LONDON (IT BOLTWISE) – Brambles hat den Nachhaltigkeitsbericht 2026 für das bis 30. Juni 2026 laufende Geschäftsjahr vorgelegt. Der Konzern senkt seine betrieblichen Treibhausgasemissionen (Scope 1 und 2) um 36 Prozent gegenüber dem Basisjahr 2020. Gleichzeitig verdoppelt das Unternehmen die Nachhaltigkeitszertifikate für Kunden auf 7.440. Zusätzlich berichtet Brambles über Fortschritte bei Recyclingmaterialien und Kreislaufwirtschaft, darunter eine deutliche Erhöhung des Neuplastik-Ersatzes.

Für Nachhaltigkeitsverantwortliche wird der Brambles-Bericht 2026 vor allem deshalb interessant, weil er Veränderungen nicht nur behauptet, sondern in Kennzahlen aufdröselt: Das Logistikunternehmen berichtet für das zum 30. Juni 2026 beendete Geschäftsjahr über eine Reduktion seiner Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Basisjahr 2020. Bei den direkten und indirekten Emissionen aus den Betriebsabläufen (Scope 1 und Scope 2) nennt Brambles einen Rückgang um 36 Prozent. Ergänzend führt der Bericht aus, dass auch die vor- und nachgelagerten Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Scope 3) um 16 Prozent gegenüber 2020 gesunken seien. Damit zeigt das Unternehmen zwei Ebenen auf: einmal die interne Dekarbonisierung der eigenen Anlagen und Prozesse, zum anderen die schwieriger zu steuernden Effekte entlang von Lieferanten und Logistikketten.
Technisch betrachtet hängt die Aussagekraft solcher Scope-Zahlen stark davon ab, wie Emissionstreiber im Einkauf, in der Transportplanung und in der Nutzung von Ressourcen modelliert werden. Gerade Scope 3 ist im Alltag selten „einfach nur“ ein Einkaufsdatensatz, sondern setzt sich aus vielen Teilströmen zusammen: Transportleistungen, Materialherkunft, Verpackungen und die Nutzung von Produkten nachgelagert. Dass Brambles hier ebenfalls eine Veränderung meldet, kann auch als Hinweis gelesen werden, dass das Unternehmen seine Lieferkettenanforderungen überarbeitet hat. Auffällig ist außerdem die gleichzeitige Bewegung bei der Kreislaufwirtschaft und beim Materialeinsatz: Brambles gibt an, im Berichtszeitraum 50 Prozent des herkömmlichen Neuplastiks ersetzt zu haben. Dieser Wert lag im vorherigen Geschäftsjahr 2025 noch bei 41 Prozent, was für eine spürbare Intensivierung der Substitution spricht.
Für die Praxis zählt dann die Zielrichtung, weil sie die Investitionslogik und die Roadmap für Beschaffung und Produktion beeinflusst. Brambles formuliert als übergeordnetes Ziel, einen Anteil von 80 Prozent an ersetztem Neuplastik zu erreichen. Die unternehmerische Konsequenz daraus ist in der Regel zweigeteilt: Entweder werden spezifizierte Ersatzmaterialien in Ausschreibungen und Lieferantenverträgen zunehmend verpflichtend, oder es werden Alternativen im operativen Betrieb stärker skaliert, bis Verfügbarkeit und Kosten den Regelbetrieb erlauben. Dass Brambles parallel 50 Prozent Neuplastik ersetzt, zeigt zumindest, dass der Sprung von 41 auf 50 Prozent nicht nur ein Pilot-Erfolg gewesen sein dürfte, sondern bereits in einem breiteren Betriebsumfang ankommt.
