KÖLN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass die deutsche Wirtschaft nur unzureichend auf einen möglichen Kriegsfall vorbereitet ist. Lediglich ein Fünftel der Unternehmen hat Vorsorgemaßnahmen für Infrastrukturausfälle getroffen, während die Mehrheit auf Personalausfälle und Lieferkettenengpässe nicht vorbereitet ist. Die Studie betont die Notwendigkeit einer resilienten Wirtschaft für die Gesamtverteidigung Deutschlands.

Die jüngste Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft offenbart eine alarmierende Lücke in der Vorbereitung deutscher Unternehmen auf einen möglichen Kriegsfall. Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen haben nur etwa 20 Prozent der befragten Firmen Maßnahmen ergriffen, um sich gegen Infrastrukturausfälle zu wappnen. Dies ist besonders besorgniserregend, da eine stabile Infrastruktur als Rückgrat der wirtschaftlichen und militärischen Resilienz gilt.
Ein weiteres kritisches Thema ist die Vorbereitung auf Personalausfälle. Nur fünf Prozent der Unternehmen sind auf den möglichen Verlust von Mitarbeitern, etwa durch die Einziehung von Reservisten, vorbereitet. Diese Zahl verdeutlicht die Notwendigkeit, Notfallpläne zu entwickeln, die den Ausfall von Schlüsselpersonal kompensieren können.
Die Umfrage zeigt jedoch auch positive Aspekte. So haben rund 86 Prozent der Unternehmen Schutzmaßnahmen gegen Cybergefahren implementiert. Dies spiegelt das wachsende Bewusstsein für die Bedrohung durch Cyberangriffe wider, die in modernen Konflikten eine immer größere Rolle spielen.
Die Autoren der Studie, darunter IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt, betonen die Bedeutung einer flexiblen und dynamischen Wirtschaft im Konfliktfall. Eine solche Wirtschaft sei entscheidend für den Rückhalt in der Bevölkerung und die Ausrüstung der Streitkräfte. Ohne eine umfassende Verteidigungsstrategie, die auch die Wirtschaft einbezieht, bleibt die Abschreckungs- und Verteidigungsfähigkeit unvollständig.
Historisch gesehen galt Deutschland nach dem Ende des Kalten Krieges als weitgehend sicher vor militärischen Konflikten. Doch die geopolitische Lage hat sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine dramatisch verändert. Die veränderte US-Außenpolitik und die anhaltende russische Aggression haben die Wahrscheinlichkeit eines Kriegsfalls erhöht, was die Notwendigkeit einer besseren Vorbereitung unterstreicht.
Die Studie fordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Militär, Wirtschaft und Hilfsorganisationen, um Notfall- und Krisenpläne zu entwickeln. Eine solche Zusammenarbeit könnte die Resilienz der deutschen Wirtschaft stärken und ihre Rolle in der Gesamtverteidigung des Landes festigen.
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