DORTMUND / LONDON (IT BOLTWISE) – Borussia Dortmund ist in die neue Bundesliga-Saisonvorbereitung gestartet, mit viel Energie im Trainingsbetrieb, aber noch offenen Fragen beim Kader. Sportchef Lars Ricken spricht bewusst von „beweglichen Zielen“ und setzt auf einen Schritt nach dem anderen statt auf eine Meister-Ansage. Gleichzeitig laufen die Arbeiten an mehreren Offensiv-Optionen, während das geplante Adeyemi-Szenario zusätzlich Dynamik bringen könnte. Im Hintergrund bleibt auch die Vertragslage um Niko Kovac und BVB-Boss Carsten Cramer ein Faktor bis zur nächsten Entscheidung.

BVB startet ambitioniert, aber ohne klares Transferziel – Ricken setzt auf „bewegliche Ziele“
BVB startet ambitioniert, aber ohne klares Transferziel – Ricken setzt auf „bewegliche Ziele“ (Foto: IT BOLTWISE)
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Borussia Dortmund hat die Vorbereitung auf die neue Bundesliga-Saison aufgenommen – bei hoher Trainingsintensität, aber sichtbar in einem Zustand „ambitioniert, aber unfertig“. Nach zwei Tagen Leistungsdiagnostik begann die erste Einheit nach der WM-bedingten, langen Pause. Lars Ricken rahmte den Auftakt als Phase der Erwartungshaltung, warnte zugleich aber vor einer vorschnellen Selbstbindung. In einem Satz bringt er die Linie auf den Punkt: „Ich spüre bei allen eine große Vorfreude“, sagte er. Dass damit dennoch keine harte Zielvorgabe verbunden sei, erklärte Ricken ebenso deutlich – ohne Meisterschaftserklärung. Der Kontext: Ohne komplette Rückkehr der Leistungsträger und ohne finale Personalplanung ist der Kader zwangsläufig ein laufendes Projekt.

Technisch betrachtet lässt sich die BVB-Transfer- und Kaderlogik wie eine Art operatives Programm-Management verstehen: Ziele werden nicht fixiert, sondern iterativ präzisiert, sobald Datenpunkte aus Fitness, Leistungsprofilen und Vertragsmarkt verfügbar sind. Ricken bezeichnete sich ausdrücklich als „Freund von beweglichen Zielen“ und stellte klar, dass das Teambild erst in den nächsten Trainingswochen rund wird: Es sind nicht alle Spieler zu Beginn da. Ole Book als neuer Sportdirektor versucht dabei, die Mannschaft über zwei parallele Arbeitspakete zu stabilisieren – Leistungsaufbau und Transferrealisierung. Dass diese Pakete sich überlappen, ist im Profifußball normal, aber die Qualität der Abstimmung entscheidet über Tempo und Risiko.

Auch Markt- und Wettbewerbsdynamik spielen in Dortmund hinein. Während Ricken nach außen auf Prozessdisziplin setzt, steht der deutsche Spitzenwettbewerb unter Zeitdruck: Bayern München, RB Leipzig und auch die ambitionierten Teams der zweiten Tabellenhälfte signalisieren regelmäßig Transfer- und Kaderqualität in kurzen Zyklen. BVB muss damit nicht nur Spieler akquirieren, sondern auch Anschlussfähigkeit herstellen, bevor sich Spielsystem und Rollenverteilung verfestigen. Genau hier hilft die Aussage von Carsten Cramer aus der Vorbereitungsphase: „Also gehen wir die Saison an, ohne schon einen Tabellenplatz auszugeben.“ Das ist weniger Demut als Steuerungsansatz – man vermeidet einen Zielkonflikt, wenn der Kader noch nicht vollständig ist oder wenn sich Marktchancen kurzfristig ändern.

Operativ ist der Stand des Kaders bereits konkret, aber noch nicht geschlossen. Bisher wurden Perspektivspieler verpflichtet – für zusammen rund elf Millionen Euro Kaua Prates (18) aus Brasilien, Justin Lerma (18) aus Ecuador sowie knapp 20 Millionen Euro für Innenverteidiger Joane Gadou (19) von RB Salzburg. Zusätzlich zeichnen sich weitere Gespräche ab: Medienberichte nennen Konstantinos Karetsas (18) von KRC Genk als Kandidat. Er könnte als Offensivoption Julian Brandt ersetzen, der bislang keinen neuen Verein gefunden hat. Hier wird deutlich, dass der BVB nicht nur „irgendwen“ sucht, sondern strategisch eine Lücke im Qualitätsprofil schließen will. Parallel könnte die Finalisierung eines Verkaufs von Karim Adeyemi an den FC Barcelona die Transferaktivität spürbar beschleunigen.

