LONDON (IT BOLTWISE) – Enlight Renewable Energy legt starke Quartalszahlen vor und hebt die Jahresprognose 2026 an. Im zweiten Quartal steigen Umsatz und Erträge um 55 Prozent auf 210 Millionen Dollar, während der Nettogewinn um 460 Prozent auf 31 Millionen Dollar zulegt. Besonders markant ist ein erster großer US-Vertrag mit Google über 200 Megawatt Solarkapazität in Oklahoma. Zudem sichert sich das Unternehmen für ein Arizona-Projekt eine Finanzierung von 2,6 Milliarden Dollar und baut Speicher sowie Rechenzentren als neue Wachstumssäulen aus.

Enlight Renewable Energy verbindet die jüngsten Quartalszahlen mit einer klaren Kapitalmarktbotschaft: Wachstum ist nicht nur ein Versprechen, sondern soll sich in operativen Kennzahlen fortsetzen. Nach einem starken ersten Halbjahr hob der israelische Solar- und Speicherentwickler die Prognose für 2026 an, und die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 7,05 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 stiegen Umsatz und Erträge um 55 Prozent auf 210 Millionen Dollar (Vorjahr: 135 Millionen Dollar), während der Nettogewinn um 460 Prozent auf 31 Millionen Dollar von 6 Millionen Dollar im Vorjahresquartal sprang. Das ist vor allem deshalb relevant, weil bei vielen Erneuerbare-Energy-Storys die finanzielle Entwicklung häufig stärker von Sondereffekten oder von Timing-Effekten abhängt als von der Breite der operativen Basis.
Ein genauerer Blick auf die Ergebnisqualität zeigt dabei, woran der Vorstand anknüpft: Das bereinigte EBITDA stieg um 67 Prozent auf 160 Millionen Dollar. Selbst wenn man den Sondereffekt aus dem Teilverkauf des Sunlight-Clusters herausrechnet, wäre die Kennzahl laut Unternehmensangaben noch um 50 Prozent gewachsen. Das deutet auf eine operative Substanz hin, die in der Praxis oft entscheidend ist, wenn Projekte in der Entwicklung mehr Kapital binden und sich Ergebnisbeiträge erst zeitversetzt einstellen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnet Enlight nun mit einem Umsatz- und Ertragskorridor von 790 bis 820 Millionen Dollar, das entspricht rund 4,5 Prozent mehr als bisher am Mittelwert. Beim bereinigten EBITDA liegt die Spanne bei 565 bis 585 Millionen Dollar, was am Mittelwert einem Plus von 3,6 Prozent entspricht.
Technisch und strategisch setzt der größte Impuls aus dem Update aber auf der Nachfrageseite an: In den USA sichert sich Enlight einen 15-jährigen Stromabnahmevertrag mit Google über 200 Megawatt Solarkapazität am Solstice-Projekt in Oklahoma. Der Deal ist nach den Angaben des Unternehmens der erste Vertrag mit einem gewerblichen Großen Kunden in den USA und zugleich der Einstieg in den Marktplatz SPP im Südwesten des Landes. Für den Markt ist das nicht bloß ein weiterer PPAs-Schritt, sondern ein Signal, dass Enlight die Abnehmerseite stärker Richtung Hyperscaler ausrichtet. Diese Technologiekonzerne treiben den Strombedarf ihrer Rechenzentren im Zuge des KI-Booms und schaffen damit – je nach Netzkapazität und Standortwahl – planbare Nachfragefenster für neue Erzeugung und Speicher.
Parallel zur Markterweiterung verankert der Konzern seine Projekte finanziell. Für den CO-Bar-Komplex in Arizona sicherte sich Enlight eine Finanzierung von 2,6 Milliarden Dollar, die größte in der Firmengeschichte. Getragen wird das Vorhaben von einem Konsortium aus sieben internationalen Banken. Das Projekt umfasst rund 1,2 Gigawatt Solarkapazität und 4.000 Megawattstunden Speicherkapazität, verteilt auf fünf Bauphasen. Gerade die Phasierung ist ein praktischer Hebel: In vielen Projektentwicklungen lassen sich Cashflows und Baufortschritte so steuern, dass Refinanzierungs- und Bauplanungsrisiken besser geglättet werden. Damit rückt das Zusammenspiel aus Erzeugung und Speicherauslegung in den Mittelpunkt – also die Frage, wie zuverlässig Strom zu Zeiten bereitgestellt werden kann, in denen Wettermuster und Lastprofile nicht synchron verlaufen.
Auch in Europa erhöht Enlight den Takt. Neue Speicherprojekte in Finnland und Rumänien sollen zwischen 2028 und 2029 ans Netz gehen. Das Unternehmen nennt unlevered Renditen von rund 17 bis 19 Prozent. Speicherkapazitäten machen inzwischen etwa die Hälfte der erwarteten Erlöse aus dem sogenannten reifen Portfolio. Diese Struktur passt zu einer breiteren Marktlogik: Während Solar und Wind vor allem über Erzeugungsvolumen skalieren, entscheidet bei wachsendem Anteil fluktuierender Quellen immer stärker die Fähigkeit, Leistung zeitlich zu verschieben. Dazu kommt ein weiterer strategischer Schritt: Enlight stellt eine neue Sparte für Rechenzentren vor, die gemeinsam mit erneuerbaren Erzeugungsanlagen entwickelt und betrieben werden soll. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigende Stromnachfrage durch KI-Anwendungen und versucht offenbar, nicht nur Strom zu liefern, sondern Systemintegration als Geschäftsmodell mitzudenken.
Für die nächsten Jahre nennt Enlight ambitionierte Ziele. Bis Ende 2028 will das Unternehmen seine operative Kapazität auf rund 12 Gigawatt (faktorisiert) ausbauen und einen jährlichen Erlöslauf von mehr als 2,2 Milliarden Dollar erreichen. Das entspreche nahezu dem Dreifachen des für Ende 2026 erwarteten Niveaus. Zusätzlich sollen bis Jahresende 2026 87 Prozent des sogenannten reifen, noch nicht ertragswirksamen Portfolios entweder im Bau oder bereits in Betrieb sein. In der Praxis ist das der Teil, der für Analysten und Investoren besonders zählt: Nicht die Pipeline an sich, sondern der Übergang von „reif“ zu „ertragswirksam“ entscheidet über Umsatzvisibilität, Margendynamik und die Stabilität der Ergebnisrechnung. Vor diesem Hintergrund wirkt der Google-Deal in Oklahoma wie ein Verstärker der eigenen Narrative: Erst Nachfrageverträge mit planbarer Laufzeit sichern, dann über Finanzierung und Speicherausbau die Kapazität daran ausrichten.
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