatz. Bitget führt aus, dass die phasenweise Wiederherstellung von Withdrawals bis zum 2. Oktober abgeschlossen gewesen sei, nachdem BTC-, ETH- und USDT-Services im September wieder freigeschaltet wurden. Außerdem betont das Unternehmen, dass Kontostände der Kunden nicht betroffen gewesen seien und nach der Eindämmung keine weiteren unautorisierten Transfers erkannt worden seien. In einem Incident-Explainer verweist Bitget außerdem auf eine Schwachstelle in einem Drittanbieter-Sicherheitsprodukt: Demnach habe der Angreifer „High-Level“-Zugriffsdaten erlangt und gefälschte Withdrawal-Kommandos abgesetzt, die bestehende Risikokontrollen umgehen konnten; die betroffenen Systeme seien isoliert und die Schwachstelle behoben worden.
Für den Markt heißt das: Die aktuelle Arkham-Aktualisierung ist weniger ein fertiges „Tatabschluss“-Signal als ein Arbeitsauftrag an die Community. Entscheidend wird sein, ob sich die 52 Transfers mit den Zieladressen irgendwann so aufschlüsseln lassen, dass ein konkreter Abfluss in Börsen- oder Liquiditätsstrukturen nachweisbar wird. Gleichzeitig zeigt Bitgets Recovery-Programm mit möglichen 5%-Belohnungen für freiwillige Aktionen, die direkt einfrieren oder Rückholungen unterstützen, dass die technische und operative Gegenwehr Hand in Hand arbeiten soll. Für Security-Engineering-Teams bedeutet das auch, dass nicht nur Wallet-Labels und Zeitfenster zählen, sondern vor allem, wie schnell neue Zielcluster in nachgelagerte AML- und Incident-Response-Prozesse überführt werden.
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