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MAINZ / LONDON (IT BOLTWISE) – Der internationale Kreditversicherer Coface rechnet durch die Eskalation im Nahen Osten mit einem spürbaren Wachstumsverlust für 2026 und 2027. Gleichzeitig treiben höhere Energie- und Rohstoffpreise einen erneuten Inflationsschub in den Bereich des Möglichen, während Zentralbanken den restriktiven Kurs fortsetzen. In der Folge steigen Finanzierungskosten weiter, und Coface hat das Länderrisiko für mehrere Golfstaaten angepasst. Für Unternehmen heißt das: mehr Vorsicht bei Export- und Lieferkettenentscheidungen, besonders entlang kritischer Handelsrouten.

Coface-Risikoanalyse: Nahost drückt Wachstum, Zinsen bleiben hoch
Coface-Risikoanalyse: Nahost drückt Wachstum, Zinsen bleiben hoch (Foto: IT BOLTWISE)
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Geopolitische Spannungen wirken derzeit weniger wie ein Fernszenario als vielmehr wie ein konkreter Kosten- und Planungsfaktor in der Unternehmenspraxis. Der internationale Kreditversicherer Coface beschreibt in seinem „Risk Review“ vor allem drei Belastungstreiber: Energie- und Rohstoffpreise, anhaltender Inflationsdruck sowie restriktivere Finanzierungsbedingungen. Das ist für viele Firmen keine abstrakte makroökonomische Rechnung, sondern landet unmittelbar in Angeboten, Kalkulationen und im Risikomanagement – etwa wenn sich Vorlaufzeiten verlängern oder wenn sich Lieferketten aufgrund teurerer Transport- und Beschaffungskanäle neu ausrichten müssen.

Besonders deutlich wird der Mechanismus über die Preisentwicklung. Coface verweist auf die Wiederaufnahme von Kampfhandlungen zwischen Iran und USA sowie auf die weitere Eskalation zwischen Russland und der Ukraine, die Lieferketten und Rohstoffströme spürbar belastet haben. Auch wenn sich bestimmte Exportflüsse teilweise erholen, bleibt die Preiswirkung laut Coface massiv: Der Ölpreis sei um mehr als 50 Prozent gestiegen, Erdgaspreise hätten sich nahezu verdoppelt. Bei Industriemetallen bleibt Coface zufolge ein teures Umfeld bestehen; bei Agrarrohstoffen verschärfen zusätzliche Faktoren wie Angriffe auf Häfen am Schwarzen Meer und Hitzewellen in Europa den Druck. Entsprechend liegt der Weizenpreis in Teilen rund 40 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Diese Mischung aus Energiepreisen, Rohstoffknappheiten und witterungsbedingten Ernte- und Logistikrisiken erhöht die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Inflationsimpulses. Für die Geldpolitik bedeutet das: Zentralbanken halten am restriktiven Kurs fest. Coface nennt in diesem Zusammenhang konkrete Schritte der US-Notenbank Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank, die zuletzt jeweils um 25 Basispunkte erhöht haben. Ökonomisch übersetzt heißt das: Finanzierungskosten bleiben in vielen Regionen erhöht, und das trifft nicht nur Staaten, sondern auch Unternehmen über Kreditzinsen, Refinanzierungserwartungen und die generelle Risikoprämie. Gleichzeitig betont Coface, dass die Weltwirtschaft bislang bemerkenswert widerstandsfähig geblieben ist – vor allem wegen Investitionen in KI-Technologien und einer positiven Entwicklung an den Finanzmärkten.

Der Trend zur Resilienz ist jedoch nicht gleichbedeutend mit Entwarnung, weil die geopolitischen Risiken regional sehr unterschiedlich durchschlagen. Coface beziffert den Wachstumsverlust für die Weltwirtschaft in den Jahren 2026 und 2027 auf insgesamt 0,5 Prozentpunkte. Für 2026 erwartet der Kreditversicherer ein weltweites Wachstum von 2,5 Prozent nach 2,8 Prozent im Jahr 2025, für 2027 eine Stabilisierung bei 2,6 Prozent. In den USA zeigt sich demnach weiterhin Widerstandsfähigkeit, getragen vom privaten Konsum, von Investitionen in KI-Technologien und von einem Arbeitsmarkt nahe der Vollbeschäftigung. Europa entwickelt sich ebenfalls etwas besser als erwartet; Deutschland und Spanien gelten dabei als stabiler, während die angespannte Haushaltslage Frankreichs weiter als Belastung bleibt. In Asien wiederum ist das Bild gespalten: Vietnam und Indien profitieren von Infrastrukturinvestitionen und Nachfrage nach KI-bezogener Technologie, während Chinas Binnennachfrage laut Coface schwächer bleibt und auch Thailand sowie die Philippinen unter höheren Energiepreisen sowie nachlassendem Konsum leiden.

