LONDON (IT BOLTWISE) – In den offiziellen Web-Stores für Chrome und Edge wurde eine koordinierte Kampagne mit mindestens 16 bösartigen Erweiterungen identifiziert. Die Schadsoftware soll seit Anfang 2024 aktiv sein und sich auf das Abgreifen sensibler Nutzerdaten sowie digitaler Vermögenswerte spezialisiert haben. Besonders problematisch ist die Kombination aus Token-Diebstahl und dem Ausspähen von Session-Tokens, wodurch Konten übernommen werden können. Google entfernte die betroffenen Chrome-Varianten bereits, während es für Edge zu diesem Zeitpunkt weiterhin entsprechende Versionen gab.

Eine Malware-Kampagne, die sich im Browser tarnt, zeigt aktuell, wie schnell sich Angriffe von der reinen Datenerfassung Richtung Kontoverlust verschieben können. Laut der Meldung wurden in den offiziellen Web-Stores für Chrome und Edge mindestens 16 bösartige Erweiterungen gefunden, die als Träger für ein weitreichendes Malware-Framework fungieren. Auffällig ist dabei die zeitliche Einordnung: Die Infrastruktur soll bereits seit Anfang 2024 aktiv sein und in einem Bereich operieren, in dem viele Nutzer ihren Finanzverkehr und die Interaktion mit Wallets direkt im Browser abwickeln.
Technisch setzt das Konzept stark auf die Zugriffsmöglichkeiten der Browser-Umgebung. Die Schadmodule konzentrieren sich demnach auf den Finanzsektor innerhalb des Browsers und sollen Kryptowährungen aus verschiedenen Ökosystemen entwenden können. Besonders im Fokus stehen die Netzwerke EVM, Solana und Tron. Durch den Zugriff auf die Web-Schnittstellen könne die Malware Transaktionen manipulieren oder private Schlüssel abgreifen, die in diesen Kontexten verwendet werden. Damit reicht die Wirkung über klassisches Credential-Stealing hinaus: Auch wenn Nutzer keine direkten Zugangsdaten eingeben müssen, kann die Manipulation im Hintergrund den Verlust von Assets auslösen.
Noch unmittelbarer wird das Risiko, wenn neben Token auch Sitzungen ins Visier geraten. Zusätzlich zum direkten Diebstahl von Token zielt die Kampagne darauf, aktive Nutzersitzungen zu übernehmen. Hierfür werden offenbar Session-Tokens gestohlen, sodass Angreifer unter Umständen Zugriff auf Konten erlangen, ohne im Moment des Logins zwingend Passwörter oder die Zwei-Faktor-Authentifizierung kennen zu müssen. Genau an dieser Stelle wird deutlich, warum Session-Diebstahl für Betreiber besonders kritisch ist: Die Security-Mechanismen greifen oft am Login an, nicht aber in dem Moment, in dem gültige Session-Daten bereits im Browser- oder Session-Kontext ausgelesen wurden. Im Text wird außerdem eine Größenordnung genannt: Von 4,7 Millionen gehackten Konten pro Quartal in Deutschland ist die Rede, begleitet von der Warnung, dass Nutzer mit reiner Passwortnutzung ein unnötiges Risiko eingehen.
Ein zentraler Baustein der Angriffslogik ist die Verbreitung über sogenannte „ClickFix“-Köder. Dabei injizieren die Erweiterungen manipulierte Benachrichtigungen oder Fehlermeldungen in den Websites, die der Nutzer gerade besucht. Diese Hinweise sollen Anwender unter dem Vorwand technischer Probleme zu bestimmten Aktionen verleiten, die dann die Installation weiterer Schadsoftware nach sich ziehen. Für die Angreifer erhöht dieses Vorgehen die Persistenz, weil es nicht allein von der einmaligen Installation der Erweiterung abhängt, sondern die Nutzerinteraktion systematisch ausnutzt. Entsprechend lässt sich die Kampagne nicht nur als Infektionskette beschreiben, sondern als Mechanismus, der Spionageaktivitäten auch über den Browser hinaus fortführen kann.
Wie stark solche Erweiterungen in die reale Nutzung hineinwirken können, zeigen auch die genannten Verbreitungszahlen. Als Beispiel nennt der Bericht die Erweiterung „Enable Right Click & Copy“, die offenbar als harmlos wahrgenommen wird, aber mit den beschriebenen Funktionen verknüpft war. Allein im Chrome Web Store habe sie rund 70.000 Installationen erreicht, zusätzlich hätten weitere 10.000 Nutzer eine Edge-Version verwendet. Für Unternehmen und Security-Teams ist das eine unbequeme Erinnerung: Selbst „offizielle“ Marktplätze sind nicht immun gegen professionell gestaltete Schadsoftware, und automatische Prüfprozesse können zeitweise nicht verhindern, dass solche Add-ons erst nachträglich erkannt und entfernt werden.
Die Reaktion der Plattformbetreiber folgt der üblichen Logik aus Entfernung und Aufklärung, allerdings mit unterschiedlichem Stand je nach Browser. Google habe demnach bereits Maßnahmen ergriffen und die bösartigen Versionen der betroffenen Erweiterungen aus dem Chrome Web Store entfernt, wodurch Neuinfektionen über diesen Kanal unterbunden werden sollen. Nutzer, die die Erweiterungen bereits installiert haben, sollten die entsprechenden Add-ons zeitnah manuell entfernen und ihre Sicherheitsvorkehrungen prüfen. Für Edge stellt die Lage dagegen zum Zeitpunkt der Berichterstattung weiterhin ein Problem dar: Die bösartigen Erweiterungen sollen in der Edge-Version verfügbar gewesen sein. Damit rückt für Edge-Anwender besonders die regelmäßige Kontrolle installierter Browser-Add-ons in den Fokus, inklusive Prüfung auf ungewöhnliche Berechtigungen.
Für die Praxis heißt das: Browser-Sicherheit ist inzwischen weniger eine Frage von „ob“ als von „wie schnell“ und „wie granular“. Wenn Session-Tokens im Spiel sind, reichen oft reine Login-Schutzmaßnahmen nicht aus; dann wird es entscheidend, ob die Umgebung während des Aufenthalts im Browser kompromittiert wird. Gerade im Krypto-Umfeld lohnt es sich daher, die komplette Kette zu betrachten: von der Erweiterung, die potenziell im Hintergrund arbeitet, bis zur konkreten Interaktion mit Web-Wallets und Börsenoberflächen. Der Fall macht zudem deutlich, warum „Passkey“-Konzepte in Sicherheitsdebatten immer häufiger auftauchen: Sie reduzieren den dauerhaften Nutzen von Passwörtern, helfen aber nur dann zuverlässig, wenn zugleich die Token- und Session-Ebene geschützt bleibt.
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