LONDON (IT BOLTWISE) – Broadcom rechnet für sein drittes Quartal des Fiskaljahres 2026 mit Erlösen von rund 29,4 Milliarden US-Dollar und damit mit starkem Wachstum im Jahresvergleich. Besonders aus der KI-Sparte erwartet das Unternehmen Erlöse von etwa 16 Milliarden US-Dollar, angetrieben von beschleunigter Nachfrage nach kundenspezifischen XPU- und KI-Networking-Produkten. Gleichzeitig rutscht die Bruttomarge voraussichtlich auf etwa 74 Prozent, weil der Produktmix stärker von KI-Halbleitern mit geringeren Margen geprägt ist. Mit Blick auf die Bewertung wirkt die Aktie trotz der Wachstumsstory nicht günstig, wodurch sich das Risiko vor der Ergebnisveröffentlichung erhöht.

Broadcom (AVGO) steht kurz vor der Veröffentlichung der Ergebnisse für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2026. Das Zahlenpaket wird vor allem von der KI-Nachfrage getragen: Das Unternehmen erwartet Erlöse von ungefähr 29,4 Milliarden US-Dollar, was im Jahresvergleich einem Wachstum von 84 Prozent entspricht. Auch der Ausblick für den Segmentmix ist eindeutig in Richtung KI-Accelerators verschoben, denn die eigene Planung stellt für KI-Halbleiter allein rund 16 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Damit wächst dieser Bereich laut Erwartung um mehr als 200 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal – eine Größenordnung, die in den letzten Quartalen weniger nach „Add-on“ als nach dem zentralen Kostentreiber in Rechenzentren klingt.
Technisch betrachtet dreht sich die Dynamik um kundenspezifische XPU-Designs und KI-Networking-Komponenten, die in großen Trainings- und Inferenz-Clustern zusammenarbeiten. Broadcom verweist in diesem Kontext auf extrem starke Bestellungen bei KI-Semiconductors: Im zweiten Fiskalquartal lagen die Buchungen für KI-Halbleiter bei über 30 Milliarden US-Dollar, während die Auslieferungen bei 10,8 Milliarden US-Dollar lagen. Für Investoren ist das vor allem ein Timing-Thema: Buchungen zeigen künftige Kapazitäts- und Architekturentscheidungen, während Umsätze kurzfristig von Ramp-up-Zyklen abhängen. Dass das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte 2026 einen Verdoppler der KI-Halbleiter-Erlöse gegenüber der ersten Hälfte erwartet, passt zu einem Szenario, in dem Kunden commitments zeitlich gestaffelt in Produktions- und Rollout-Phasen überführen.
Nicht nur die KI-Sparte entscheidet über das Quartal, sondern auch die Entwicklung bei nicht-ki-getriebenen Halbleitern. Broadcom sieht hier eine spürbare Stabilisierung: Für das dritte Quartal des Fiskaljahres 2026 erwartet das Unternehmen nicht-ki-seitige Halbleiter-Erlöse von rund 4,5 Milliarden US-Dollar, das entspricht einem Plus von 12 Prozent im Jahresvergleich. Entscheidend ist dabei die Kombination aus mehreren Teilmärkten wie Broadband, Server Storage und Enterprise Networking. Gleichzeitig bleibt die eigene Erwartung gegenüber dem Gesamtbild nüchtern, weil saisonale Schwäche in bestimmten Wireless-Bereichen weiterhin als Faktor genannt wird. Für die Gesamtrechnung bedeutet das: Die nicht-ki-Sparte kann die Wachstumslücke teilweise schließen, sie liefert aber nicht den dominanten Impuls.
Der kritische Hebel liegt dennoch in der Profitabilität. Broadcom erwartet für das Quartal einen Rückgang der konsolidierten Bruttomarge auf etwa 74 Prozent, obwohl die operative Skalierung laut Bericht grundsätzlich hilft. Der Grund ist weniger „mysteriös“ als strukturell: Ein schwererer Mix aus KI-Halbleitern – insbesondere TPUs – drückt die Bruttomarge, weil die Kostenstruktur und der Produktmix nicht identisch zu den früheren, stärker diversifizierten Segmenten sind. Für die Bewertung und das Kursverständnis ist das relevant, weil viele Marktteilnehmer zwar hohe KI-Wachstumsraten einpreisen, aber die Margenentwicklung häufig als Signal für die zukünftige Preissetzungsmacht und den Anteil höhermargiger Komponenten lesen.
