LONDON (IT BOLTWISE) – Deutschland verliert nach Angaben von Johannes Volkmann jeden Monat zehntausende Industriearbeitsplätze, vor allem wegen chinesischer Überkapazitäten und ungleichen Wettbewerbs. Er verweist auf gesunkene Exporte nach China im ersten Quartal dieses Jahres sowie stark steigende chinesische Ausfuhren nach Europa. Besonders die Automobilbranche spürt demnach den doppelten Effekt aus Absatzdruck und importgetriebenem Verdrängungswettbewerb. Volkmann fordert eine schnellere Kurskorrektur bei Rohstoffabhängigkeiten, Handelspolitik und Sicherheitsprüfungen für kritische Technik.

Deindustrialisierung durch chinesische Überkapazitäten: Volkmann warnt vor „China-Schock“
Deindustrialisierung durch chinesische Überkapazitäten: Volkmann warnt vor „China-Schock“ (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte um Deindustrialisierung bekommt in Deutschland einen zusätzlichen, industriepolitisch harten Unterton: Johannes Volkmann, CDU-Bundestagsabgeordneter, warnt vor einem „doppelten China-Schock“ aus schrumpfender Nachfrage im eigenen Exportgeschäft und zugleich wachsendem Importdruck auf dem europäischen Markt. In seinem Beitrag macht er nicht nur abstrakte Risiken geltend, sondern nennt konkrete Zeit- und Größenordnungen: Demnach gingen in Deutschland jeden Monat 10.000 bis 15.000 Industriearbeitsplätze verloren, ein erheblicher Teil sei auf Überkapazitäten und „unfairen Wettbewerb“ aus China zurückzuführen. Die Aussage läuft darauf hinaus, dass die industrielle Basis nicht schleichend, sondern messbar unter Druck gerät – mit Folgen für Zulieferketten, Investitionsentscheidungen und regionale Arbeitsmärkte.

Volkmann verknüpft diese Entwicklung eng mit Verschiebungen im Handelsmuster. Er betont, dass die deutschen Exporte nach China im ersten Quartal dieses Jahres um ein Fünftel niedriger ausgefallen seien als 2022, während die chinesischen Ausfuhren nach Europa deutlich zugenommen hätten. Sein Kernargument ist dabei weniger der reine Mengenanstieg, sondern die Wettbewerbsdynamik: Wenn ein wachsender Anteil des chinesischen Handelsüberschusses direkt über Europa abgewickelt wird, verschiebt sich der Wettbewerb in die heimischen und zugleich europäisch integrierten Wertschöpfungsketten. Als zusätzliche Zahl nennt er, dass mittlerweile jeder dritte Euro des chinesischen Handelsüberschusses auf den Handel mit Europa zurückgehe. Für Unternehmen bedeutet das: Marktanteile werden nicht nur im globalen Maßstab „verteilt“, sondern konkret in Produktkategorien, in denen Europa traditionell stark ist.

Technisch-ökonomisch lässt sich diese Gemengelage als Gleichzeitigkeit zweier Effekte beschreiben: Absatzschwäche auf dem Zielmarkt und Verdrängung auf dem Heimatmarkt. Volkmann nennt als besonders exponiertes Beispiel die Automobilindustrie, weil dort Nachfrage, Produktionsauslastung und Investitionszyklen stark voneinander abhängen. Er spricht von einem „Importschock“, der nicht nur Autobauer trifft, sondern auch Chemie, Maschinenbau und mittelständische Zulieferer. Als konkreter Indikator dient ihm die Entwicklung bei Plug-in-Hybridautos: Im ersten Quartal sei die Einfuhr aus China um 140 Prozent gestiegen. Wenn solche Importwachstumsraten in bestehende Absatzkanäle hineinlaufen, geraten nicht nur Endhersteller unter Preisdruck, sondern auch Komponentenlieferanten, die mit längeren Beschaffungs- und Umstellungszeiten planen müssen.

