LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Forschungen legen nahe, dass das Universum möglicherweise älter ist als bisher angenommen. Durch die Analyse der ältesten Sterne der Milchstraße konnten Wissenschaftler eine neue Untergrenze für das Alter des Universums bestimmen. Diese Erkenntnisse könnten die Debatte über die Hubble-Konstante und die Expansionsrate des Kosmos neu entfachen.

Die Frage nach dem genauen Alter des Universums beschäftigt die Wissenschaft seit Jahrzehnten. Während sich die Fachwelt einig ist, dass sich das Universum ausdehnt, herrscht Uneinigkeit über die Geschwindigkeit dieser Expansion. Die sogenannte Hubble-Konstante, die angibt, wie schnell sich zwei beliebige Punkte im Universum voneinander entfernen, ist dabei der zentrale Streitpunkt. Unterschiedliche Messmethoden führen zu verschiedenen Ergebnissen, die sich nicht einfach als Messfehler abtun lassen.
Eine der Methoden basiert auf der Beobachtung von Cepheiden und Supernovae, die eine relativ hohe Expansionsrate von etwa 73 Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec nahelegen. Demgegenüber steht die Analyse der kosmischen Mikrowellenhintergrundstrahlung, die einen deutlich niedrigeren Wert von rund 67 Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec ergibt. Diese Diskrepanz stellt für viele Forscher einen Widerspruch dar.
Ein Team der Universität Bologna und des Leibniz-Instituts für Astrophysik Potsdam hat nun einen neuen Ansatz gewählt, um das Problem zu lösen. Sie konzentrierten sich auf die ältesten Sterne der Milchstraße, um eine Untergrenze für das Alter des Universums zu bestimmen. Mithilfe des StarHorse-Codes, der auf Beobachtungen der Gaia-Mission basiert, konnten sie das Alter von rund 202.000 Sternen berechnen. Besonders im Fokus standen dabei Sterne, die älter als 12,5 Milliarden Jahre sind.
Nach einer sorgfältigen Analyse blieben 160 Sterne übrig, deren kumulative Altersverteilung ein Maximum bei 13,6 Milliarden Jahren erreichte. Berücksichtigt man die Zeit, die nach dem Urknall verging, bevor die ersten Sterne entstehen konnten, ergibt sich eine Untergrenze für das Alter des Universums von etwa 13,8 bis 14,0 Milliarden Jahren. Sollte der höhere Wert zutreffen, wäre das Universum älter als bisher angenommen.
Diese Erkenntnisse haben direkte Auswirkungen auf die Hubble-Konstante. Eine Obergrenze von 68,3 Kilometern pro Sekunde pro Megaparsec liegt näher an den Ergebnissen der Mikrowellenhintergrundstrahlung. Dies könnte bedeuten, dass die Expansionsrate des Universums langsamer ist als bisher angenommen. Sollte die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Messmethoden bestehen bleiben, könnte dies auf eine Physik hinweisen, die bisher in keinem Standardmodell beschrieben wird.
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