GRAFSCHAFT (KREIS AHRWEILER) / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Grafschafter Maschinenbau-Unternehmer entwickelt mit seinem Startup Blackteq sogenannte Loitering Munition, die im Zielgebiet wartet, bevor sie zum Angriff ansetzt. Seine Drohnen sollen bis zu zwei Meter Spannweite haben und bis zu fünf Kilo Nutzlast tragen, während das Startsystem auf einem geländegängigen Launcher in unter einer Minute einsatzbereit sein soll. Der Antrieb im aktuellen Prototyp basiert auf einer Turbine, die Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h erreichen soll. Der Aufbau der Fertigung wird laut dem Gründer auch durch einen Auftrag aus der Ukraine beschleunigt.

Die Szene wirkt zunächst wie ein Test, der am Feldrand einfach nur Technik beweisen soll: Eine Drohne verlässt eine kurze Rampe auf einem Geländefahrzeug, beschleunigt auf rund 100 Stundenkilometern und steigt in den Himmel. Am Steuerpult von Michael KÜgelgen steht zwar eine Fernsteuerung bereit, im Einsatz soll das Fluggerät aber selbstständig zum Angriffsziel fliegen. Genau diese Kombination aus autonomem Flugprofil und einem sehr schnell einsatzbereiten Startsystem ist das technische Kernstück, das Blackteq in der Grafschaft im Kreis Ahrweiler auf die Straße bringen will.
Die Plattform selbst adressiert dabei ein besonders konkretes Prinzip: Loitering Munition, umgangssprachlich häufig als Kamikaze-Drohnen bezeichnet. Solche Systeme steuern ein Zielgebiet an und „warten“ dort auf den Angriffsbefehl, statt wie klassische Raketen direkt durchzuschlagen. Nach Angaben des Gründers fertigt Blackteq derzeit rund 500 Drohnen pro Monat, perspektivisch soll die Kapazität auf 5.000 steigen. Die Drohnen werden in Varianten gebaut, bei einer angegebenen Spannweite von etwa zwei Metern und einer Nutzlast von bis zu fünf Kilo. Der Gründer sagt zudem, dass er zur endgültigen Verwendung der Nutzlast in der Ukraine keine Details kennt und dass sein Unternehmen im Wesentlichen die „Flugkörper“ liefert.
Auch organisatorisch ist das Modell ungewöhnlich fokussiert, weil die Wertschöpfungskette nicht beim klassischen „System aus einer Hand“ endet. Laut KÜgelgen umfasst seine Lieferung demnach den Teil mit dem Nutzlastkompartment als Laderaum, während der Einbau der Kampfmittel in der Ukraine vorgenommen wird. Diese Trennung verändert die Engineering-Logik: Statt eine einzige integrierte Gesamtlösung bis zum Sprengsatz durchzuziehen, entwirft man ein Interface, das Gewicht, Schwerpunktlage und mechanische Schnittstellen zuverlässig beherrscht. Gleichzeitig bleibt das Startkonzept entscheidend, denn an der Front gibt es keine Startbahn. Der Launcher wird bei Blackteq in der Maschinenbaufirma von KÜgelgen gebaut, und die Drohnen sollen mit Druckluft aus dem System katapultiert werden.
Genau hier setzt die Biografie des Entwicklers an: Fliegen war nach seinen Angaben schon als Kind sein Lebensbereich. Mit sieben Jahren baute er sein erstes Modellflugzeug mit Funksteuerung; später folgten Drachen- und Motorflugzeuge. In den 1980er Jahren entwickelte er laut Bericht bereits Drohnen beim Luftfahrtkonzern MBB für das Militär. Mit der Gründung der Maschinenbaufirma MK-Technology im Jahr 1993 beschäftigte er sich dann über Jahrzehnte mit Spezialanlagen für Kunststoff und Metallfeinguss und arbeitete auch an Anlagen für SpaceX. Der Schritt zurück zu Drohnen wirkt damit weniger wie ein „neues Geschäftsfeld“, sondern eher wie eine Neuaufstellung mit dem Vorteil, industrielle Fertigung und feinmechanische Präzision aus früheren Projekten mitzubringen.
Im Frühling dieses Jahres startet KÜgelgen gemeinsam mit einem Partner das Drohnen-Startup Blackteq. Die Entwicklung neuer Drohnen beginnt demnach im Garten hinter der Firma, zunächst mit kleinen Modellen aus Pappe, um Steuerung und Schwerpunktgeometrie zu testen. Erst wenn diese Grundlagen stimmen, wird der Weg in den größeren Maßstab beschritten. Besonders hervorgehoben wird dabei das Startsystem: Der Launcher soll geländegängig sein, überall hingefahren werden können und in unter einer Minute einsatzklar sein. Das Ziel ist eine mobile Einsatzfähigkeit, die ohne Infrastruktur auskommt, während die Drohne gleichzeitig den Flugweg autonom abarbeiten kann.
Der aktuellste Prototyp geht noch einen Schritt weiter: Es handelt sich laut dem Gründer um eine turbinenbetriebene Drohne, die bis zu 400 km/h im Zielbereich erreichen können soll. Das ist vor allem aus aerodynamischer und regelungstechnischer Sicht eine andere Liga als langsamere, eher propellerbasierte Flugprofile, weil Turbinenbetrieb typischerweise andere Beschleunigungs- und Stabilitätsfenster erzeugt. Beim Start soll zudem ein „Schornstein“ auf der Abschussrampe die Hitze und die Abgase auffangen – ein Hinweis darauf, dass das Starten nicht nur eine Frage der Mechanik, sondern auch des thermischen Managements ist. Für den Ausbau des Startups nennt KÜgelgen eine Wachstumsphase auf rund 60 Mitarbeiter, ausgelöst durch den Auftrag aus der Ukraine, und er denkt außerdem über eine neue große Fertigungshalle in der Region nach.
Auf die Branche wirkt das Projekt wie ein Lehrstück für einen Trend, der seit Monaten in vielen Teilen der Industrie sichtbar ist: Die Rüstungsentwicklung verlagert sich stärker in Richtung modularer Komponenten, schneller Prototypenzyklen und skalierbarer Produktionspläne. Wer wie MK-Technology industrielle Anlagen und präzise Fertigung kennt, kann bei so einem Produkt schneller von Testständen zu Serie wechseln. Für Unternehmen bedeutet das weniger, dass „Drohnen“ plötzlich in allen Bereichen relevant sind, sondern dass sich Fähigkeiten wie Systemintegration, sichere Schnittstellen im Nutzlastbereich und robuste Startmechanik auch außerhalb der Luftfahrt wirtschaftlich nutzen lassen. Gleichzeitig bleibt die technische Frage offen, wie sich die genannten Geschwindigkeiten, das Startkonzept ohne Startbahn und die Zielgebiet-Wartefunktion im Dauerbetrieb bewähren, sobald die Skalierung nicht nur die Zahl der Flugkörper, sondern auch die Durchlaufzeiten in der Fertigung umfasst.
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