LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX hat die Marke von 26.000 Punkten erstmals seit dem Sommer geknackt. Ausschlaggebend ist die Hoffnung auf neue Gespräche zwischen den USA und dem Iran, nachdem ein großer Angriff vorerst abgesagt wurde. Gleichzeitig geben die Ölpreise spürbar nach, wodurch Inflationsängste und Sorgen um steigende Leitzinsen etwas anziehen. In Deutschland profitieren vor allem Reise- und Technologieaktien von der verbesserten Stimmung.

Der deutsche Leitindex hat am Montagvormittag die Schwelle von 26.000 Punkten klar hinter sich gelassen und damit ein Stück weit die Spannungen der vergangenen Wochen aus dem Kursbild herausgenommen. Schon kurz nach Handelsstart lag der DAX über dem Anfang Juli erreichten Rekordhoch von 25.900,10 Punkten; gegen Mittag pendelte der Index dann wieder um die 26.000er Zone. Für viele Marktteilnehmer ist diese Bewegung mehr als nur ein technischer Trigger, weil sie zeitlich mit einer neuen Erwartungslage rund um den Nahost-Konflikt zusammenfällt.
Den unmittelbaren Impuls lieferte die Nachricht, dass US-Präsident Donald Trump neue Gespräche mit dem Iran in Aussicht gestellt und gleichzeitig einen Großangriff vorerst abgesagt hat. In der Folge rutschten die Ölpreise zum Wochenauftakt deutlich ab: Ein Barrel der Brent-Referenz für Lieferung im Oktober kostete am Montagmorgen etwas über 83 US-Dollar, also knapp 7 Prozent weniger als zuvor. Diese Entspannung wirkt doppelt. Erstens sinken damit die unmittelbaren Preisrisiken über Energie, was Inflationssorgen dämpft. Zweitens reduziert ein weniger volatiles Rohölumfeld oft die Wahrscheinlichkeit, dass Märkte kurzfristig aggressivere Zinsschritte einpreisen.
Wie fragil die Lage bleibt, macht der Inhalt der geplanten Verhandlungsagenda jedoch deutlich. Laut Ankündigungen sollen die Gespräche am Montagnachmittag stattfinden; zunächst blieb offen, wo sie geführt werden und wer genau beteiligt ist. Besonders wichtig dürfte eine Regelung zur Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr sein, daneben steht auch das umstrittene Atomprogramm des Irans auf der Liste. Dass beide Themenkomplexe bereits in früheren Verhandlungsrunden in Pakistan und der Schweiz im Mittelpunkt standen, zeigt: Es geht weniger um Symbolpolitik als um harte, schwer messbare Streitpunkte. Analyst Jochen Stanzl von der Consorsbank bringt den Zielkonflikt auf den Punkt: Der sinkende Ölpreis stütze zyklische, energieabhängige Industrien im DAX, die geopolitische Situation dürfte aber fragil bleiben.
Die Kursreaktion spiegelt diese Mischung aus Hoffnung und Vorsicht besonders sichtbar in den Sektoren wider. Am Montag profitierten zunächst vor allem Reise- und Tourismuswerte: TUI sprang auf den höchsten Stand seit Ende Februar und gewann 4,6 Prozent. Auch Lufthansa legte um 2,7 Prozent zu. Daneben setzte sich die allgemein bessere Stimmung in der Berichtssaison fort, wobei überwiegend gute Quartalszahlen und eine spürbare Erholung im weltweiten Technologiesektor den Index bereits Ende vergangener Woche gestützt hatten. Bis zum Rekordhoch fehlten dem DAX damals weniger als zehn Punkte, bis dann der Gegenwind wieder stärker wurde.
Technologiewerte trieben die Bewegung erneut spürbar an – sowohl in den USA und Asien als auch in Deutschland. Händler verweisen in diesem Zusammenhang auf starke Vorgaben großer US-Technologiekonzerne und darauf, dass die jüngsten Zahlen das Vertrauen in die hohen Investitionen in Künstliche Intelligenz (KI) wieder stabilisiert haben. In Deutschland legte die Deutsche Telekom mit 3,7 Prozent besonders fest zu. Hintergrund war unter anderem die Berichterstattung, wonach die US-Tochter T-Mobile US Pläne für eine mögliche Fusion mit der Deutschen Telekom nicht länger unterstützt; solche Signale werden am Markt häufig als Entlastung gewertet, weil sie den Verhandlungs- und Bewertungsdruck aus einem potenziell langen Prozess herausnehmen.
Auch abseits von Tech lieferten einzelne Titel konkrete Katalysatoren. Für Eon ging es um 1,9 Prozent nach oben, nachdem ein Analystenhaus die Einstufung von „Hold“ auf „Buy“ angehoben und das Kursziel von 17,40 auf 22,70 Euro erhöht hatte. Ahmed Farman sieht dabei Strom-Ausbaupläne sowie regulatorische Vorgaben für Kapitalkosten als Kurstreiber in den kommenden Monaten. Zudem waren Autowerte überdurchschnittlich gefragt: Mercedes-Benz, Volkswagen und BMW meldeten Kursaufschläge zwischen 2,5 und 3,1 Prozent. Im Kern beschreiben Marktkommentare wie die Aussage Stanzls die Dynamik als „Schleichfahrt“: Der Index steigt beständig, die Erwartung wächst, dass die einjährige Seitwärtsphase am Ende doch noch nach oben aufgelöst wird.
Damit rückt die nächste Phase der Berichtssaison in den Fokus, denn die Hoffnung auf solide Bilanzen kann den Schwung in der neuen Woche weitertragen. Aus den 40 DAX-Werten stehen laut Zeitplan bei rund der Hälfte die Quartalszahlen an. Am Dienstag folgen unter anderem Bayer, Continental, FMC und Zalando. Mittwoch stehen Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon und Beiersdorf im Kalender, am Donnerstag Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA und Siemens. Für Freitag sind unter anderem Allianz, Daimler Truck und Munich Re terminiert. Interessant ist auch die Vorgeschichte: Mitte Juli war der DAX bis auf rund 24.650 Punkte zurückgefallen, nachdem die USA den Iran erneut stärker attackiert hatten und der Brent-Preis zeitweise wieder über 100 US-Dollar stieg; der aktuelle Rücklauf zeigt, wie stark der Markt auf Energie- und Eskalationsrisiken reagiert.
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