PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Citroën zeigt auf der 2026er Paris Motor Show ein modernes 2CV-Konzept als kompaktes, leichtes Elektroauto für die Stadt. Ziel ist ein Alltagsticket Richtung 15.000 Euro, dabei soll das Fahrgefühl trotzdem „besonders“ bleiben. Auffällig sind der kleine, bewusste Längenzuschnitt, ein minimalistischer Innenraum mit Smart-Vision-Projektion und ein digitales „Tire Twin“, das Reifenstatus und Fahrverhalten gekoppelt überwachen soll. Die Serienankunft peilt Citroën für 2028 an, damit läge der Launch zeitlich exakt 80 Jahre nach dem 2CV-Original.

Citroën bringt den 2CV als Ultra-Budget-EV: Konzept auf dem Weg ins Jahr 2028
Citroën bringt den 2CV als Ultra-Budget-EV: Konzept auf dem Weg ins Jahr 2028 (Foto: IT BOLTWISE)
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Citroën nutzt die Bühne der 2026er Paris Motor Show, um die Idee vom 2CV für die Gegenwart zu übersetzen: nicht als nostalgische Kopie, sondern als Versuch, eine bezahlbare Elektro-Alternative für enge Innenstädte zu definieren. Der Kern des Konzepts ist dabei überraschend pragmatisch. Citroën positioniert den künftigen Serienwagen laut eigener Planung zwischen dem sehr kleinen Ami und dem C3 und will damit genau die Lücke schließen, in der viele Haushalte zwar „elektrisch“ möchten, aber in der Regel beim Preis und bei der Bedienbarkeit scheitern. Statt den Fokus auf maximale Reichweite oder eine besonders aufwendige Hightech-Karosserie zu legen, wird das Fahrzeug als leichtes, leicht zu wartendes Stadtauto gedacht.

Technisch und konstruktiv fällt vor allem der Größenansatz auf. Obwohl das Design bewusst nach vorn arbeitet, soll die 2CV-Formensprache nicht auf Kosten der Alltagspraktikabilität gehen: Mit rund 3,7 Metern Länge bleibt das Konzept minimal unter dem Originalmaß von etwa 3,8 Metern. Citroën nennt eine Zielmasse von ungefähr 2.200 Pfund, was im Kontext kleiner E-Autos ein klares Signal ist: Wenn das Fahrzeug nicht übermäßig schwer wird, sinken die Anforderungen an die Batterie, und damit steigen die Chancen, dass auch Anschaffungspreis und laufende Kosten kontrollierbar bleiben. Diese Logik zieht sich weiter in die Karosserie-Philosophie durch, die auf breiten, flachen Außenflächen und austauschbaren, separaten Stoßfängern setzt. Das vereinfacht Reparaturen, reduziert im Idealfall Werkstattaufwand und macht Karosserieteile modularer als bei vielen modernen Fahrzeugen.

In die moderne Funktionsschicht gehört auch die Kooperation mit Michelin. Citroën arbeitet laut Konzept an einem „universalen digitalen Tire Twin“, der den Zustand der Reifen überwachen und darauf aufbauend die Fahrzeugcharakteristik dynamisch anpassen soll. Der Ansatz ist interessant, weil er eine häufige Schwachstelle heutiger Assistenz- und Komfortfunktionen adressiert: Reifen sind im Alltag nicht nur Verbrauchsteile, sondern der wichtigste „Sensor“ für Grip und Fahrverhalten. Ein digitaler Zwillingsansatz kann hier helfen, Muster aus Abnutzung, Temperatur oder Fahrprofilen zu erkennen und die Abstimmung von Antrieb und Stabilitätsstrategien genauer auf die Realität der jeweiligen Strecke zu übertragen. Gleichzeitig bleibt der Fokus auf bezahlbarer Elektromobilität erhalten, denn der „Tire Twin“ zielt auf Wirkung durch kontinuierliche Überwachung statt auf zusätzliche, teure Hardware-Module.

