LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Privatanleger wollen Megatrends zwar gezielt spielen, setzen aber selten alles auf ein einziges Thema. In einer Umfrage im Auftrag eines ETF-Anbieters geben 56 Prozent an, sie könnten nicht zuverlässig einschätzen, welche Themen in den nächsten fünf Jahren den Gesamtmarkt schlagen. Viele antworten daher mit 2 bis 3 Themen oder bündeln mehrere Wachstumsthesen in einer einzigen Anlage. Besonders häufig werden Alternative Energien sowie KI-Infrastruktur und Rechenzentren genannt, wobei Energiesicherheit als Beweggrund durchscheint.

Wer Megatrends investierbar machen will, landet schnell bei einer unbequemen Frage: Was, wenn das scheinbar nächste „Winner-Thema“ in drei bis fünf Jahren doch nicht dominiert? Genau diese Unsicherheit spiegelt eine Umfrage wider, die im Auftrag eines ETF-Anbieters durchgeführt wurde. 56 Prozent der Befragten sagen von sich aus, sie könnten nicht sicher prognostizieren, welche Themen in den nächsten fünf Jahren besser als der Gesamtmarkt abschneiden. Das klingt zunächst nach genereller Zurückhaltung, hat aber eine sehr konkrete Konsequenz in den Antworten: Viele Anleger planen nicht als Ein-Themen-Wette, sondern bauen sich eine breitere Position auf. Damit verschiebt sich der Fokus vom vermeintlich perfekten Timing hin zu Portfoliologik.
In der Praxis äußert sich das in einer vergleichsweise hohen Bereitschaft zur Streuung über mehrere Wachstumstreiber. 62 Prozent würden bevorzugt in zwei bis drei Themen investieren. Gleichzeitig zeigt sich bei 53 Prozent die Neigung, mehrere Wachstumsthemen in einer einzelnen Anlagelösung zu bündeln. Solche „One-ticket“-Konstrukte sind für Privatanleger besonders attraktiv, weil sie die operative Komplexität senken: weniger Einzelentscheidungen, weniger Rebalancing-Arbeit, dafür ein systematischerer Ansatz. Für die Verteilung der Kapitalallokation ist das nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch ein Signal dafür, wie unterschiedlich Anleger das Risiko von Megatrend-Setups einschätzen.
Bei der gewünschten Kapitalallokation liegen Alternative Energien mit 24 Prozent knapp vor KI-Infrastruktur und Rechenzentren mit 23 Prozent. Dass der Abstand so gering ausfällt, ist für die Marktsicht aufschlussreich: Die Anleger betrachten den Ausbau der Energieerzeugung und -versorgung offenbar als genauso zentral wie die technologische Infrastruktur für KI-Arbeit. Die Studie ordnet das auch in den Kontext der Energiesicherheit ein. Sieben von zehn Befragten geben an, Energiesicherheit als langfristiges globales Problem zu betrachten. Damit wird verständlich, warum gerade „Infrastruktur“-Themen bei KI nicht nur als Innovationsthema, sondern als Voraussetzung für stabile KI-Workloads gelesen werden: Rechenzentren benötigen Strom, Netze und zunehmend auch eine belastbare Versorgung für Spitzenlasten.
Technisch lässt sich der Zusammenhang gut mit Blick auf die typische Wertschöpfungskette von KI-Infrastruktur einordnen. Rechenzentren sind nicht nur „Server-Standorte“, sondern müssen Energie, Kühlung, Netzwerk-Performance und Betriebssicherheit zusammendenken. Wenn Energiesicherheit in der Wahrnehmung der Anleger hochrangig ist, erhöht das die Aufmerksamkeit auf Standorte, Betriebskonzepte und Anbieter, die den laufenden Betrieb zuverlässig halten. In den Antworten folgen KI und Big Data mit 19 Prozent als Anlagepräferenz. Für einen Teil der Anleger scheint also die Unterscheidung wichtig: Nicht ausschließlich die KI-Modelle an sich, sondern der gesamte Systemunterbau inklusive Datenverarbeitung und operativer Skalierung.
Spannend ist auch der Untersuchungsrahmen. Befragt wurden für die vom ETF-Anbieter beauftragte Studie jeweils 1.000 Erwachsene in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien. Voraussetzung waren Kapitalanlagen von mindestens 5.000 Euro beziehungsweise Pfund. Das ist eine relevante Schwelle, weil sie tendenziell Privatanleger abbildet, die bereits mit Finanzprodukten umgehen, nicht nur „erste Blicke“ in den Markt werfen. Gleichzeitig verdeutlicht die Länderbreite, dass das Muster „Megatrends ja, aber mit Diversifikation“ nicht auf einen einzelnen Markt beschränkt bleibt. Für Produktanbieter heißt das: Der Bedarf richtet sich weniger auf eine einzelne große Wette, sondern auf mehrere Wachstumsthesen, die in einer konsistenten Portfolio-Logik zusammengefasst sind.
Für Anleger und Berater ergibt sich daraus ein klarer Arbeitsauftrag: Wer Megatrends investiert, sollte nicht nur das Narrativ prüfen, sondern auch die Mechanik der Umsetzung. Wenn viele Befragte 2 bis 3 Themen bevorzugen und gleichzeitig Bündelungen in einer Anlagelösung bevorzugen, entsteht eine Erwartung an Transparenz über die Zusammensetzung und an ein nachvollziehbares Rebalancing-Regime. Auch die Messlatte „besser als der Gesamtmarkt“ bleibt dabei wichtig, weil sie impliziert, dass das Produkt nicht nur thematisches Wachstum abbilden soll, sondern auch eine risikobewusste Beteiligung an Marktchancen. In einem Umfeld, in dem sich technologische Entwicklung und Energiepolitik gegenseitig beeinflussen, ist Diversifikation nicht „Ausweichmanöver“, sondern eine Methode, Projektrisiken zwischen KI-Infrastruktur, Energieerzeugung und Datenverarbeitung abzufedern.
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