LONDON (IT BOLTWISE) – Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Deutschland den Anteil Erneuerbarer in der Stromeinspeisung deutlich: Wind, Sonne und Biogas kommen zusammen auf 59,1 Prozent. Das entspricht einem Plus von 1,1 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig sank der Anteil konventioneller Kraftwerke wegen einer insgesamt höheren Stromerzeugung auf 40,9 Prozent. Auch der Außenhandel verschob sich: Im Saldo stieg die importierte Strommenge nur noch geringfügig.

Deutschland hat im ersten Halbjahr 2026 einen weiteren Schritt in Richtung eines stärker erneuerbaren Strommix gemacht: Laut Statistischem Bundesamt stammten 59,1 Prozent der ins Netz eingespeisten Strommenge aus Windkraft, Sonne und Biogas. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 bedeutet das ein Plus von 1,1 Prozentpunkten. Der entscheidende Kontext für diese Marke ist weniger eine einzelne Technologie als die Kombination aus mehreren Erzeugungsarten, die sich über das Jahr gegenseitig teilweise abfedern und damit das Gesamtergebnis glätten helfen.
Technisch betrachtet verschiebt ein höherer Einspeiseanteil Erneuerbarer nicht nur das Energiemix-Bild, sondern auch die Betriebslogik im Netz. Erzeugungsprofile aus Wind und Photovoltaik verlaufen wetter- und tageszeitabhängig, während Biogas als flexiblere Komponente stärker auf Verfügbarkeit und Betriebsführung reagiert. Im selben Zeitraum legte die Einspeisung aus erneuerbaren Energien um 6,5 Prozent auf 136,4 Milliarden Kilowattstunden zu. Damit wächst in der Praxis auch der Bedarf, Erzeugungs- und Lastflüsse laufend zu balancieren – etwa über Regelenergie, Redispatch und die Abstimmung zwischen Netzbetreibern und Handel.
Während die Erneuerbaren zulegten, änderte sich die Rolle konventioneller Kraftwerke rechnerisch deutlich: Die aus konventionellen Energieträgern gewonnene Strommenge stieg zwar ebenfalls um 1,7 Prozent. Weil aber insgesamt mehr Strom erzeugt wurde, fiel ihr Anteil auf 40,9 Prozent nach 42,0 Prozent im ersten Halbjahr 2025. Bereits seit 2023 wird in Deutschland mehr Strom aus erneuerbarer Energie als aus fossilen Quellen gewonnen, und diese Entwicklung setzt sich damit fort. Die Daten zeigen damit auch, dass das System nicht ausschließlich über Rückgang der absoluten Erzeugung konventioneller Anlagen umkippt, sondern zuerst über eine relative Verschiebung im Verhältnis zur deutlich wachsenden Gesamterzeugung.
Die Details nach Energieträger machen die Dynamik greifbar: Windkraft blieb der wichtigste Energieträger und legte im Jahresvergleich um 2,1 Prozentpunkte auf 29,4 Prozent zu. Allerdings erklären Branchenlogik und Saisonverhalten den Sprung: Die starke Steigerung der Windstrommenge um 12,3 Prozent beruht wesentlich auf einem Basiseffekt, weil im ersten Halbjahr 2025 oft Flaute herrschte. Langfristig wurde nun wieder ein durchschnittliches Niveau erreicht. Gleichzeitig sank die Strommenge aus Kohlkraftwerken leicht um 0,5 Prozent; mit 21,4 Prozent blieben sie aber zweitwichtigster Energieträger im Mix.
Auch Photovoltaik und Erdgas liefern ein differenziertes Bild. Die Photovoltaik steigerte sich um 3,5 Prozent und kommt auf einen Anteil von 17,8 Prozent an der gesamten Strommenge. Mit Erdgas wurden 16,5 Prozent des Stroms erzeugt, die Strommenge stieg dabei um 6,4 Prozent. Für die weitere Entwicklung ist außerdem politisch-technisch relevant, dass Deutschland schrittweise bis 2038 aus der Kohleverstromung aussteigen will. Damit geht sogenannte gesicherte Leistung verloren, und die Bundesregierung hat den Neubau von Gaskraftwerken beschlossen, die die Stromversorgung absichern sollen, wenn Sonne und Wind zu wenig liefern.
Ergänzend verschob sich die internationale Komponente: Die nach Deutschland importierte Strommenge sank im ersten Halbjahr um 8,7 Prozent auf 34,5 Milliarden Kilowattstunden. Dem stand eine höhere exportierte Strommenge gegenüber, die um 14,9 Prozent auf 33,9 Milliarden Kilowattstunden stieg. Unter dem Strich wurden nur noch 0,6 Milliarden Kilowattstunden mehr Strom importiert als exportiert; ein Jahr zuvor lag der Importüberschuss noch bei 8,3 Milliarden Kilowattstunden. Diese Veränderung deutet darauf hin, dass der inländische Ausbau erneuerbarer Erzeugung und die relative Stromlage in der Nachbarschaft stärker zusammenwirken als noch vor einem Jahr.
In absoluten Größen zeigt sich das Gesamtbild: Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland 230,6 Milliarden Kilowattstunden erzeugt und ins Netz eingespeist, 4,5 Prozent mehr als in der ersten Hälfte des Vorjahres. Für Unternehmen, die Strom beschaffen, Netzinfrastruktur betreiben oder energienahe Software entwickeln, heißt das vor allem: Die Planungsannahmen für Lastflüsse, Einspeisefenster und Preisrisiken müssen stärker auf wettergetriebene Muster und dynamische Export-Import-Salden ausgerichtet werden. Wer Systeme zur Prognose von Einspeisung und zur Optimierung von Flexibilitäten (z. B. über Lastverschiebung oder Batteriespeicher) einsetzt, bekommt in solchen Phasen besonders viel Signal, weil sich Markt und Netzspiegel schneller als früher verschieben.
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