FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Rückeroberungs-Sprung über die 26.000er-Marke muss sich der DAX in der neuen Woche behaupten. Der September gilt zwar als schwächerer Börsenmonat, doch die Kurse zeigen bislang mehr Stabilität als der saisonale Verlauf erwarten lässt. Entscheidend werden frische US-Inflationsdaten sowie die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Zusätzlich rückt die politische Lage in Sachsen-Anhalt in den Fokus, weil sie die Risikoaufschläge im Kopf vieler Investoren beeinflussen kann.

DAX-Wochenblick: Anleger blicken auf EZB, US-Inflation und politische Signale
DAX-Wochenblick: Anleger blicken auf EZB, US-Inflation und politische Signale (Foto: IT BOLTWISE)
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Der DAX startet aus Sicht vieler Marktteilnehmer mit Rückenwind, aber ohne Entwarnung. Nachdem der Index die 26.000-Punkte-Marke zurück erobert hatte, steht in der neuen Woche die praktische Frage im Raum, ob daraus ein Trend wird – oder ob oberhalb der psychologisch wichtigen Schwelle wieder Gewinnmitnahmen überwiegen. In der Einordnung spielt nicht nur der Kalender eine Rolle: Der September gilt traditionell eher als schwach, dennoch sprechen die bisherigen Kursverläufe dafür, dass Anleger einen Teil der saisonalen Vorsicht bereits vorweggenommen haben.

Unter der Oberfläche bleibt das Makro-Wetter jedoch angespannt. Der überraschend robuste US-Arbeitsmarktbericht für August hat laut der aktuellen Lageeinschätzung zunächst keine spürbaren weiteren Zinsschritte in Europa nach sich gezogen – zugleich aber die Aufmerksamkeit fest auf die nächsten Daten in den USA gelenkt. Jetzt warten die Marktteilnehmer auf neue Inflationszahlen und auf die EZB-Zinsentscheidung. Zusätzlich bleibt die geopolitische Lage rund um den Iran-Krieg ein Faktor, weil sie die Energiepreiserwartungen und damit die Kosten- und Margenfantasie für energieintensive Unternehmen beeinflussen kann.

Auch die politische Lage in Deutschland wirkt in der Börsenlogik hinein, selbst wenn sie nicht direkt in Unternehmensbilanzen eingeht. Hintergrund ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Medienhochrechnungen von ARD und ZDF sehen dort eine komplizierte Regierungsbildung, während die AfD mit Ulrich Siegmund ein starkes Ergebnis erzielt hat. In einem ersten Kommentar zum Wahlergebnis stellte Martin Lück, Chef-Kapitalmarktstratege des Vermögensverwalters Franklin Templeton, heraus: „Das sehr starke AfD-Ergebnis ist zunä̈chst ein bedeutendes politisches Signal, aber noch kein unmittelbares Kapitalmarktereignis“. Aus Investorensicht würde es problematisch, falls Zweifel an der europäischen Einbindung, der fiskalischen Verlässlichkeit oder der Kontinuität der Energie- und Industriepolitik entstehen – gerade weil Sachsen-Anhalt auf neue Investitionen und qualifizierte Beschäftigte angewiesen sei.

Für den konkreten Kursverlauf dürfte die Wochenmitte damit besonders viel Gewicht bekommen. Highlight ist die Zinssitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag. Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, sprach dabei von weitgehendem Konsens, dass die EZB um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5 Prozent anhebt. Danach wird es jedoch schwieriger: Walk hält laut der aktuellen Argumentation einen weiteren Zinsschritt im Dezember für möglich, gestützt unter anderem auf positivere Konjunkturdaten. Demgegenüber warnte Eckhard Schulte von MainSky Asset Management, dass weitere Zinsschritte über den September hinaus das Ende einer gerade einsetzenden zyklischen Erholung der Euro-Konjunktur bedeuten könnten. Genau diese Spannungszone dürfte in den Kursen wieder stärker sichtbar werden, wenn sich die Erwartungsbildung von „mehr Straffung“ auf „wie lange noch“ verschiebt.

Noch spannender für viele Strategien als die EZB ist im Folgeverlauf die nächste Fed-Entscheidung. Ein Fed-Mitglied habe zuletzt betont, dass die Entscheidung „stark beeinflusst“ werde von den am Freitag anstehenden Inflationsdaten. Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets brachte diese Abhängigkeit auf den Punkt: Die Daten seien damit zum entscheidenden Wegweiser für die weitere Zinsentwicklung in den USA. Konsorbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl stellt in diesem Zusammenhang sogar die Verbraucherpreise über den Arbeitsmarkt, weil sie für die Marktreaktionen oft unmittelbarer als Signal für den geldpolitischen Pfad wirken. Wichtig ist dabei der Tonfall der Notenbank: Stanzl beschreibt die Fed als Unsicherheitsfaktor, weil nicht ihre Worte, sondern erst die Taten zeigen würden, wie ernst sie es mit der Inflationsbekämpfung meint – „Nicht ihre Worte, sondern erst ihre Taten werden zeigen, wie ernst sie es mit der Inflationsbekämpfung meint.“ In der Marktlogik kann das bedeuten, dass die Renditen schneller reagieren als die Aktienindizes, wenn die Erwartungslücke zwischen Kommunikation und tatsächlichem Handeln größer wird.

Auch die Energiepreise liefern weiterhin einen Taktgeber. Zuletzt hing die Stimmung der Anleger vor allem an der Entwicklung der Ölpreise infolge des wieder aufflammenden Iran-Kriegs. Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners schrieb sinngemäß, dass zwar Hoffnung bestehe, die Eskalation könnte zeitlich begrenzt bleiben – die Frage sei jedoch, ob es im DAX oberhalb von 26.000 Punkte noch weitere Käufer gibt oder ob erneute Gewinnmitnahmen dominieren. Unabhängig davon zeigt das Beispiel der letzten Woche: Der DAX hatte von einem Rekordhoch bei 26.618 Punkten zeitweise fast 900 Zähler nachgegeben, schaffte aber vor dem Wochenende erneut die Rückkehr über 26.000. CapTrader-Chefmarktanalyst Timo Emden warnte dabei vor einer fragilen Gemengelage, auch wenn sich die Anleger zunächst beruhigt hätten, „dörfte die Gemengelage fragil bleiben“.

Der Wochenauftakt liefert neben den US-Feiertagen auch einige Datenpunkte für den deutschen Kontext. In den USA starten die Börsen wegen des „Labor Day“ geschlossen, wodurch sich die Preisfindung in der ersten Phase eher auf Europa und auf vorbereitende Positionierungen verlagern kann. In Deutschland könnten am Montag die deutsche Industrieproduktion für Juli sowie der Sentix-Konjunkturindex Beachtung finden. Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater ordnet den Sentix dabei als Hinweis darauf ein, ob sich die Wirtschaft trotz struktureller Hemmnisse weiterhin in einer Erholungsphase befindet. Unternehmenstermine stehen dagegen nur wenige auf der Agenda – das dürfte die Bewegungen in erster Linie makrogetrieben machen und damit die Spanne zwischen EZB- und Fed-Erwartungen in den Vordergrund rücken.


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