Ein zweiter Schwerpunkt des Berichts adressiert eine typische Spannung zwischen Datenbedarf und Datenerhebung: Kunden wollen belastbare Nachhaltigkeitsnachweise, während die Lieferkette nicht immer sofort die gewünschten Informationen liefert. In diesem Kontext meldet Brambles eine Verdopplung der Nachhaltigkeitszertifikate, die das Unternehmen an Kunden ausgegeben hat: 7.440 Zertifikate im Berichtszeitraum, nach 3.702 im Geschäftsjahr 2025. Gleichzeitig steigt die Zahl der externen Nachhaltigkeitspartner auf 694, nachdem es 2025 noch 637 Partner waren. Aus Sicht der CSRD-Umsetzung ist das weniger „Marketing“ als vielmehr ein organisatorischer Hebel, denn Zertifikate und Partnerökosysteme dienen häufig als Brücke zwischen einzelnen Lieferanten-Datenpunkten und der konsolidierten Berichterstattung im Unternehmen.
Auch bei Arbeitssicherheit und operativer Ausführung nennt Brambles konkrete Verbesserungen: Die Unfallhäufigkeitsrate mit Arbeitsausfall (LTIFR) sinkt auf 0,9, nachdem sie im Geschäftsjahr 2025 bei 1,0 gelegen hatte. Solche Kennzahlen sind wichtig, weil sie zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht nur in emissionsbezogenen Projekten abgebildet wird, sondern auch in den Betriebsprozessen und im Risikomanagement. Gerade in Logistik- und Umschlagprozessen wirken sich Sicherheitsprogramme oft unmittelbar auf Stabilität, Ausfallzeiten und die Effizienz der Anlagen aus. In der Summe passt das zu dem Muster, das der Bericht insgesamt zeichnet: strukturiertes Vorgehen über mehrere Dimensionen hinweg, von CO₂ bis zu Risiko- und Gesundheitsaspekten.
Darüber hinaus erweitert Brambles den Blick auf gesellschaftliche und ökologische Wirkung, und zwar mit Kennzahlen, die auf den ersten Blick „außerhalb“ klassischer Umwelt- oder Industrieberichte liegen. So beziffert das Unternehmen Initiativen zur Vermeidung von Verschwendung: 880.863 Tonnen Lebensmittel wurden gerettet, was rechnerisch einem Äquivalent von 1,8 Milliarden Mahlzeiten entspricht. Für Gemeindebeiträge nennt der Bericht 8,84 Millionen US-Dollar. Im Bereich Naturschutz beschreibt Brambles Regenerationsmaßnahmen in Südafrika: Dem Bericht zufolge wurden bisher 10.000 Hektar Land regeneriert, und über einen Fünfjahreszeitraum verfolgt das Unternehmen das Ziel, dort insgesamt 75.000 Hektar zu renaturieren. Für Unternehmen, die Nachhaltigkeitsprogramme skalieren wollen, ist dabei entscheidend, dass solche Projekte meist langfristig sind und externe Flächen- und Partnerstrukturen erfordern.
Unterm Strich liefert Brambles damit ein Paket aus messbaren Fortschritten und nachgelagerten Nachweismechanismen: Scope-1-und-2-Reduktion um 36 Prozent, Scope-3-Rückgang um 16 Prozent, Neuplastik-Ersatz auf 50 Prozent mit Ziel 80 Prozent sowie eine Verdopplung der Kunden-Zertifikate auf 7.440. Für die Marktkommunikation bedeutet das vor allem: Das Unternehmen kann gegenüber Kunden nicht nur Prozesse beschreiben, sondern auch belegen, dass es seine Lieferkettenarbeit und Materialstrategien in eine messbare Richtung gelenkt hat. Gleichzeitig bleibt die praktische Herausforderung, die Brambles selbst indirekt anspricht, real: Nachhaltigkeitsdaten müssen nicht nur vorhanden sein, sondern auch so strukturiert werden, dass sie in die Berichtssysteme der Kunden und in Anforderungen wie die CSRD-Berichterstattung passen. Genau hier dürfte der Ausbau von Nachhaltigkeitspartnern und Zertifikaten künftig ein Wettbewerbsfaktor werden, weil er die Geschwindigkeit zwischen Datenerhebung und veröffentlichter Bilanz beeinflusst.
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