LONDON (IT BOLTWISE) – Mehr als 100 Millionen US-Dollar Bitcoin wurden beim Coldcard-Hack gestohlen, und Opfer versuchen nun, den Täter indirekt zu erreichen. Laut On-Chain-Daten enthalten Transaktionen mit dem OP_RETURN-Feld dauerhaft kurze Rückforderungsnachrichten an eine Wallet-Adresse, die mit dem Hacker in Verbindung gebracht wird. Die Wallet soll aktuell rund 36 Millionen US-Dollar an Bitcoin halten. Neben Forderungen tauchen auch einzelne Nachrichten mit anderen Anliegen auf.

Beim Coldcard-Hack verdichtet sich die Lage durch etwas, das in der öffentlichen Aufmerksamkeit leicht untergeht: Nicht nur die gestohlenen Bitcoin-Beträge werden verfolgt, sondern auch die Kommunikation auf der Kette. Berichten aus dem Umfeld der On-Chain-Analyse zufolge wurden in den letzten Tagen mehrere Kurznachrichten an eine Bitcoin-Wallet-Adresse gesendet, die als vom Hacker kontrolliert gilt. Der Kern der Botschaften lautet dabei nicht auf Konfrontation, sondern auf eine konkrete Bitte: Ein Teil des Geldes möge zurückgegeben werden.
Auslöser für die aktuelle Diskussion sind On-Chain-Auswertungen, die am 5. August publik wurden. Sie verorten die Nachrichten in Transaktionen, die das OP_RETURN-Feature nutzen: Dieses Protokollfeld erlaubt es, kurze Texte dauerhaft als Teil einer Transaktion auf der Blockchain zu hinterlegen, ohne dass die Information in der üblichen Datenlage „wie Kontoinformationen“ verarbeitet werden muss. Der Clou für Sender: Jede Person kann mit einer kleinen Bitcoin-Zahl eine OP_RETURN-Nachricht absetzen. Damit wird die Forderung nicht nur „gepostet“, sondern bleibt transparent und verifizierbar für jeden Beobachter.
Die bestätigten Verluste aus dem Coldcard-Hack liegen inzwischen bei über 100 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig zeigen die Daten, dass die betreffende Wallet-Adresse aktuell rund 36 Millionen US-Dollar an Bitcoin hält. In den auffindbaren OP_RETURN-Nachrichten finden sich Formulierungen wie „Bitte gib mindestens einen Teil des gestohlenen Geldes zurück“, „Bitte gib es zurück“ sowie ein konkreter Vorschlag, der sich auf eine Rückzahlung von 80% bezieht, bezogen auf 5 BTC. Solche Prozent- und Betragsvorgaben sind technisch gesehen kein „Smart Contract“ – sie entfalten ihre Wirkung eher psychologisch und kommunikativ, indem sie dem Gegenüber einen klaren Rahmen setzen.
Interessant ist auch, dass nicht jede Nachricht zwingend direkt den Diebstahladressiert. Eine der Einordnungen nennt Beispiele, bei denen der Text scheinbar andere Zwecke verfolgt: So tauchte ein Post auf, der eine Beteiligung an Geldwäsche nahelegt, und daneben existiert ein Beitrag, der um Mittel für eine eigene Bitcoin-Investition bittet. Für Analysten ist das zweischneidig: OP_RETURN macht jede Einreichung öffentlich, aber es bedeutet auch, dass nicht jede Nachricht automatisch „koordiniert von den Opfern“ stammt. In der Praxis kann sich damit eine Diskussion vermischen, in der Opferanliegen und fremde Interessen nebeneinander stehen.
Der Hack selbst wurde erstmals am 30. Juli identifiziert, später dann weiter als Fall mit größeren bestätigten Verlusten eingeordnet. Für den Kontext ist zudem relevant, dass es bereits frühere Versuche gab, auf ähnliche Weise Druck oder Verhandlungssignale an Angreifer zu senden: Laut Berichten aus der Blockchain-Analyse nutzten Betreiber eines Mining-Pools nach einem früheren Vorfall im Jahr 2020 ebenfalls OP_RETURN, um nach dem Hack eine Art Kommunikationskanal zu eröffnen. Diesmal berichten die Auswertungen jedoch von mehreren gleichzeitigen Nachrichten verschiedener Absender an derselben vermeintlich kompromittierten Wallet – damit wirkt es weniger wie ein Einmal-Experiment und mehr wie eine kollektive, öffentliche Ansprache.
Technisch betrachtet rückt OP_RETURN damit wieder in den Fokus, weil es zwischen „Transaktion“ und „Nachricht“ eine Brücke schlägt. Es wird kein Kryptosecurity-Mechanismus aktiviert, kein Zugriff zurückgesetzt und keine Sperre durchgesetzt; es bleibt ein Textanker auf der Kette. Dennoch kann die Sichtbarkeit für Geschädigte und Ermittler indirekt nützlich sein, etwa um Zeitbezug, Umfang und Kommunikationsmuster nachvollziehbar zu dokumentieren. Für Unternehmen und Wallet-Betreiber bedeutet das zugleich: Öffentliches On-Chain-Signal kann neben dem eigentlichen Incident-Response-Prozess ein zweiter Handlungsstrang werden, der Kommunikation, forensische Aufbereitung und Risikokommunikation verbindet.
Markt- und Ökosystemseitig zeigt der Fall außerdem, wie schnell sich in Web3-Umgebungen parallele Öffentlichkeiten bilden: Während klassische Incident-Updates oft an Pressekanäle gebunden sind, können On-Chain-Daten als eigene „Live-Dokumentation“ funktionieren. Wenn Opfer sich aktiv in diese Schicht eintragen, entstehen neue Möglichkeiten für Nachvollziehbarkeit – aber auch für Missverständnisse, etwa wenn Nachrichten nicht eindeutig den Täternutzern zuzuordnen sind. Der nächste praktische Schritt liegt deshalb weniger in der „Rückgabe durch Bitten“, sondern in der sauberen Verknüpfung von Adressen, Transaktionsketten und Bewegungsmustern, die aus den OP_RETURN-Signalen zwar keine Lösung garantieren, aber die Analyse deutlich strukturieren können.
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