JENA / LONDON (IT BOLTWISE) – Carl Zeiss Meditec rutscht nach neun Monaten vor allem wegen schwächerer Geschäfte in China in die roten Zahlen. Die Gewinne sinken deutlich, während das Unternehmen das bereits im Mai angepasste Zielbild bestätigt. Gleichzeitig kündigt der Medizintechnikkonzern konkrete Kostensenkungen an, die laut Plan das Ergebnis bis 2028/29 um mehr als 200 Millionen Euro pro Jahr verbessern sollen. Die Aktie reagiert mit einem Kursplus von fast 7 Prozent auf 28,18 Euro.

Der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec steht zum Jahresstart in einem klaren Spannungsfeld: Während einzelne Bereiche überdurchschnittlich laufen, drückt das China-Geschäft spürbar auf Umsatz und Ergebnis. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres spiegelt sich das in zwei gegenläufigen Effekten wider. Einerseits stabilisiert sich die Umsatzentwicklung „auf währungsbereinigter Basis“; andererseits gehen die Gewinne deutlich zurück. Zusätzlich wirken ungünstige Wechselkurse als Verstärker, sodass die Gesamtrechnung stärker leidet als es ein reines Mengenbild vermuten ließe.
Für das operative Bild ist entscheidend, dass der Konzern die Jahresziele, die er erst im Mai gesenkt hatte, bestätigt. Damit signalisiert das Management: Die schwächere Nachfrage und der Margendruck sind nicht nur ein kurzfristiges Phänomen, sondern in der Planung verankert. Für das restliche Geschäftsjahr 2025/26 (bis Ende September) erwartet das Unternehmen einen volatilen makroökonomischen Rahmen; die operative Marge soll auf 8 bis 10 Prozent zurückgehen. Beim Erlös nennt Carl Zeiss Meditec eine Spanne von 2,15 bis 2,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang von bis zu 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Operativ verschlechtert sich die Ergebnisbasis laut vorliegenden Zahlen besonders deutlich: Das bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebita) fällt in den ersten neun Monaten um fast 30 Prozent auf 124,5 Millionen Euro. Unter dem Strich bleibt für die Anteilseigner ein Überschuss von 69,7 Millionen Euro nach 89,4 Millionen Euro im Vorjahr. Auf Ebene der Segmente zeigt sich zudem ein differenziertes Bild: Das Segment Mikrochirurgie entwickelt sich stark, während das Geschäft mit Augenheiltechnik in China weiter schwächelt. Analyst Charles Weston von der kanadischen Bank RBC ordnet das damit ein, dass der bereinigte operative Gewinn in der Tendenz etwa zehn Prozent über der Konsensschätzung lag, was allerdings nicht die strukturellen Belastungen im wichtigsten Markt überdeckt.
Warum sich China so hartnäckig auf die Kennzahlen auswirkt, liegt weniger an einem einzelnen Produkt, sondern eher an den Bedingungen im Ausschreibungs- und Wettbewerbsumfeld. Laut Darstellung kämpft Carl Zeiss Meditec zuletzt mit einer schwächeren Nachfrage und strengeren Vergaberegeln in der Volksrepublik China. Praktisch bedeutet das: Häufig werden einheimische Wettbewerber bevorzugt, was besonders das Premiumlinsen-Geschäft trifft; zuletzt mussten Produkte sogar verschrottet werden. Wichtig bleibt dabei: Ein Rückzug aus dem chinesischen Markt, der rund ein Viertel zum Konzernumsatz beisteuert, sieht der Finanzvorstand Justus Felix Wehmer zufolge nicht als Option an. Stattdessen soll das Unternehmen präsenter bleiben und seine Aufstellung weiter an lokale Gegebenheiten anpassen.
Genau an dieser Stelle setzt das angekündigte Einsparprogramm an, das von der Kostenstruktur bis zur Fertigungslogik reichen soll. Carl Zeiss Meditec will Lieferketten im Einkauf optimieren, weniger profitable Produkte aus dem Portfolio herausnehmen und Teile des Geschäfts in günstigere Länder verlagern. Zusätzlich bereitet das Unternehmen Vorbereitungen für einen künftigen Fertigungsstandort in Indien vor. Die Messlatte ist dabei nicht nur „Effizienz“ im allgemeinen Sinne: Aus den Einsparungen könnten in den nächsten drei Jahren bis zu 1.000 Stellen weltweit betroffen sein, und bis zum Geschäftsjahr 2028/29 soll sich das Ergebnis im Vergleich zum laufenden Berichtszeitraum um jährlich mehr als 200 Millionen Euro verbessern. Gespräche mit Arbeitnehmervertretern seien aufgenommen worden und verliefen konstruktiv und vertrauensvoll.
Auf der Ertragsseite werden daraus konkrete Margenziele abgeleitet: Die bereinigte operative Marge, gemessen am bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Ebita), soll auf mindestens rund 15 Prozent steigen; langfristig peilt das Unternehmen 16 bis 20 Prozent an. Dieses Zielbild ist besonders relevant für den Markt, weil es die Frage nach der Belastbarkeit im Pricing-Umfeld beantwortet. Sollte der Konzern seine Kostenbasis tatsächlich in der geplanten Geschwindigkeit umbauen können, ließe sich ein Teil der China-Delle kompensieren – zumindest rechnerisch. Die Aussage von David Adlington von der US-Bank JPMorgan geht dabei in eine ähnliche Richtung: Nach seiner Einschätzung hat das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal die Erwartungen verfehlt, wenn Zollrückerstattungen herausgerechnet werden.
Auch für Technologie- und Prozessverantwortliche innerhalb der Medizintechnikindustrie ist das Programm mehr als eine reine Finanzmaßnahme. Kostensenkung in Einkauf und Lieferkette bedeutet in der Praxis oft eine stärkere Standardisierung von Komponenten, ein strengeres Bestell- und Forecasting-Setup sowie eine neue Logik bei Bestandsreichweiten und Qualitätskosten. Gleichzeitig kann die Verlagerung in günstigere Länder und der Aufbau eines Fertigungsstandorts die gesamte Produkt- und Compliance-Dokumentation betreffen, weil sich Herstell- und Testschritte an neuen Standorten abbilden müssen. Für Carl Zeiss Meditec entscheidet sich damit, ob das Unternehmen seine operative Steuerung so weit modernisieren kann, dass Margen auch dann stabil bleiben, wenn der Marktmix in einzelnen Regionen schwankt.
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