Der potenziell wichtigste Hebel für die nächsten Wochen ist dabei die Adeyemi-Option. Ricken ordnete die Abgänge seiner Planungslogik unter: Brandt, Niklas Süle und Adeyemi seien „am Ende dann auch nicht mehr die Unterschiedsspieler“ gewesen. Gleichzeitig nannte er die Zielsetzung für die aktuelle Marktphase: „Wir wollen ein, zwei, drei wirklich gute Transfers machen.“ Diese Formulierung ist im Profifußball ein klares Risiko-Management: Kurzfristiger Applaus durch einen vermeintlichen Coup wird bewusst gegen die Frage abgewogen, ob die Transfers den Leistungsabfall in anspruchsvollen Phasen wirklich kompensieren. Ein Marktmechanismus, der dahintersteht: Bessere Spielerprofile erhöhen die Planbarkeit der Spielintensität, besonders wenn mehrere Leistungsträger zu unterschiedlichen Zeitpunkten nach der WM zurückkommen.

Auf der technischen und sportmedizinischen Seite verschiebt sich der Takt ebenfalls. Trainer Niko Kovac steht vor der typischen, aber im Spitzenklub entscheidenden Aufgabe, WM-Spieler zeitversetzt zu integrieren. Die deutschen Nationalspieler sollen – mit Ausnahme des schwer am Sprunggelenk verletzten Nico Schlotterbeck – rechtzeitig zur Asienreise wieder einsteigen. Diese Reise ist für den Zeitraum 26. Juli bis 2. August angesetzt. Gregor Kobel und Julian Ryerson stoßen nach dem Ausscheiden mit der Schweiz und Norwegen zunächst später hinzu. Die Konsequenz für die Trainingssteuerung: Rollen, Laufwege und Abstimmungen müssen mit einer „interim roster“-Variante organisiert werden, bis die komplette Abwehrplanung stabil ist.

Gerade bei der Abwehr ist die Unsicherheit noch nicht weg. Ricken gab eine klare Zeitspanne für Schlotterbeck: „Das wird noch ein paar Wochen dauern.“ Das Comeback ist damit frühestens im September denkbar, mit einer möglichen Verschiebung in den Oktober. Bei Kapitän Emre Can verlängert sich der Zeitplan wegen des Kreuzbandrisses entsprechend länger. Aus Management-Sicht ist das relevant, weil es die Transferpriorität beeinflusst: Wenn ein Top-Innenverteidiger länger ausfällt, steigt die Bedeutung von sofort verfügbaren Systemspielern oder flexiblen Lösungen aus dem Markt. Und genau in solchen Situationen entscheidet sich, ob die „beweglichen Ziele“ zu handfesten Ergebnissen führen oder ob der Saisonstart durch Notfall-Varianten geprägt wird.

Neben dem Kader steht zudem die Personalie Trainer und Top-Management auf dem Radar. Sowohl Kovac als auch BVB-Boss Carsten Cramer haben Verträge, die im kommenden Sommer auslaufen. Ricken deutete an, dass aktuell alles in Richtung Verlängerung laufe. Gleichzeitig ist das psychologisch und operativ ein weiterer Parameter, denn mittelfristige Entscheidungen verändern immer die Transferlogik: Wer länger plant, bevorzugt Profile, die zum Spielsystem in zwei bis drei Jahren passen – wer unter Zeitdruck steht, investiert häufiger in unmittelbare Effekte. Aus der Branche wird daher analytisch oft erwartet, dass gerade in Dortmund die Balance zwischen sportlicher Vision und Marktrealität besonders fein ausfallen muss.

Für die Zukunftsauswirkungen lässt sich ein realistischer Fahrplan ableiten. Solange der Kader nicht komplett ist, bleibt die Saisonvorbereitung ein Testfeld für Rollenbesetzung, Laufintensität und Pressing-Mechanik. Der BVB gewinnt dabei besonders dann Zeit, wenn Transfers nicht nur Talent, sondern auch funktionale Passung liefern: Spieler, die sofort in die taktischen Abläufe integrierbar sind, reduzieren das Risiko von Systembrüchen in den ersten Liga-Spielen. Marktseitig bedeutet die Adeyemi-Perspektive: Wenn der Transfer wie geplant zustande kommt, entstehen Spielräume, um eine oder zwei zusätzliche Qualitätslücken zu schließen. Unterm Strich dürfte sich die Frage weniger „Meisterschaft oder nicht“ sein, sondern ob Dortmund zum richtigen Zeitpunkt die Unterschiedsspieler nachzieht – und ob Kovac, Book und Cramer die dafür nötige operative Klarheit herstellen.


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