LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Schwachstelle in CryptoJS, konkret in Versionen 3.x, hat Angreifern den Zugriff auf mehr als 2.100 Krypto-Wallets ermöglicht. Der gemeldete Schaden liegt bei über 5,7 Millionen Euro. Betroffen sind mehrere große Netzwerke wie Bitcoin, Ethereum, Tron, Rootstock und Polygon. Besonders riskant ist, dass die Schwäche private Schlüssel kompromittieren kann, wodurch Angreifer die Assets vollständig kontrollieren.

Eine einzelne Bibliothek wird hier zum zentralen Risiko: In CryptoJS (Versionen 3.x, mit Ausnahme von 3.2.0 und 3.2.1) basiert die konkrete Angriffsfläche laut der vorliegenden Schilderung auf einer schwachen Zufallszahlengenerierung. Für Krypto-Wallets ist das keine Randnotiz, sondern ein struktureller Bruch. Denn wer private Schlüssel reproduzieren oder ableiten kann, kontrolliert im Ergebnis die zugehörigen Krypto-Assets vollständig, unabhängig davon, wie robust das jeweilige Blockchain-Netzwerk ansonsten auf Protokollebene ist.
Technisch lässt sich der Schaden so erklären: Wallets und Wallet-Software leiten aus Zufallswerten private Schlüssel ab, die anschließend für Signaturen genutzt werden. Wenn die Zufallsquelle fehlerhaft oder zu vorhersagbar ist, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Angreifer den Schlüsselraum besser „durchsuchen“ können als vorgesehen. Die Berichte nennen als betroffene Wallet-Plattformen unter anderem RWallet, Bexo, NanChat, Bitcoin Libre und Milo. Gleichzeitig richten sich die Angriffe gegen Vermögenswerte auf mehreren Netzwerken, darunter Bitcoin, Ethereum, Tron, Rootstock und Polygon.
Die zeitliche Verteilung der Ausnutzung folgt dabei offenbar einem Muster von wiederholten Angriffswellen. Ein besonders schwerer Vorfall wird für den 27. Mai 2026 beschrieben: In diesem Zeitraum sollen 431 Konten angegriffen worden sein, mit einer Beute von rund 3,14 Millionen Euro. Innerhalb dieser Summe sticht die Meldung zu Bitcoin-Haltern hervor: Allein dort werden 2,57 Millionen Euro genannt. Auf Ethereum entfallen laut Darstellung 286.000 Euro, auf Rootstock 177.000 Euro. Tron- und Polygon-Nutzer verloren demnach 81.000 beziehungsweise 23.000 Euro.
Damit summieren sich die Gesamtschäden in der Schilderung inzwischen auf mehr als 5,7 Millionen Euro, ausgedrückt als Größenordnung über mindestens 2.100 betroffene Wallets. Der Markt-Kontext macht dabei deutlich, warum solche Schwachstellen für Unternehmen und Wallet-Betreiber besonders unkomfortabel sind: Selbst wenn die Blockchain selbst als „sicher“ gilt, verlagert sich das Risiko in Richtung der Implementierung. Genau dort setzen Angreifer an, etwa über Drittanbieter-Bibliotheken oder über Fehlannahmen im eigenen Code. In der Praxis betrifft das nicht nur Endnutzer, sondern auch Teams, die Wallets integrieren, automatisieren oder als Produktkomponente ausrollen.
Die Meldung ordnet den Vorfall in eine breitere Entwicklung ein, in der Verluste durch Sicherheitsvorfälle zunehmen. Genannt wird unter anderem, dass die Krypto-Verluste durch Vorfälle im ersten Halbjahr 2026 die Rekordsumme von 12,03 Milliarden Euro erreichen sollen, was gegenüber dem Vorjahr einem Plus von 47 Prozent entspricht. Als besonders dynamisch wird auch Phishing beschrieben, das im zweiten Quartal 2026 um 300 Prozent zugelegt haben soll. Ergänzend taucht seit dem 30. Juli 2026 ein weiterer Zwischenfall auf: Ein Entropie-Fehler in Coldcard-Hardware-Wallets habe zum Diebstahl von rund 2.055 Bitcoin im Gegenwert von etwa 130 Millionen Euro geführt; als Ursache wird ein Integrationsfehler in der Firmware genannt, der den Schlüsselraum auf 40 Bit kollabieren ließ, sodass Brute-Force-Angriffe adressierbar wurden.
Für die unmittelbare Reaktion empfehlen Sicherheitsexperten Nutzern der betroffenen CryptoJS-basierten Wallets, die Vermögenswerte sofort auf neu generierte Wallets zu übertragen. Die zentrale Logik dahinter: Sobald private Schlüssel durch eine schwache Zufallsgenerierung gefährdet sind, hilft Patching alleine häufig nicht mehr, weil die kompromittierten Schlüssel bereits in der Angreifbarkeit existieren. Gleichzeitig betont die Darstellung, dass das Bitcoin-Netzwerk selbst weiterhin als sicher gilt und die Schwächen in den individuellen Wallet-Implementierungen sowie Drittanbieter-Bibliotheken liegen. Daneben werden weitere Vorfälle erwähnt, etwa eine gefälschte Trezor-Werbung bei Google, sowie Aufforderungen an Betreiber von BTCPay-Servern, auf Version 2.4.2 zu aktualisieren, um eine kritische Schwachstelle zu schließen, die Angreifern die Kontrolle über Lightning-Netzwerk-Knoten ermöglichen könnte.
Für IT-Entscheider ist der Fall vor allem eine Erinnerung an eine alte, aber heute noch relevantere Grundregel: Krypto ist nicht nur Mathematik, sondern auch Software-Engineering. Wenn RNG-Qualität, Bibliotheksversionen und Integrationspfade nicht nachweisbar kontrolliert werden, wird die Angriffsfläche größer, obwohl das zugrunde liegende Protokoll unverändert bleibt. Das gilt besonders für Organisationen, die Wallet-Funktionen über Web-Frontends, Backend-Services oder mobile Apps bereitstellen. Wer hier Prozesse für Abhängigkeits-Management, Reproduzierbarkeit und schnelle Migration zu sicheren Versionen verankert, reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass „einmal falsch“ zu „einmal zu spät“ wird. Parallel bleibt trotz vieler technischen Maßnahmen die menschliche Angriffsfläche bestehen, weil Phishing und Social Manipulation weiterhin als Treiber der Vorfälle genannt werden.
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