CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – In mehreren kalifornischen Regionen steigt die Zahl rabider Tiere, was Gesundheitsbehörden zur Wachsamkeit bei potenziellen Kontaktfällen drängt. Der US-Gesundheitsdienst CDC meldet einen deutlichen Anstieg von Menschen, die nach möglicher Exposition eine Tollwut-Immunglobulin-Gabe erhalten. Gleichzeitig wurden mehr Patienten mit Tollwutimpfungen versorgt, die in der Regel über mehrere Tage laufen. Besonders Fledermäuse spielen in den aktuellen Berichten eine zentrale Rolle, weil Bissspuren sehr klein sein können.

Die aktuellen Warnungen aus den USA treffen vor allem die Schnittstelle zwischen Wildtierkontakt und medizinischer Nachsorge. In Kalifornien melden mehrere Bezirke mehr Tiere, die auf Tollwut getestet positiv sind, und verweisen damit auf ein Problem, das im Alltag leicht übersehen wird: Der Kontakt wirkt manchmal harmlos, die Folgen sind aber gravierend. Die US-Seite liefert dafür auch konkrete Zahlen, denn die Warnung richtete sich an medizinische Einrichtungen mit dem Hinweis, Fehler bei der Anwendung von Post-Expositionsmaßnahmen zu vermeiden.
Im Zentrum steht dabei die Post-Expositionsprophylaxe (PEP), die aus zwei Bausteinen besteht: einem Tollwut-Immunglobulin und einer Tollwutimpfung. Der CDC meldete in dem Zusammenhang einen Anstieg um 76 Prozent bei Personen, die Immunglobulin-Injektionen erhalten, sowie einen Zuwachs um 33 Prozent bei Personen, die eine Tollwutimpfung bekommen. Solche Kennzahlen sind für Kliniken nicht nur Statistik, sondern betreffen die tägliche Praxis: Die Schritte unterscheiden sich, die Zeitfenster sind unterschiedlich, und die korrekte Zuordnung beider Präparate entscheidet darüber, wie schnell das Immunsystem und die unmittelbare Abwehr greifen.
Ein weiterer Aspekt sind die gemeldeten lokalen Brennpunkte in Kalifornien. In der Bay Area warnte Berkeley, nachdem seit Jahresbeginn fünf rabide Fledermäuse nachgewiesen wurden, deutlich mehr als die übliche Spanne von ein bis zwei Fällen pro Jahr. In Pleasanton tauchte im Juni eine rabide Hauskatze auf, die anschließend euthanasiert wurde. Los Angeles berichtet seit Jahren von einem erhöhten Anteil positiver Testergebnisse bei Fledermäusen, genannt wird ein Bereich von 15 Prozent bis 20 Prozent; zudem wurden 62 rabide Fledermäuse im laufenden Jahr verzeichnet, während es für das gesamte Jahr 2025 insgesamt 69 waren. Für San Diego wiederum werden 43 positive Fledermaustests für 2026 genannt, mehr als das Doppelte gegenüber 2025.
Warum ausgerechnet Fledermäuse stärker in den Fokus rücken, lässt sich technisch und epidemiologisch erklären. Dr. Monica Gandhi, Infektiologin an der UC San Francisco, ordnet ein, dass Tollwut früher häufig mit Hunden in Verbindung gebracht wurde, während Impfpflichten und Tiergesundheitsprogramme den menschlichen Kontakt über Haustiere heute seltener machen. Wildtiere wie Fledermäuse oder Waschbären übernehmen damit im praktischen Alltag die Rolle des Übertragungswegs. Besonders tückisch ist, dass Fledermausbisse so klein sein können, dass Betroffene sie möglicherweise nicht bemerken – ein Fenster- oder Alltagskontakt kann aus medizinischer Sicht trotzdem ein Grund für sofortiges Handeln sein.
Gandhi beschreibt außerdem den Mechanismus der beiden PEP-Komponenten: Das Immunglobulin soll verhindern, dass die Infektion überhaupt „Fuß fasst“, indem es die frühen Schritte der Krankheitsausbreitung abfängt, bevor das Virus entscheidende Zellen erreicht. Für die Wirksamkeit nennt sie ein Zeitfenster von 72 Stunden nach Exposition. Gleichzeitig gilt: Das Immunglobulin ist nicht die einzige Maßnahme. Die anschließende Tollwutimpfung wird in einer Serie über mehrere Tage gegeben, um langfristigen Schutz aufzubauen – auch für den Fall, dass später erneut eine Exposition passiert. Aus Sicht von Notaufnahmen und Erstversorgern bedeutet das: Wenn ein Kontakt mit einem potenziell rabiden Tier nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann, sollte die PEP konsequent nach Protokoll begonnen werden.
Der Warnhinweis des CDC adressiert daher auch organisatorische Details, nicht nur die medizinische Indikation. In dem Advisory wurde unter anderem betont, wie Ärztinnen und Ärzte die Präparate korrekt platzieren und welche Kriterien für die unterschiedlichen Schüsse gelten. Solche Hinweise sind gerade dann relevant, wenn die Fallzahlen steigen: Mehr Kontakte bedeuten mehr Möglichkeiten für Fehler, etwa bei Dosis, Applikationsort oder beim Zusammenspiel von Immunglobulin und Impfung. Kliniken und öffentliche Gesundheitsdienste müssen zudem die richtige Kommunikation mit Patientinnen und Patienten sicherstellen: Selbst wenn kein sicherer Biss beobachtet wurde, empfehlen die aktuellen Aussagen eine Abklärung und gegebenenfalls die Post-Expositionsprophylaxe, weil die Konsequenzen bei unbehandelter Infektion extrem sind. In den aktuellen Berichten wird außerdem darauf hingewiesen, dass eine Übertragung nicht durch bloßes Vorbeifliegen erfolgt, sondern über einen Biss.
Für Unternehmen mit medizinischer Infrastruktur, Pflege- und Arbeitsschutzverantwortung in Regionen mit relevanten Wildtierkontakten bedeutet das vor allem eins: Prozesse müssen schnell sein. Beschäftigte im Außendienst, in Parks, in Stall- oder Tierumgebungen sollten wissen, wie sie Expositionsverdacht melden und welche Wege zur medizinischen Abklärung funktionieren. Gleichzeitig rückt die Entwicklung in der Fallstatistik eine praktische Erwartungssteuerung in den Fokus: Wenn immer mehr Menschen PEP erhalten, steigen auch die Anforderungen an Lieferketten, Terminplanung und Dokumentationsqualität. Die aktuellen Zahlen zeigen damit weniger eine „neue“ Krankheit als vielmehr eine verstärkte Sichtbarkeit eines bekannten Risikos – mit hoher Relevanz für Prävention, klinische Abläufe und das schnelle Handeln nach unklaren Tierkontakten.
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