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LONDON (IT BOLTWISE) – Core Scientific will die Beendigung des Bitcoin-Minings bis Ende des Jahres abschließen und 2027 als reinen Anbieter für hochdichtes Colocation-Hosting starten. Im dritten Quartal stiegen die Colocation-Erlöse auf 215,4 Millionen US-Dollar, während Self-Mining auf 12,3 Millionen US-Dollar zurückging. Management betont, dass die Rechenzentrumsfläche zunehmend für KI- und High-Performance-Computing-Auslastung umgewidmet wird.

Core Scientific steigt aus dem Bitcoin-Mining aus und wird Rechenzentrums-Play
Core Scientific steigt aus dem Bitcoin-Mining aus und wird Rechenzentrums-Play (Foto: IT BOLTWISE)
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Core Scientific zieht die Konsequenz aus dem strukturellen Druck im Mining-Markt: Das Unternehmen will seine Bitcoin-Mining-Aktivitäten bis zum Jahresende vollständig beenden und 2027 als „pure-play“ für hochdichtes Colocation-Hosting in die neue Phase gehen. Entscheidend ist dabei nicht nur die strategische Richtung, sondern die bereits messbare Verschiebung in der Umsatzstruktur. Für das Quartal bis zum 30. September weist das Zahlenpaket aus, dass der Colocation-Anteil auf rund 92% der Gesamterlöse von 232,9 Millionen US-Dollar angewachsen ist. Damit wird ein Geschäftsmodell sichtbar, das weniger vom Kursverlauf von Kryptowährungen abhängt, sondern stärker an Nachfrage nach Rechenzentrumsfläche gekoppelt ist.

Die Ergebnisentwicklung liefert dafür den operativen Fahrplan: Die Colocation-Erlöse kletterten laut den im SEC-Reporting veröffentlichten Unterlagen sequenziell um knapp 60% auf 215,4 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig brach das Self-Mining-Reporting auf 12,3 Millionen US-Dollar ein, rund 79% weniger als im Vorjahresquartal mit 57,4 Millionen US-Dollar. Außerdem spielt Hosted Mining für Dritte mit weiteren 5,2 Millionen US-Dollar nur noch eine Nebenrolle. Auf der Kosten- und Profitabilitätsseite spiegelt sich diese Entkopplung: Self-Mining verursachte im Quartal einen brutto ausgewiesenen Verlust von 7,5 Millionen US-Dollar, während Colocation einen Bruttogewinn von 128,4 Millionen US-Dollar erzielte – das entspricht einer Colocation-Marge von etwa 60%.

Der Umbau zeigt sich auch in der EBITDA-Logik: Das „Adjusted EBITDA“ mehr als verdreifachte sich sequenziell auf 133,6 Millionen US-Dollar; die Marge wuchs auf 57% nach 25%. Für Investoren ist das ein Signal, dass die Fixkostenbasis des Rechenzentrums zunehmend von planbarerem Hosting-Business getragen wird. In den Aussagen des Managements taucht dabei ein konkretes Zielbild auf: Der Wind-down soll im vierten Quartal abgeschlossen werden, und der Start in 2027 soll mit einem „sehr sauberen“ P&L erfolgen – also ohne Mining-Positionen im Zahlenwerk. Genau diese Bereinigungslogik soll den Vergleichbarkeitseffekt liefern, den viele Kapitalmärkte nach solchen Repositionierungen erwarten: weniger operative „Rauschen“ aus dem Mining, mehr Klarheit über den Colocation-Run-rate.

Technisch betrachtet verschiebt Core Scientific die Nutzung von Strom- und Bodenflächen unter bestehenden langfristigen Kundenvereinbarungen. Laut Unternehmensmaterialien gab es zum Ende September nahezu 50% weniger Miner online als zum Jahresende 2025. Stattdessen wird Kapazität schrittweise für KI- und High-Performance-Computing-Workloads umgewidmet, solange die Rahmenbedingungen es zulassen. Dieses Vorgehen ist im öffentlichen Segment zwar nicht völlig neu, aber die Kombination aus schneller Kapazitätsumschaltung und der nun dominierenden Colocation-Umsatzquote macht den Wandel konkret. Im Markt werden solche Moves oft als „Campus verkaufen, Miete für KI“ beschrieben – hier wirkt es eher wie ein eng getaktetes Reengineering der Auslastungsstrategie, bei dem Leistungsdichte, Stromkaskaden und Flächenplanung zusammenkommen müssen.