Das äußere Design knüpft an den Wiedererkennungswert des Originals an, wirkt aber bewusst zeitgemäß. Vorne setzt das Konzept auf freistehende runde Scheinwerfer mit moderner LED-Signatur, während Details wie die Anlehnung an das TPV-Prinzip („Toute Petite Voiture“) die 2CV-Historie in die Motorhaube zurückholen. Auch das „alte Gefühl“ wird gezielt zitiert: Sichtbare Scheibenwischer und in die Front integrierte Luftöffnungen sind Reminiszenzen, die nicht nur optisch funktionieren, sondern dem Konzept seine klare Identität geben. Von der Seite kommen der Inspirationseffekt bei den Türgriffen und die Interpretation klassischer Proportionen hinzu, hinten dominiert eine markante Dachlinie mit schwarzem Heckklappenteil bis in den Stoßfänger sowie horizontalen LED-Elementen. Selbst der Kennzeichenbereich soll als kleines Osterei an die weltweiten 2CV-Spitznamen erinnern.

Im Innenraum entscheidet sich, ob Citroën nur „retro“ dekoriert oder tatsächlich einen neuen, effizienten Ansatz für das Cockpit findet. Die Studie bleibt screen-lastig nicht im Sinne eines Multifunktions-Tablet-Überflusses, sondern kombiniert ein minimalistisches Fahrer-Setup mit einem projizierenden Smart-Vision-Display. Dieses System soll wichtige Informationen in die Sichtlinie des Fahrers projizieren, wodurch sich Wege zwischen Blick auf Instrumente und Blick auf die Straße verkürzen lassen. Zusätzlich gibt es ein 8,0-Zoll-Display als quadratische Schnittstelle, die digitale Funktionen mit physischen Bedienelementen zusammenführen soll; die grafische Anmutung orientiert sich dabei an Comic-Optik, also an bewusst „leichter“ Interpretation statt an reiner Systemneutralität. Praktische Details wie verschiebbare Sitzkomponenten, herausnehmbare Ablagen und strap-förmige Türgriffe unterstreichen den Anspruch, dass das Auto nicht nur hübsch, sondern im Alltag nutzbar ist.

Zum städtischen Charakter passt auch die Vielzahl an augenzwinkernden Referenzen, die aber gleichzeitig eine Material- und Designstrategie andeuten. Citroën nennt für das Konzept eine Lackfarbe „Infra Red“ sowie beige, bakelit-inspirierte Elemente im Innenraum; dazu kommen texturierte Stoffe, gewebeähnliche Oberflächen und sogar 3D-gedruckte Ablagekörbe. Solche Details können die wahrgenommene Wertigkeit erhöhen, ohne zwingend die technische Komplexität zu steigern. Selbst bei der Bedienlogik geht es spielerisch weiter: Brems- und Gaspedal werden mit Symbolen von Schildkröte und Hase versehen, außerdem sind Funktionen wie Ventilationsklappen unter der Windschutzscheibe oder ein Auswahlschalter im Stil eines Regenschirmgriffs als 2CV-Zitat angelegt. Wenn der Serienwagen davon nur Teile übernimmt, wäre das bereits eine sinnvolle Balance zwischen Identität und Fertigungsrealität.

Entscheidend für die Marktrelevanz ist schließlich das Preisszenario. Citroën nennt für die Produktion eine Zielmarke von rund 15.000 Euro und sagt, der Wagen werde in Europa gebaut. Wenn dieses Niveau erreichbar bleibt, könnte das Konzept eine der wenigen echten Einstiegshürden in die E-Mobilität adressieren: den Kaufpreis. Citroën erwartet zudem den Produktionsstart bis 2028, mit dem möglichen Debüt auf der 2028er Paris Motor Show. Damit läge die Markteinführung exakt 80 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Original-2CV – eine Timing-Entscheidung, die nicht nur Marketing ist, sondern auch zeigt, wie stark Citroën die „Formel“ (leicht, praktisch, bezahlbar, mit Persönlichkeit) als Leitplanke für die Umsetzung versteht. Ob der Serienwagen am Ende wirklich so schlank in der Kostenstruktur bleibt, hängt von der Auslegung von Batterie, Lade- und Antriebskomponenten sowie von der Fertigungsreife der konzeptnahen modularen Bauteile ab. Für Europas wachsenden Wettbewerb im Segment der günstigen City-Elektroautos wäre ein gelungener Schritt in diese Richtung jedenfalls ein echter Stimmungswechsel.


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