BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach Technikproblemen läuft die Umstellung beim Heer auf digitale Funktechnik nach Angaben aus Verteidigungsministerium und Industrie wieder nach Plan. Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte nach Einsatztests unter Realbedingungen in Berlin: „Das System funktioniert“. Zugleich geht es im milliardenschweren Projekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO)“ darum, ein durchgängiges digitales Führungs- und Informationssystem für Landstreitkräfte aufzubauen. Bis Ende 2027 soll demnach die Umrüstung einer ersten Division erfolgt sein, dafür sind rund 10.000 Fahrzeuge vorgesehen.

Der Digitalfunk beim Heer war zuletzt vor allem deshalb ein Thema, weil die Umrüstung nicht wie vorgesehen durchgehend reibungslos funktionierte. Nach Angaben von Industrievertretern und aus dem Verteidigungsumfeld schreitet die Umstellung auf digitale Funktechnik nun dennoch voran – und zwar mit Ergebnissen, die Verteidigungsminister Boris Pistorius nach Einsatztests unter Realbedingungen in Berlin klar adressierte. „Das System funktioniert“, sagte er nach dem Treffen mit Projektbeteiligten und ordnete damit einen technischen Fortschritt ein, der in der öffentlichen Debatte zuvor durch Softwarefehler, lange Übertragungszeiten und Probleme beim Zusammenspiel einzelner Softwarekomponenten überlagert worden war.
Technisch betrachtet liegt der Kern der Diskussion weniger in „neuen“ Funkgeräten an sich, sondern in der Funktionskette aus Funk, Software und Datenübertragung. Pistorius hatte im vergangenen Jahr eingeräumt, dass es bei der Umstellung unter anderem zu Softwareproblemen, Verzögerungen bei der Übertragung und zu Schwierigkeiten bei der Integration einzelner Komponenten gekommen sei. Ebenso wurden Reichweite-Tests zeitweise als unbefriedigend beschrieben. Gerade solche Punkte sind in vernetzten Einsatzszenarien besonders kritisch, weil eine Funkstrecke nicht isoliert betrachtet wird: Wenn die Latenz steigt oder Komponenten nicht sauber zusammenarbeiten, leidet unmittelbar die Fähigkeit, Lageinformationen und Befehle zeitnah auszutauschen.
Im Hintergrund steht das milliardenschwere Rüstungsprojekt „Digitalisierung Landbasierte Operationen (D-LBO)“. Laut Ministerium geht es dabei nicht nur um den Austausch veralteter Funkgeräte, sondern um ein durchgängiges digitales Führungs- und Informationssystem für Landstreitkräfte. Das Ziel ist eine Vernetzung von Soldaten, Fahrzeugen und Gefechtsständen, sodass unter anderem Lagekarten, Positionsdaten und Befehle in Echtzeit ausgetauscht werden können. Für die Projektlogik ist entscheidend, dass Funk und Dateninfrastruktur gemeinsam betrachtet werden: Reichweite, Sprachqualität und die belastbare Übertragung von Status- und Geometriedaten müssen zusammenpassen, damit „Echtzeit“ im operativen Sinn überhaupt erreichbar bleibt.
Die Planungsseite ist dabei eng an den politischen und militärischen Zeitachsen ausgerichtet. Geplant war die Umrüstung einer ersten Division bis Ende 2027; bis dahin sollten etwa 10.000 Fahrzeuge mit dem neuen System ausgestattet sein. Deutschland hatte der NATO außerdem eine gefechtsbereite Brigade bis 2025 versprochen. Dafür wurde die 10. Panzerdivision umgegliedert – ein Hinweis darauf, wie stark die Projektumstellung an NATO-Fähigkeitsanforderungen gekoppelt ist und wie sehr parallele Teilschritte (Brigade jetzt, Division später) die technische Einführung beeinflussen.
Aktuell wird das System nach Angaben des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Carsten Breuer, auf Leopard-, Puma- und Marder-Panzern getestet. Er hob dabei unter anderem Datenübertragung, hohe Reichweite und Sprachqualität hervor – genau die Parameter, die in früheren Phasen als problematisch genannt wurden. Ergänzend verwies Pistorius auf Aussagen aus dem Projektumfeld: Ihm sei von allen Verantwortlichen klar gesagt worden, man sei auf dem besten Weg. Auch KNDS-Deutschlandchef Florian Hohenwarter bestätigte, die Industrie gebe die Zusage, dass die Division 2025 bis 2027 mit der D-LBO-Technik ausgestattet werden könne.
Für die Praxis bedeutet das vor allem, dass ein Funksystem zwar technisch „funktionieren“ kann, aber erst im Zusammenspiel mit Plattformen und Anwendungen die nötige Operabilität erreicht. Wenn die Datenübertragung tatsächlich stabil ist und die Reichweite in Tests überzeugt, wird es für die nächsten Integrationsschritte leichter, Fehler nicht nur zu beheben, sondern auch strukturell aus der Software- und Schnittstellenlandschaft zu eliminieren. Die nächste Hürde ist dann weniger die einzelne Verbindung, sondern die skalierte Nutzung: Sobald sich mehr Fahrzeuge und Gefechtsstände gleichzeitig vernetzen, steigen die Anforderungen an die Belastbarkeit der Pipeline aus Funk, Netzwerklogik und anwendungsseitiger Verarbeitung.
Markt- und Branchenperspektive: Der Schritt zu einem durchgängigen digitalen Führungs- und Informationssystem erzeugt zugleich Nachfrage nach vergleichbaren Fähigkeiten bei Zulieferern – von stabilen Kommunikationsstacks über robuste Integrationsarbeit bis hin zu Test- und Validierungsprozessen. Auch wenn der Fokus hier auf dem Heer liegt, ist das Muster für Bundeswehr-Projekte typisch: Erst wenn Schnittstellen in realen Plattformumgebungen belastbar sind, werden Zeitpläne wie „erste Division bis Ende 2027“ politisch und operativ glaubwürdig. Für Unternehmen, die an derartigen Systemen beteiligt sind, verschiebt sich damit der Schwerpunkt von Einzelkomponenten zur nachweisbaren End-to-End-Funktion, also zur Frage, wie gut Daten vom Sensor bzw. der Anwendung über Funk bis zur Befehls- und Lageanzeige tatsächlich ankommen.
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