Damit verschiebt sich die Frage von „Wird KI verkauft?“ zu „Wie viel bleibt davon hängen?“ Dazu kommt ein Markt-Kontext, der die Erwartungshaltung an die nächste Ergebnisveröffentlichung erhöht. Laut den Angaben in der Vorlage liegt die Aktie von AVGO bis dato etwa 7 Prozent im laufenden Jahr vorn, während der breitere Technologie-/Computer-Sektor um rund 17,1 Prozent gestiegen sein soll. Im Vergleich zu mehreren Wettbewerbern aus dem AI-Infrastrukturraum wird AVGO damit zeitweise als zurückgeblieben beschrieben: Cisco Systems, Hewlett Packard Enterprise und Marvell Technology hätten im selben Zeitraum deutlich stärker performt. Für Anleger bedeutet das: Das Momentum ist zwar vorhanden, aber es ist nicht so explosiv wie bei einigen näheren Alternativen, was die Sensibilität gegenüber Überraschungen in den Margen und im KI-Umsatz-Tempo erhöht.
Auch die Bewertungsbasis bleibt ein Spannungspunkt. In der Vorab-Einschätzung wird die Aktie als „nicht so günstig“ charakterisiert: Für die nächsten zwölf Monate wird ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,75 genannt, das über dem Branchenniveau von 6,18 liegen soll. Das Bild ist allerdings heterogen: Cisco Systems wird mit 6,06 angegeben, Hewlett Packard Enterprise mit 1,39 – während Marvell Technology mit 12,64 höher bewertet sein soll. Diese Staffelung ist ein Hinweis darauf, dass der Markt unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten für Margenstabilität und KI-Cluster-Wachstum einpreist. Wenn Broadcom also zwar KI-Volumen liefert, die Bruttomarge aber gleichzeitig unter Druck bleibt, kann das schnell dazu führen, dass die Bewertung nicht „weiter nach oben“ mitzieht, sondern eher vorsichtig wird.
Langfristig stützt Broadcom die Story über konkrete Kundenbeziehungen und das Setup rund um KI-Compute und Networking. Im Text wird eine langfristige Vereinbarung mit Google genannt, die mehrere Generationen von TPUs und KI-Networking-Produkten adressiert. Zusätzlich heißt es, Anthropic erhalte Zugang zu weiteren 5 Gigawatt TPU-basiertem Compute ab 2027, während OpenAI 1,3 Gigawatt für 2027 einplant. Für Meta werden im Zusammenhang mit MTIA-XPUs 3 Gigawatt bis 2028 erwähnt. Technisch wird die Position über ein breites Portfolio untermauert: Ethernet-Switches, PCI-Express-Komponenten, DSPs, Laser, NICs sowie Router – ergänzt um Tomahawk-6- und Jericho-Fabric-Lösungen sowie co-packaged Optics. Das ist relevant, weil AI-Cluster nicht nur aus Rechenbeschleunigern bestehen, sondern die Datenbewegung zwischen Racks und über Fabrics oft über den Gesamtdurchsatz entscheidet.
Für die Einordnung der „Buy, Sell or Hold“-Frage bleibt letztlich das Zusammenspiel aus Wachstum, Margen und Bewertung ausschlaggebend. Broadcom erwartet für das gesamte Fiskaljahr 2026 KI-Semiconductor-Erlöse von 56 Milliarden US-Dollar, also ein Plus von etwa 180 Prozent, und setzt die Prognose für 2027 auf mehr als 100 Milliarden US-Dollar. In der Logik dieser Zahlen liegt ein klarer Pfad: steigende Compute-Kapazitätsanforderungen und höherer Broadcom-Content pro Gigawatt über nachfolgende XPU-Generationen. Gleichzeitig macht der Margenrückgang im Quartal und die im Vergleich zum Segment höhere Multiplikatorlage deutlich, warum viele Anleger vor dem Reporting eher auf Bestätigung warten: Die nächste Veröffentlichung muss sowohl die KI-Umsatstrends liefern als auch zeigen, ob sich der Margenabdruck zumindest stabilisieren lässt.
Entsprechend wird die Aktie in der Vorlage auf „Hold“-Niveau eingeordnet, also mit der Empfehlung, für einen günstigeren Einstieg abzuwarten. Ob dieses Timing aufgeht, hängt stark davon ab, wie stark die Bruttomarge tatsächlich von der KI-Mix-Verschiebung beeinflusst wird und ob der operative Hebel die kurzfristigen Effekte ausreichend kompensiert. Wer jetzt plant, sollte vor allem die Segmentdetails zu KI-Halbleitern, das Verhältnis von Bestellungen zu Auslieferungen sowie die Entwicklung bei Infrastruktur-Software im Blick behalten – denn genau dort entscheidet sich, ob das Wachstum „skalierbar“ ist oder nur „mehr Umsatz, weniger Marge“ bedeutet.
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