LONDON (IT BOLTWISE) – D-Wave Quantum und NTT DOCOMO setzen eine zweite KI-Quantenanwendung im laufenden Mobilfunkbetrieb ein. Die Software optimiert Tracking-Area-Lists und soll damit die Standortregistrierungssignale in NTT DOCOMOs Netz deutlich reduzieren. Laut den Angaben werden die Registrierungs-Signale an Tagesspitzen um 65,3 Prozent gesenkt, während auch die Paging-Signale um 7,0 Prozent zurückgehen. Entscheidender Punkt: Beide Signalarten entwickeln sich sonst typischerweise gegenläufig, in diesem Fall wurden sie gleichzeitig reduziert.

D-Wave und NTT DOCOMO: Zweite produktive Quantenanwendung senkt Signalisierung
D-Wave und NTT DOCOMO: Zweite produktive Quantenanwendung senkt Signalisierung (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Mobilfunkbetrieb entscheidet oft ein Detail über den Alltag von Millionen Nutzerinnen und Nutzern: Wie häufig das Netz Standortinformationen aktualisieren muss und wie effizient es Geräte beim Paging wiederfindet. Genau an dieser Stellschraube arbeiten D-Wave Quantum und NTT DOCOMO mit ihrer zweiten produktiven Quantenanwendung. Während die erste Zusammenarbeit bereits auf Paging-Effizienz in einzelnen Tracking-Areas zielte, erweitert der neue Use Case den Einsatz im laufenden Netz um die Optimierung von Tracking-Area-Lists. Damit rückt ein Bereich in den Fokus, der zwar „nur“ Listen geografischer Regionen betrifft, technisch aber unmittelbar auf Signalisierungslast, Systemressourcen und die Reaktionszeiten im Tagesverlauf einzahlt.

Technisch geht es bei Tracking-Area-Listen um die Gruppierung geografischer Bereiche innerhalb des Mobilfunknetzes. Wenn ein Gerät seinen Standort wechselt, müssen entsprechende Prozeduren ausgelöst werden, die wiederum Signalisierung erzeugen. NTT DOCOMO nutzt dafür nun eine D-Wave-unterstützte Software, die speziell diese Listen optimiert. In den genannten Ergebnissen wird die Standortregistrierung an Tagesspitzen um 65,3 Prozent reduziert, während die Paging-Signale um 7,0 Prozent sinken. Dass beide Signalarten in Summe zurückgehen, wird explizit als Besonderheit hervorgehoben, weil sie sich typischerweise gegenläufig entwickeln: In der Praxis müssen Betreiber hier häufig zwischen unterschiedlichen Zielgrößen abwägen, statt beide gleichzeitig zu verbessern.

Der belastbare Charakter der Meldung zeigt sich auch an der konkreten Testkonstellation: In einem repräsentativen Szenario mit 333 Basisstationen, drei Tracking-Area-Lists und neun Tracking-Areas habe die Optimierung in rund fünf Minuten abgeschlossen werden können. Noch wichtiger als die reine Rechenzeit ist der Transfer in den Betrieb: Die Ergebnisse seien bereits in DOCOMOs Netzplanung und Tagesbetrieb übernommen worden. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von „Quantentechnik als Demonstrator“ hin zu einem eher betrieblichen Anspruch, bei dem sich Optimierungen in bestehende Planungsprozesse und operative Routinen integrieren müssen. Genau solche Integrationsschritte entscheiden später auch über skalierbare Rollouts in weiteren Netzen und Konfigurationen.

Unternehmen in der Quantenindustrie stehen dabei regelmäßig vor einem Spannungsfeld: Quanten-Workloads sind oft nur dann wirtschaftlich, wenn sich ihre Ergebnisse in klare Betriebsmetriken übersetzen lassen. D-Wave positioniert die DOCOMO-Entwicklung daher als Beispiel für mehr als einen einzelnen Anwendungsfall. Der CEO Alan Baratz ordnet die Zusammenarbeit laut Meldung so ein, dass Betreiber weltweit lernen könnten, wie sich produktiver Quanteneinsatz auf zunehmend komplexere betriebliche Herausforderungen übertragen lässt. Aus der Perspektive von Netzarchitektur und Operations bedeutet das: Nicht jeder Optimierungsfall ist identisch, und selbst kleine Veränderungen in der Zielsetzung können andere Lösungsräume erzeugen. DOCOMOs Erweiterung von Paging hin zu Tracking-Area-Listen liefert damit einen zweiten Datenpunkt für das Argument der Übertragbarkeit.

Marktseitig spiegelt sich die Meldung zunächst nur gedämpft in der Kursreaktion wider: Im NASDAQ-Handel fiel die D-Wave-Quantum-Aktie zeitweise um 1,13 Prozent auf 19,31 US-Dollar. Am Vortag hatte das Papier bereits um 6,42 Prozent nachgegeben. Auffällig ist jedoch das Auseinanderlaufen zwischen kurzfristigem Trading und längerfristiger Erwartung. Der Analystenkonsens aus 15 Häusern bewertet die Aktie mit „Strong Buy“ und nennt ein mittleres Kursziel von 35,79 US-Dollar, mit einer Spanne von 22 bis 43 US-Dollar. Konkrete Beispiele in der Meldung reichen von einem Kursziel von 29 US-Dollar (Mizuho Securities) bis zu Anpassungen bei anderen Häusern, wobei die Kaufeinstufung beibehalten wurde.

Parallel zur operativen Erfolgsmeldung liefert die Bilanzsicht den Kontext, warum solche Partnerschaften für den Kapitalmarkt nicht nur „Marketing“ sein müssen. Für das zweite Quartal 2026 meldete D-Wave Quantum am 6. August 2026 einen nahezu unveränderten Umsatz von 3,1 Millionen US-Dollar. Der Nettoverlust fiel hingegen auf 48,0 Millionen US-Dollar, nach 167,3 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal. Für das erste Halbjahr 2026 stieg das Auftragsvolumen auf 35,5 Millionen US-Dollar, ein Plus von 1.120 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum; als Treiber wird unter anderem ein Systemvertrag über 20 Millionen US-Dollar genannt. Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen zudem über liquide Mittel und marktgängige Wertpapiere in Höhe von 546,2 Millionen US-Dollar. In dieser Gemengelage ist entscheidend, ob produktive Anwendungen wie bei DOCOMO wiederkehrende Use Cases anstoßen und sich damit die Planbarkeit von Projekten erhöht.

Für andere Mobilfunkbetreiber und IT-Teams ist die eigentliche Lehre weniger „Quanten statt Klassik“, sondern wie sich Optimierungstechniken in reale Betriebsprozesse einhängen lassen. Die Meldung zeigt, dass der Weg über konkrete Parameter und messbare Signalisierungsmetriken führt, inklusive eines Szenarios, in dem die Optimierung innerhalb weniger Minuten in Netzplanung und Tagesbetrieb einfließt. Wenn sich solche Ergebnisse in weiteren Netzausbauten und anderen Regionen wiederholen lassen, wird die Frage nach dem Rollout weniger akademisch. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, die Komplexität weiter zu erhöhen, ohne die operative Integrationslast zu sprengen. Genau hier dürfte der zweite DOCOMO-Fall als Vergleichsbasis für zukünftige Quanten-Deployments wichtiger werden als die reine Existenz eines ersten Pilotprojekts.


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