Damit ist auch klar, warum Coface sein Länderrisiko nicht nur statistisch, sondern entlang konkreter Verwundbarkeiten neu bewertet. Im Nahen Osten betrifft das insbesondere die Golfregion, weil hier Energieinfrastruktur und Exportwege besonders eng mit geopolitischen Störungen verknüpft sind. Coface hat die Risikobewertung Saudi-Arabiens von A3 auf A4 herabgestuft. Als Gründe nennt der Bericht die hohe Anfälligkeit der Energieinfrastruktur sowie Risiken entlang zentraler Exportpfade. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate wurden von A2 auf A3 zurückgestuft, Katar von A3 auf A4. Beide Länder seien in hohem Maße vom Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus abhängig und dadurch anfällig für weitere Störungen – ein Detail, das für Unternehmen mit Transport-, Versicherungs- oder Handelsbeziehungen in der Region unmittelbar relevant ist.

Interessant ist parallel das entgegengesetzte Bild bei mehreren Aufstufungen. Neben den Herabstufungen nennt Coface auch vier Länder, die im Rating besser abschneiden: Die Bahamas von B auf A4, El Salvador von D auf C, Montenegro von C auf B sowie Sambia von D auf C. Die Begründungen drehen sich dabei um robuste Fundamentaldaten in einzelnen Sektoren wie Tourismus sowie um Fortschritte bei Haushaltskonsolidierung und Schuldenentwicklung. Für Marktteilnehmer ist das vor allem ein Signal dafür, dass das aktuelle Risiko-Setup nicht nur „schlechter“ wird, sondern selektiv: Während bestimmte Routen und Abhängigkeiten in der Golfregion neu bewertet werden, können sich anderswo Stabilität und Investitionsklima verbessern – auch wenn die globale Makrolage angespannt bleibt.

Die Auswirkungen des aktuellen Preis- und Zinsumfelds enden außerdem nicht bei Energie und Industrie, sondern erreichen die Agrar- und Ernährungswirtschaft deutlich. Coface berichtet, dass der Sektor in insgesamt sechs Ländern herabgestuft wurde. Die Ursachen unterscheiden sich regional: In Frankreich, Österreich und Polen belasten extreme Wetterereignisse den Agrarsektor, während in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten laut Coface vor allem die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten sowie steigende Beschaffungskosten wirken. Argentinien schließlich steht laut Bericht weiterhin unter Druck durch ein schwieriges Finanzierungsumfeld, mehrere Unternehmensinsolvenzen, hohe Kosten und rückläufige Margen. Gerade hier zeigt sich der Zusammenhang zwischen Zinsen und Realwirtschaft: Wenn Finanzierung knapp wird, steigen nicht nur Kosten für Betriebskapital, sondern auch die Ausfallwahrscheinlichkeit in Lieferketten.

Für Unternehmen bedeutet die Coface-Einschätzung vor allem, das Zusammenspiel aus Marktpreisen, Finanzierung und Länderrisiko stärker als zusammenhängendes System zu behandeln. Kreditversicherer bewerten dabei nicht nur politische Schlagzeilen, sondern die praktische Übertragbarkeit von Risiken auf Zahlungsfähigkeit und Lieferfähigkeit. In der Umsetzung heißt das oft: engeres Monitoring von Rohstoffpreisen und Transportwegen, eine realistischere Szenarioplanung für Zinspfadszenarien und eine saubere Abstimmung mit Forderungsmanagement sowie Kontraktbedingungen. Andere Kreditversicherer verfolgen zwar ähnliche Logiken, unterscheiden sich aber im Zuschnitt der Ratings und in der Gewichtung einzelner Risikofaktoren – weshalb es für Unternehmen sinnvoll bleibt, eigene Daten (z. B. Ausfallhistorien, Exponierung pro Route) mit den Rating-Updates abzugleichen. Wenn Coface für 2026 und 2027 einen Wachstumsdämpfer von zusammen 0,5 Prozentpunkten erwartet, dann liefert das am Ende eine einfache Management-Übersetzung: Planungshorizonte müssen konservativer werden, aber nicht pauschal, sondern dort, wo Preis- und Routenabhängigkeiten besonders stark sind.

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