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BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Digitalgipfel der Bundesregierung stellt Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt und fragt, wie Deutschland und Europa international mithalten können. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger nennt Aufholbedarf und verbindet ihn mit einer größeren Risikobereitschaft für KI-Projekte. Die Debatte dreht sich zugleich um wachsende Abhängigkeit von US-Anbietern bei Basismodellen und Rechenkapazitäten. Am zweiten Gipfeltag sollen Politik, Wirtschaft und Forschung konkrete Zwischenstationen hin zu mehr KI-Souveränität definieren.

Digitalgipfel in Berlin: Warum Deutschland bei KI weiter aufholen muss
Digitalgipfel in Berlin: Warum Deutschland bei KI weiter aufholen muss (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer den KI-Diskurs in Deutschland nur anhand öffentlicher Schlagzeilen betrachtet, könnte tatsächlich den Eindruck gewinnen, der Zug sei abgefahren. Genau diese Wahrnehmung greift der Digitalgipfel der Bundesregierung in Berlin auf, indem er sie nicht wegwischt, sondern zur Leitfrage macht: Wie kann Deutschland und Europa bei Künstlicher Intelligenz global mitreden, wenn zentrale Bausteine der Technologie häufig aus den USA kommen? Dass die Veranstaltung mit „ausverkauft“ angesprochen wird, ist dabei mehr als eine organisatorische Randnotiz. Es zeigt, wie hoch die Dringlichkeit eingeschätzt wird, weil Panels, Keynotes und Messestände nicht über Themen sprechen wollen, sondern über Durchsetzung in der Praxis.

Gastgeber des zweitägigen Formats ist Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, und in seinen Erwartungen spiegelt sich ein Zielkonflikt: Einerseits soll Aufbruchstimmung entstehen, andererseits steht bereits viel „in Gang“, das man nicht einfach neu erfinden kann. Das heißt für die Ausrichtung des Gipfels: Die Diskussionen drehen sich um den nächsten Entwicklungsschritt auf den vorhandenen Programmen aufbauend, nicht um den Start bei null. Dazu passt, dass im Hintergrund bereits Initiativen wie eine Rechenzentrumsstrategie genannt werden, die vor allem die technische Grundlage adressiert. Denn KI-Entwicklung und vor allem KI-Betrieb sind ohne passende Rechenkapazitäten, stabile Betriebsprozesse und entsprechende Kompetenzen schwer skalierbar.

Im Kern der Debatte steht die Abhängigkeit von US-Anbietern – nicht als abstraktes Narrativ, sondern als praktische Lieferkette für Basismodelle. Laut den Aussagen im Umfeld des Gipfels wird Deutschland und Europa beim Bezug und Import solcher großen Modelle weiterhin vom US-Ökosystem geprägt, weil dort die großen Akteure die Budgets, die Rechenzentren und häufig auch den „State of the Art“ dominieren. Das Problem ist dabei nicht nur die Verfügbarkeit, sondern die strategische Kontrolle: Wenn Modellgewichte, Trainingspfade und Infrastruktur weitgehend außerhalb europäischer Reichweite liegen, werden Spielräume bei Anpassungen, Sicherheitseinstellungen und Betriebskosten enger. In der gleichen Diskussion wird außerdem betont, dass die Abhängigkeit gegenüber früheren Jahren „noch weiter“ zugenommen haben soll, was den Handlungsdruck gegenüber reinen Pilotprojekten erhöht.

Besonders scharf wird diese Lage im Vergleich der Investitionsvolumina. Wie die Auswertung des Bundeshaushalts durch den Berliner Thinktank Agora Digitale Transformation darlegt, fließen rund 800 Millionen Euro in Projekte der Künstlichen Intelligenz, das entspricht 0,15 Prozent des Bundesetats. Demgegenüber stehen laut derselben Betrachtung Investitionen der US-Tech-Giganten in der Größenordnung von 655 Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz im laufenden Jahr – mehr als der gesamte Bundeshaushalt. Solche Relationen sind in der Diskussion kein Selbstzweck, sondern verschieben die Frage: Nicht „ob“ KI-Förderung stattfindet, sondern ob sie in Tempo und Struktur mit den Beschleunigern der Konkurrenz mithalten kann. Der Digitalminister hält dagegen, dass es nicht nur um Geld gehe, sondern auch um Mindset und darum, ob Deutschland Risiken bei der Umsetzung eingeht – ein Punkt, der in den vergangenen Jahren bei jeder zweiten KI-Initiative anklingt.

Auch aus der Wirtschaft kommt die Übersetzung in konkrete Engpässe. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom, beschreibt die Abhängigkeit insbesondere beim Import oder Bezug von Basismodellen, die etwa chatbasierte Systeme wie ChatGPT oder Claude zugrunde legen sowie auch Modelle wie DeepSeek aus China. Gleichzeitig liefert Rohleder eine Formulierung, die die Tonalität des Gipfels prägt: Der „KI-Zug“ fahre schnell, mache aber immer wieder Zwischenstationen. Das ist eine strategische Abwägung. Sie läuft auf die Idee hinaus, nicht zwangsläufig jedes Land müsse ein eigenes „ChatGPT“ bauen, sondern cleverer zu investieren – also dort anzusetzen, wo sich Wertschöpfung nachweisbar in Produktivität und Wettbewerbsvorteile übersetzen lässt. Gerade das macht den Blick auf Physical AI plausibel: KI in Maschinen, Fabriken, Robotern oder autonomen Fahrzeugen braucht zwar Modelle, aber ebenso Sensorik, Datenpipelines, Regelungstechnik und robuste Systemintegration.

Als Gegenentwurf zur reinen Abhängigkeit von Modellimporten werden auf dem Gipfel deshalb mehrere Richtungen genannt: Deutsche KI-Grundlagenforschung gezielt fördern, Schwerpunkte im Bereich Physical AI setzen und Partnerschaften über das US-Ökosystem hinaus ausbauen. Ein Beispiel für solchen Ansatz ist die Zusammenarbeit des kanadischen KI-Unternehmens Cohere mit dem deutschen Aleph Alpha aus Heidelberg, die die Idee unterstreicht, dass Souveränität nicht nur in selbst trainierten Modellen entsteht, sondern auch durch ausgewählte Allianzen und passende Betriebsmodelle. Für Entscheider in Unternehmen lässt sich daraus eine praktische Konsequenz ableiten: Die nächsten Monate werden weniger vom „Tool-Anschaffen“ geprägt sein, sondern von der Frage, wie KI-Workflows in vorhandene IT- und OT-Landschaften integriert werden, inklusive Evaluation, Monitoring und Betriebssicherheit. Mit dem Appell, die Ärmel hochzukrempeln und Tempo aufzunehmen, setzt der Gipfel genau dort an, wo sich KI-Strategien messen lassen.

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