Politisch ordnet Volkmann das Thema gegen die aktuelle Strategie „De-Risking“ ein, also den Abbau wirtschaftlicher Risiken in den Beziehungen zu Peking. Nach seiner Einschätzung reicht das nicht aus, weil Abhängigkeiten etwa bei Seltenen Erden und anderen kritischen Rohstoffen weiterhin gewachsen seien. Hier liegt der Mechanismus auf der Hand: Selbst wenn Unternehmen kurzfristig alternative Lieferanten identifizieren, dauern Qualifizierung, Normanpassung und Ersatzteilketten oft länger als die Zeitfenster, in denen Marktnachfrage einbricht. Dazu kommen handelspolitische Ungleichgewichte, die in der Argumentation nicht als Randfaktor erscheinen, sondern als Verstärker der Wettbewerbslage. Volkmann bringt es zugespitzt auf die Frage, ob es wirklich eine tragfähige Strategie sei, den Mittelstand „an chinesische Überkapazitäten zu verfüttern“, in der Hoffnung, einzelne große Unternehmen würden als Letzte „gefressen“.

Auch die Zeithorizonte seiner Warnung sind eindeutig: Volkmann verweist auf eine Untersuchung einer französischen Regierungskommission, nach der ohne Kurskorrektur innerhalb der kommenden fünf bis zehn Jahre in Frankreich 50 Prozent und in Deutschland 70 Prozent der Industriearbeitsplätze gefährdet sein könnten. Unabhängig davon, wie Unternehmen solche Prozentwerte im Detail bewerten, ist die Botschaft für den Technologiebetrieb relevant: Deindustrialisierung ist nicht nur ein Thema für nationale Schlagzeilen, sondern kann europäische Lieferketten und Produktionsstandorte strukturell destabilisieren, insbesondere in Industriezweigen wie Automobil, Chemie und Maschinenbau. In seinem Bild geht es deshalb um die „Deindustrialisierung des europäischen Kontinents“ – ein Ziel, das in der Praxis vor allem an Investitionsstillständen, Kapazitätsabbau und fehlenden Nachwuchs-Qualifizierungen sichtbar würde.

Entscheidend ist anschließend die Frage nach Gegenmaßnahmen. Volkmann gesteht ein, dass wirksame Schritte auch Deutschland belasten würden und dass es keinen „kostenfreien Ausweg“ gebe. Er nennt dennoch drei Handlungsfelder: Handelsbeschränkungen, den Abbau von Rohstoffabhängigkeiten sowie stärkere Diversifizierung, die allerdings Kosten und politische Konflikte auslösen könnten. Ergänzend setzt er auf Ausgleichszahlungen und weitere Handelsabwehrmaßnahmen gegen chinesische Subventionen und Wechselkursvorteile. Für die Praxis in Industrieunternehmen heißt das: Beschaffungs- und Produktstrategien müssten nicht nur regional neu ausbalanciert werden, sondern auch sicherheits- und technologiepolitische Prüfpfade stärker berücksichtigen, etwa bei chinesischer Technik für Bahn, Häfen oder Energieanlagen. Zusätzlich fordert er innenpolitische Reformen wie niedrigere Lohnnebenkosten, bessere steuerliche Rahmenbedingungen und weniger Bürokratie – weil selbst die beste Außenhandelsmaßnahme nicht trägt, wenn die heimischen Kosten- und Verwaltungsstrukturen im Vergleich dauerhaft ungünstig bleiben.

Aus Branchenperspektive verschiebt sich damit der Fokus weg von rein reaktiver Krisenkommunikation hin zu belastbaren Zeitplänen und technischen Übergängen in Wertschöpfungsketten. Wenn Exporte nach China sinken und Importe nach Europa gleichzeitig stark steigen, wird „Abwarten“ zur teuersten Option: Produktionsnetzwerke lassen sich nicht kurzfristig umstellen, und Verträge mit Vorlieferanten, Spezifikationen für Komponenten sowie Qualifikations- und Zertifizierungsrunden laufen in Zyklen, die weit über ein einzelnes Quartal hinausgehen. Volkmanns Verweis auf eine fehlende Entspannung durch ein freiwilliges Einlenken Pekings unterstreicht zudem den Punkt, dass Unternehmen parallel mit Szenarien planen müssen, statt auf kurzfristige Gegenbewegungen zu hoffen. Für Entscheider ergibt sich daraus weniger eine einzelne Technologiefrage als ein strategisches Gesamtprogramm aus Industriepolitik, Beschaffungsplanung und industrieübergreifender Sicherheitsprüfung.


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