BERLIN – Der Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) soll ab dem 1. November 2026 deutlich strengere Bestehensregeln bekommen. Wer künftig das Gesamtniveau B1 anstrebt, muss in allen drei Fertigkeitsbereichen vorlegen und im schwächsten Bereich mindestens A2 erreichen. Hintergrund sind vermehrte Betrugsversuche bei Prüfungen, die laut Bundesinnenministerium über das Internet teils illegal beschafft wurden. Zusätzlich zeigen die jüngsten BAMF-Zahlen, dass viele Teilnehmende das B1-Ziel nicht erreichen.

Der Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) wird in Deutschland zum nächsten Stichtag im Kern an einem Punkt härter: Das Gesamtniveau B1 soll künftig nicht mehr „durch Ausgleich“ zustande kommen, wenn ein einzelner Prüfungsteil deutlich schwächer ausfällt. Die Änderungen sind in einer Anpassung der Integrationskurstestverordnung vorgesehen und sollen zum 1. November 2026 in Kraft treten. Damit verschiebt sich der Fokus weg von der reinen Gesamtpunktzahl und hin zu einer Mindestqualität in mehreren Fertigkeiten – Hören und Lesen, Schreiben sowie Sprechen.
Als technischer Kern der neuen Logik gilt: Prüflinge müssen künftig in allen drei Bereichen Kompetenzen nachweisen; im schwächsten Fertigkeitsbereich darf das Niveau dann nicht mehr unter A2 fallen. Konkret bedeutet das für die B1-Erreichung, dass das Mindestniveau A2 sowohl in den Prüfungsteilen Hören und Lesen als auch in Schreiben gelten soll. Wenn dagegen beispielsweise Schreiben zu schwach bearbeitet wird, reicht es nicht mehr aus, das Gesamtniveau B1 über starke Leistungen in Hören und Lesen und Sprechen zu kompensieren.
Hintergrund für die Verschärfung sind laut Bundesinnenministerium vermehrte Betrugsversuche bei DTZ-Prüfungen. In einem früheren Referentenentwurf wird beschrieben, dass Prüfungsaufgaben und Lösungen teils über das Internet illegal erworben und anschließend in den Prüfungsteil „Hören und Lesen“ eingetragen wurden. Ein besonderes Muster wird ebenfalls genannt: Während dieser Abschnitt dann besser ausfällt, werde der Prüfungsteil „Schreiben“ häufig vollständig leer gelassen. Die Folge sind Ergebnisse, die formal hoch wirken können, aber nicht mehr zuverlässig widerspiegeln, ob die sprachlichen Kompetenzen tatsächlich in der Breite vorhanden sind.
Der DTZ selbst ist als Sprachprüfung für Zuwanderer konzipiert und bildet den Abschluss von Integrationskursen. Er besteht aus einer schriftlichen Einzelprüfung und einer mündlichen Paarprüfung. Um ein Zertifikat zu erhalten, müssen die Teilnehmenden dem Verordnungstext zufolge entweder das Gesamtergebnis A2 oder B1 im Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen erreichen. Diese Struktur ist für Anbieter wichtig, weil sie die Prüfungsorganisation steuert: Schriftlich und mündlich lassen sich zwar getrennt bewerten, aber die neue Regel koppelt die Zielerreichung stärker an die Mindestanforderungen in mehreren Teilen.
Dass die neue Mindestlogik ankommt, zeigt auch der Blick auf die bisherigen Ergebnisse. Wie aus Zahlen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervorgeht, absolvierten im vergangenen Jahr 318.550 Zuwanderer den Deutsch-Test. Davon erreichten 175.193 Personen (55 Prozent) das B1-Sprachniveau, während 102.663 (32,2 Prozent) bei A2 landeten und 40.694 (12,8 Prozent) sogar unter A2 blieben. In Summe wird damit deutlich: Eine große Gruppe erreicht nicht automatisch das B1-Ziel, sondern braucht eine intensivere Förderung – und genau diese Förderlogik wird durch die neuen Bestehensbedingungen zusätzlich untermauert.
Für die Praxis in Integrationskursen bedeutet das eine spürbare Umstellung im Unterricht. Trainer und Kursverantwortliche müssen nicht nur „B1 insgesamt“ als Lernziel im Blick haben, sondern die Lehrpläne stärker auf die drei Fertigkeitsbereiche ausrichten, insbesondere auf Schreiben und seine Mindestanforderungen. Das kann Unterrichtszeit für Textproduktion, Feedbackzyklen und gezieltes Training von Fehlerprofilen erfordern – also genau die Bereiche, die in der Vergangenheit im beschriebenen Betrugsmuster offenbar am häufigsten ausgespart wurden. Ebenso werden Prüfstellen ihre internen Prozesse zur Aufgabenverwaltung und Auswertung voraussichtlich weiter straffen müssen, weil die Einhaltung der Mindestniveaus stärker sichtbar macht, wo Manipulationsversuche ergebnisrelevant werden.
In der Markt- und Wettbewerbslogik wirkt eine solche Verschärfung wie ein Qualitätsanker: Standardisierte Sprachtests sind für Behörden, Arbeitgeber und Integrationssysteme nur dann belastbar, wenn die Ergebnisse die tatsächlichen Kompetenzen abbilden. Durch das Mindestniveau in den einzelnen Prüfungsteilen wird der Interpretationsspielraum geringer, und das reduziert das Risiko, dass einzelne „sichere“ Bereiche die Gesamtbewertung verzerren. Gleichzeitig steigt für Teilnehmende der Druck, wirklich in mehreren Fertigkeiten stabil zu werden – eine Entwicklung, die sowohl die Kursplanung als auch die Lernstrategie beeinflussen wird, insbesondere bis zur Umstellung am 1. November 2026.
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