STUTTGART / LONDON (IT BOLTWISE) – Delvitech stellt auf der EFX 2026 (6. bis 8. Oktober) KI-native Inspektionstechnologie für AOI und SPI vor. Die Architektur kombiniert True-3D-Optik, FPGA-Verarbeitung sowie die webbasierte KI-Plattform Neith für Inspektionsprogrammierung und Maschinensteuerung. In einer live betriebenen SMT-Produktionslinie zeigt das Unternehmen Horus 3D AOI inklusive vernetztem Material- und Reflow-Prozess. Parallel kündigt Delvitech neue Fertigungsstandorte an und investiert dafür zunächst rund CHF 650.000 bis 700.000 in Stabio sowie perspektivisch USD 10 Millionen in Bangalore.

Delvitech will die nächste Generation der Leiterplatten-Inspektion nicht als weiteres Add-on zur Fertigung verstanden wissen, sondern als durchgängige, KI-gestützte Prozessschicht. Der Startpunkt ist eine Veranstaltung, die genau diese Sicht auf die Elektronikfertigung adressiert: Auf der EFX 2026, die vom 6. bis 8. Oktober in Stuttgart stattfindet, positioniert das Schweizer Unternehmen seine KI-native Inspektionstechnologie für automatisierte optische Inspektion (AOI) und Solder Paste Inspection (SPI) als Hebel für Qualität, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit.
Im Kern geht es dabei um eine Inspektionsarchitektur, die mehrere Bausteine eng koppelt: proprietäre neuronale Netzwerke, patentierte True-3D-Optik, FPGA-Verarbeitung sowie die webbasierte KI-Softwareplattform Neith. Während des laufenden Inspektionszyklus erkennt und klassifiziert das System Leiterplattenmerkmale in Echtzeit. Für Produktionsverantwortliche ist diese Kombination vor allem deshalb relevant, weil sie zwei typische Engstellen gleichzeitig adressieren soll: die Präzision bei komplexen Oberflächen und Lötstrukturen sowie die Reduktion von Fehlmeldungen, die sonst Analysezeit und Nacharbeitsaufwand verursachen.
Damit die Ergebnisse nicht nur einmalig „gut“ sind, sondern über Produkte, Maschinen und Standorte hinweg reproduzierbar bleiben, setzt Delvitech auf die konfigurierbare Horus-Plattform. Laut Meldung unterstützt Horus 3D-SPI, Pre-Reflow-AOI und Post-Reflow-AOI innerhalb derselben Hardware- und Softwareumgebung. Diese einheitliche Umgebung zielt darauf, dass Programmierung, Training, Service und Ersatzteilmanagement weniger fragmentiert ablaufen: Wenn das System in einer gemeinsamen Umgebung betrieben wird, lassen sich Schulungs- und Wartungsprozesse eher standardisieren statt jedes Setup neu zu erfinden. Der Training Manager soll zudem helfen, Inspektions-Know-how produkt-, maschinen-, linien- und standortübergreifend zu bewahren und wiederzuverwenden, was wiederum die Abhängigkeit von einzelnen Bedienern senken und den Produktionshochlauf beschleunigen soll.
Technisch betrachtet ist genau diese „Wissens-Transfer“-Perspektive ein entscheidender Punkt im AOI/SPI-Umfeld. Klassische Bildverarbeitung stößt häufig an Grenzen, wenn sich Beleuchtung, Bauteilgeometrien, Lötpasten-Verhalten oder Referenzdaten über Zeit verändern. KI-gestützte Ansätze können diese Variabilität besser abfedern, benötigen aber eine saubere Rollenverteilung zwischen Modellentwicklung, Inspektionsprogramm und Maschinensteuerung. Neith übernimmt laut Delvitech hier mehrere Funktionen zugleich: Inspektionsprogrammierung, Maschinensteuerung und Datenmanagement. In der Praxis bedeutet das, dass Teams nicht nur neue Regeln „einmalig“ hinterlegen, sondern ein datenbasiertes Arbeitsgerüst für wiederkehrende Qualitätssicherung aufbauen können.
Auf der EFX will das Unternehmen den Ansatz zudem nicht im luftleeren Raum erklären, sondern in einer live betriebenen SMT-Produktionslinie demonstrieren. Delvitech plant, Horus 3D AOI in eine durchgängige Linie zu integrieren, die gemeinsam mit Essemtec, Paggen und Inventec Performance Chemicals sowie dem deutschen Distributor Külber Hightech präsentiert wird. Diese europäisch aufgebaute Linie soll den vernetzten Produktionsprozess von Materialvorbereitung über Jetting, Bestückung und Inspektion bis hin zum Reflow zeigen. Für Automatisierer und Industrial-Engineering-Teams ist dabei vor allem die Kopplung zwischen Prozessschritten und Inspektion relevant: Wenn Daten aus verschiedenen Stationen in einem konsistenten Ablauf landen, steigt die Chance, dass Qualitätsentscheidungen früher und gezielter getroffen werden.
Marktseitig positioniert Delvitech die Lösung ausdrücklich für qualitätskritische Branchen wie Automotive und Elektromobilität, Luft- und Raumfahrt, Medizinelektronik sowie Industrie- und Leistungselektronik und nennt EMS als weiteren Anwendungsraum. Der Automobilbereich bleibt eine strategische Priorität. Angesichts des zunehmenden Kosten- und Leistungsdrucks für europäische Hersteller investiert das Unternehmen weiter in Technologien, die die operative Effizienz steigern und die Gesamtkosten der Inspektion senken sollen. Dazu passt auch die geplante Erweiterung der Fertigungspräsenz: In Stabio entstehen neue Kapazitäten für optische Köpfe der nächsten Generation. Für diese anfängliche Investition nennt Delvitech rund CHF 650.000 bis 700.000.
Mit Blick auf die globale Skalierung folgt Bangalore: Dort soll das Werk laut Meldung im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen, Fertigungskapazitäten ausbauen und die Nähe zu internationalen Kunden stärken. Die anfängliche Investition beziffert Delvitech mit USD 10 Millionen, mittelfristig soll sie auf USD 25 bis 30 Millionen steigen. Für Unternehmen ergibt sich daraus ein klarer Impuls: KI-native Inspektion wird zunehmend nicht nur als „Softwareprojekt“, sondern als Kombination aus Sensorik, Rechenhardware und wartbarer Betriebspraxis betrachtet. Wer in den nächsten Monaten AOI/SPI modernisieren will, sollte daher besonders auf die Integrationsfähigkeit der Plattformen achten – also darauf, wie gut Inspektionsprogramme, Trainingsprozesse und Datenmanagement in eine reale Linienlandschaft eingebunden werden können.
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