LONDON (IT BOLTWISE) – Citigroup hebt das 12-Monats-Ziel für Bitcoin auf 113.000 US-Dollar an und verweist auf steigendes Interesse sowie besseres Markt-Sentiment. Auch bei Ethereum steigt die Prognose deutlich, gestützt durch Erwartungen an wachsende Nachfrage nach kryptobasierten ETFs. Als zusätzliche Rückenwinde nennt die Bank die Entscheidung des US-Finanzministeriums zum Rückkauf länger laufender Staatsanleihen und einen schwächeren US-Dollar. Im Hintergrund standen zuvor bereits mehrere Monate mit stagnierenden Kursen und wechselnden ETF-Flows.

Nach einem Jahr mit wechselhaften Kursverläufen rückt Bitcoin wieder stärker in den Fokus großer Finanzhäuser. Citigroup hat dafür ein klares Signal gesetzt: Die Bank erhöhte ihr 12-Monats-Ziel für den Bitcoin-Preis auf 113.000 US-Dollar, nachdem sie zuvor 82.000 US-Dollar erwartet hatte. Der Kern der Argumentation ist nicht nur eine kurzfristige Trendwende, sondern anhaltender Aufwärtsdruck, der laut Citigroup aus erneuertem Interesse an Kryptowährungen und einem insgesamt günstigeren Marktklima entsteht. Für Anleger bedeutet das vor allem eine Verschiebung in der Erwartungshaltung: Wo viele Marktteilnehmer noch mit Fortsetzung der Schwäche gerechnet hatten, wird jetzt ein neuer Bewertungsrahmen ausprobiert.
Technisch wirkt der Optimismus der Bank dabei weniger wie eine einzelne Kursprognose, sondern wie ein Paket aus Fundamentaldynamiken, die sich gegenseitig verstärken können. Citigroup stellt explizit die Rolle von kryptobasierten Exchange Traded Funds in den Mittelpunkt: Für die kommenden zwölf Monate rechnet die Bank mit Zuflüssen von 5 Milliarden US-Dollar in Krypto-ETFs, die durch den Marktmechanismus Kapitalflüsse in den Spot-Bereich spiegeln. Entsprechend ordnet sie auch die ETF-Entwicklung zeitlich ein: Nach Abflüssen in den Monaten Mai und Juni von zusammen nahezu 7 Milliarden US-Dollar habe sich der Trend im Juli gedreht, und im September seien die Spot-ETFs erstmals wieder deutlich in die Gewinnzone gekommen. Diese Logik ist für den Krypto-Spotmarkt relevant, weil ETF-Zuflüsse in der Praxis häufig zu zusätzlicher Nachfrage nach dem zugrunde liegenden Vermögenswert führen, während Abflüsse den Druck dagegen erhöhen.
Auch das Makro-Setup liefert in der Citigroup-Analyse einen konkreten Transmissionspfad. Als Auslöser nennt die Bank die Entscheidung des US-Finanzministeriums, länger laufende Staatsanleihen zurückzukaufen, was den US-Dollar laut Argumentation schwächte. Historisch, so wird es in der Analyse der Bank beschrieben, machen schwächere Währungen riskantere Anlagen für viele Investoren attraktiver – insbesondere für spekulative Segmente wie Kryptowährungen. Dass sich dieser Mechanismus nicht nur theoretisch, sondern bereits in der Kursbewegung gezeigt hat, versucht Citigroup über die zeitliche Korrelation zu belegen: Bitcoin fiel von einem Hoch von 124.000 US-Dollar im Oktober 2025 auf ein Tief von 58.000 US-Dollar im Juni, bevor die Rally nach der Ankündigung des Bond-Rückkaufs im August sichtbar an Fahrt gewann. Bis September durchbrach Bitcoin dann die Marke von 80.000 US-Dollar und handelt seitdem grob in diesem Korridor.
Für eine breitere Investment-These ist dabei wichtig, dass Citigroup nicht bei Bitcoin stehenbleibt. Die Bank hebt auch ihr Ziel für Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung, an – von 2.240 US-Dollar auf 3.028 US-Dollar. Als Begründung verweist sie erneut auf die erwartete ETF-getriebene Nachfrage, weil sich Kapitalflüsse in regulierter Produktform oft schneller in den Markt transportieren lassen als reine Einzelkäufe über Wallets. Damit stellt sich die Frage nach dem „Regime“, in dem sich Krypto wieder stärker als handelbares Bestandteil eines Investmentportfolios etabliert: Wenn institutionelle Vehikel in den Zuflüssen überwiegen, verschiebt sich die Marktmechanik häufig von Einzelrausch zu stärkerer Nachfrage-Glättung über Produktkanäle. Genau das könnte erklären, warum Citigroup die Aufwärtsbewegung als Fortsetzung erwartet und nicht nur als kurzfristige Gegenbewegung.
Daneben spielt laut Bericht auch die regulatorische Gemengelage eine Rolle, allerdings eher als Stimmungsfaktor als als unmittelbar messbare Regeländerung. Der sogenannte Clarity Act, der breitere Leitplanken für den Kryptomarkt gesetzt hätte, konnte Mitte September nicht mehr im Senat vorankommen. Trotzdem habe Bitcoin laut Citigroup relativ stabil reagiert, während sich andere Teile des Marktes womöglich nervöser zeigten. Anschließend habe die US-Börsenaufsicht SEC ihre bestehenden Befugnisse genutzt, um während der restlichen Amtszeit eines aktuellen Regierungskontexts Regeln für die Branche über die vorhandenen Instrumente zu entwickeln. In der Gesamtbetrachtung bewertete Citigroup diese Schritte so, dass sie die Sorgen vieler Investoren beruhigt hätten.
Für Unternehmen, die Krypto-Themen bisher vorsichtig behandelt haben, ist die eigentliche Relevanz dieser Entwicklungen weniger das einzelne Kursziel als der Hinweis auf mehrere parallel wirkende Einflusskanäle. Wenn ETF-Flows als messbarer Taktgeber funktionieren und gleichzeitig makroökonomische Parameter wie der US-Dollar eine Gegenkraft zur Risikoaversion bilden, entsteht ein Umfeld, in dem auch neue Produkte leichter Anschluss finden können. Gleichzeitig sollte man sich aber bewusst machen, dass das Jahr zuvor genau diese Erwartungen bereits mehrfach gebrochen hat: Die Choppy-Phase bei Spot-ETFs mit Abflüssen im Frühjahr und Frühsommer macht deutlich, dass Zuflüsse stark schwanken können. Für strategische Entscheidungen heißt das: Teams sollten Szenarien planen, in denen ETF-Nachfrage wieder dreht, und parallel bewerten, welche Rolle Liquidität und Verwahrung im operativen Betrieb spielen.
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