BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Brandenburgs Innenminister Jan Redmann fordert nach Störungen am Stromnetz einen deutlich besseren Schutz kritischer Infrastruktur. Er argumentiert, dass Betreiber bislang zu wenig Befugnisse hätten, um eigene Anlagen schnell und wirksam gegen hybride Bedrohungen abzusichern. Redmann nennt dabei konkret den Einsatz von Möglichkeiten zur Drohnenabwehr sowie intelligenter Videoüberwachung. Gleichzeitig dauern die Ermittlungen zu den Vorfällen noch an, eine Zuordnung von Täterschaft schließt er ausdrücklich nicht aus.

Brandenburgs Innenminister fordert mehr Schutz kritischer Infrastruktur
Brandenburgs Innenminister fordert mehr Schutz kritischer Infrastruktur (Foto: IT BOLTWISE)
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Nach der Entdeckung von Sprengvorrichtungen an einem Umspannwerk unweit des Kraftwerks Jänschwalde hat Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) den Schutz kritischer Infrastruktur in Deutschland auf die Agenda gesetzt. Im Gespräch über die Lage im Land forderte er ein schnelleres Nachrüsten der Sicherheitskonzepte, weil die relevanten Anlagen in einer Zeit entstanden seien, in der sich die Bedrohungslandschaft deutlich von heute unterscheide. Dabei betont Redmann vor allem den Unterschied zwischen klassischen Sicherheitsannahmen und dem, was er als „hybride Bedrohung“ beschreibt: Angriffe können sowohl technisch als auch organisatorisch ansetzen und sich in mehrere Spuren aufteilen.

Technisch macht Redmann die Verwundbarkeit an typischen Bestandteilen der Energienetze fest: Flughäfen, Tausende Kilometer Stromleitungen sowie Telekommunikationsinfrastruktur und Gas- und Wasserversorgung. Für die Praxis bedeutet das, dass die Angriffsfläche nicht nur bei offensichtlichen „Knotenpunkten“ liegt, sondern entlang einer ganzen Kette aus Leitungen, Schaltanlagen, Verkehrs- und Kommunikationsbeziehungen. Gerade bei der Stromübertragung ist zudem die Systemwirkung entscheidend: Ein lokaler Eingriff kann, je nach Schaltzustand und Lastverteilung, regionale Auswirkungen bis hin zu breitflächigen Störungen begünstigen. Redmann stellt die Betreiber deshalb in den Mittelpunkt, weil diese ihre Einrichtungen am besten kennen und im Ereignisfall schnell handeln müssen.

Ein zentraler Punkt seines Appells zielt auf die Rechts- und Handlungsfähigkeit der Betreiber. Er sagte sinngemäß, dass Betreiber ihre Anlagen künftig besser sichern können sollten – auch mit Befugnissen, die derzeit vor allem der Polizei vorbehalten sind. In der Debatte geht es damit um die Frage, welche Eingriffe und Gegenmaßnahmen in einem Sicherheitsvorfall als verhältnismäßig gelten und wie sie praktisch umgesetzt werden können, ohne dass jede Maßnahme eine intensive polizeiliche Koordination erfordert. Genannt werden unter anderem die Fähigkeit, Drohnen abzuwehren, sowie der Einsatz intelligenter Videoüberwachung. Dahinter steht weniger ein „Bauchgefühl“ als die Notwendigkeit, physische Schutzlücken zu schließen, ohne gleichzeitig Personal rund um jede Leitung oder jeden Hochspannungsmast in ausreichender Zahl bereitzustellen.

Gleichzeitig weist Redmann darauf hin, dass die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen sind und eine Täterschaft derzeit nicht ausgeschlossen werden könne. Laut seiner Darstellung gibt es Unterschiede in der Ausprägung der Tat zu anderen Vorfällen, etwa zu Anschlägen, die im Umfeld des Tesla-Werks oder zu einem Stromausfall in Berlin diskutiert worden waren. Ob es sich tatsächlich um unterschiedliche Vorgehensweisen handelt oder ob Spuren lediglich anders zugeordnet wurden, bleibt damit Teil des laufenden Verfahrens. Auch zur Frage, ob „fremde Mächte“ beteiligt sein könnten, setzt Redmann auf Vorsicht: Er beschreibt die Lage als potenziell auf externe Einflussnahme hinweisend, aber ohne eine endgültige Klärung. Für Sicherheitsverantwortliche ist genau dieser Punkt wichtig, weil er die Maßnahmenlogik steuert – von rein lokalen Schutzmaßnahmen bis hin zu strategischer Resilienzplanung.

Der Blick über Brandenburg hinaus zeigt, dass ähnliche Störungen inzwischen auch in Nordrhein-Westfalen untersucht werden. Dort wird nach Angaben der Polizei nach einer Störung an einem Umspannwerk im Raum Bergheim bei Köln ermittelt; nach ersten Erkenntnissen soll sie vorsätzlich verursacht worden sein. Dass mehrere Bundesländer parallel Einträge in der Sicherheitslage beobachten, kann in der Gesamtschau die Bedeutung von Standards und Koordination erhöhen: Betreiber, Netzbetreiber und Behörden müssen Ereignisse vergleichen können, damit Muster schneller erkannt werden. Auch wenn einzelne Fälle hinsichtlich Tatmodus und zeitlichem Ablauf differieren können, bleibt das gemeinsame Ziel dasselbe: Die kritische Infrastruktur soll so abgesichert sein, dass Angreifer weniger Raum für Eskalation und Folgeschäden haben.

Für Unternehmen und Netzbetreiber ergeben sich aus der Forderung nach mehr Befugnissen vor allem praktische Arbeitsaufträge. Erstens geht es um die Fähigkeit, im Ernstfall autonom zu handeln – etwa durch klare Abläufe für die Abwehr von Drohnen, durch die Skalierung von Videoanalyse-Systemen und durch die Definition, wann und wie Informationen an Polizei und Behörden übergeben werden. Zweitens wird die Diskussion um „hybride Bedrohung“ die Investitionsplanung prägen: Nicht nur die klassische Perimetersicherheit, sondern auch Detektion, Reaktion und Nachverfolgung müssen zusammenspielen. Und drittens wird die technische Umsetzung eng mit dem organisatorischen Training verbunden sein, weil neue Gegenmaßnahmen nur dann wirken, wenn Leitstellen, Sicherheitsdienste und IT-Systeme in einer gemeinsamen Logik arbeiten. Da die Ermittlungen noch laufen und eine abschließende Bewertung der Vorgänge aussteht, liegt der nächstliegende Fokus für viele Betreiber derzeit auf dem Aufbau von Resilienz und überprüfbaren Sicherheitsprozessen.


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