In den Kapazitätskennzahlen wird die Wachstumsstory greifbar: Core Scientific stellt bis zum 30. September laut den Angaben 485 Megawatt Colocation-Kapazität in Rechnung – 90 MW mehr als im vorherigen Quartal. Das entspricht einem durchschnittlichen annualisierten GAAP-Colocation-Umsatz von über 700 Millionen US-Dollar. Zusätzlich nennt das Management noch rund 100 MW im Rahmen des CoreWeave-Buildouts, die sich im „commissioning“ befinden; die Revenue-Erfassung soll in den nächsten Monaten beginnen. Darüber hinaus gibt es nach Angaben des Unternehmens eine weitere Pipeline: Neben den CoreWeave-Verträgen stehen 530 MW unter einer AMD-gestützten Vereinbarung über fünf Standorte im Raum. Erste Auslieferungen sollen im ersten Halbjahr 2027 starten, die vollständige Lieferung wird bis Ende 2028 erwartet. Zusammen ergeben diese Beziehungen etwa 1,1 Gigawatt – und sobald die Kapazitäten vollständig in Rechnung gestellt werden, erwartet das Unternehmen daraus eine durchschnittliche jährliche Umsatzrate von 1,8 Milliarden US-Dollar sowie einen erwarteten Netto-Operating-Income von 1,6 Milliarden US-Dollar.

Damit verschiebt sich der zentrale Prüfstein für das nächste Jahr auf zwei Themen: Timing und Finanzierung. Die nächste Stufe ist die operative Disziplin, die letzten Mining-Maschinen im vierten Quartal planmäßig abzuschalten, sodass 2027 tatsächlich als „clean“ Colocation-Story durchstarten kann. Parallel steht im Raum, ob das AMD-finanzierte Paket rechtzeitig anläuft, um den „clean P&L“-Effekt nicht durch Verschiebungen im Revenue-Recognition-Profil zu verwässern. Aus Sicht der Unternehmensbuchhaltung spielt außerdem die bereits angefallene Abschiedskosten-Komponente hinein: Im zweiten Quartal verbuchte Core Scientific einen Verlust von 41,9 Millionen US-Dollar aus der Vertragsbeendigung, konkret im Zusammenhang mit einem Block-/Proto-Mining-Chip-Lieferabkommen. Auch auf der Liquiditätsseite war der Umbau kostenintensiv; zum Ende des dritten Quartals lag die Liquidität bei etwa 1,7 Milliarden US-Dollar, davon rund 800 Millionen US-Dollar in Cash, nachdem erhebliche Investitionen in AMD-Standorte und die Polaris-Akquisition geflossen sind.

Für den weiteren Marktverlauf ist zudem relevant, wie stark das Unternehmen die strategische Abkehr vom Kryptowährungs-Exposure tatsächlich in der Bilanz „entkoppeln“ kann. Bitcoin selbst erscheint in den aktuellen Zahlen fast nicht mehr: Digitale Assets werden mit 2,7 Millionen US-Dollar per 30. September beziffert, nach 49,7 Millionen US-Dollar drei Monate zuvor und 222 Millionen US-Dollar zum Jahresende 2025. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass das Pivot bereits im Kern eingelöst wurde, nicht erst als Ankündigung. Entscheidend wird dann, ob die Colocation-Expansion in den nächsten Quartalen stabil genug läuft, um die Investitionslogik zu tragen – und ob die Rechenzentrumsflächen wirklich so schnell in KI-lastigen Workloads „belegt“ werden, wie es Kapazitätsverträge versprechen.

Im Ergebnis ist Core Scientifics Schritt weniger ein einzelner Turnaround-Moment als ein vorweggenommener Umbau des Wertversprechens: weg von der Volatilität des Minings, hin zu einem hosting-nahen Geschäftsmodell mit hoher Leistungsdichte. Für Unternehmen und Entwickler, die KI-Infrastruktur planen, rückt damit eine Frage in den Vordergrund, die in der Vergangenheit häufig von Mining-Cycles überlagert wurde: Wie verlässlich sind Strom-, Flächen- und Wärmeabfuhrkapazitäten über mehrere Jahre – und wie schnell lassen sich diese Ressourcen von einer Lastart auf die nächste umstellen? Genau dort wird Core Scientifics nächste Bewährungsprobe stattfinden.

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