LONDON (IT BOLTWISE) – Die EU-Kommission prüft mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch die geplante Übernahme von Porta durch XXXLutz. Nach einer vorläufigen Untersuchung sieht die Behörde Risiken vor allem für Deutschland, Tschechien und die Slowakei. Auch auf der Beschaffungsseite könnte sich die Marktmacht des fusionierten Unternehmens verschieben. Bis zum 25. Februar 2027 soll eine Entscheidung fallen, obwohl die Ermittlungen nicht automatisch eine Untersagung bedeuten.

EU ermittelt wegen Porta-Übernahme durch XXXLutz: Wettbewerb in mehreren Ländern betroffen
EU ermittelt wegen Porta-Übernahme durch XXXLutz: Wettbewerb in mehreren Ländern betroffen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die EU-Kommission nimmt einen weiteren Möbel-Deal unter wettbewerbsrechtliche Beobachtung. Im Zentrum steht die geplante Übernahme von Porta durch den österreichischen Möbelhändler XXXLutz, weil bei dem Zusammenschluss in mehreren Märkten Deutschlands sowie Teilen der EU eine spürbare Abschwächung des Wettbewerbs befürchtet wird. Konkret geht es um mögliche Effekte auf Preise und Auswahl: Wenn der gegenseitige Wettbewerbsdruck zwischen den beiden Akteuren wegfällt, könnte das laut Ermittlungslogik zulasten der Kundinnen und Kunden gehen. Interessant ist dabei weniger der konkrete Showroom-Mix, sondern die Marktstruktur, in der beide Unternehmen nach Darstellung der Behörde in Überschneidungsregionen um dieselben Zielgruppen konkurrieren.

Technisch betrachtet folgt die Prüfung dem klassischen Muster von Fusionskontrollen: Die Wettbewerbsbehörde vergleicht die hypothetische Situation ohne Zusammenschluss mit dem erwartbaren Zustand nach Vollzug. Besonders relevant ist in diesem Fall die Position von XXXLutz und Porta im Bereich der „Möbel-Discounter“. Die EU-Kommission ordnet ihre Bedeutung vor allem deshalb als kritisch ein, weil viele Filialen in denselben Regionen liegen und damit den unmittelbaren Wettbewerb vor Ort prägen. Gleichzeitig verschiebt eine Fusion typischerweise Anreize: Aus zwei unabhängigen Preis- und Angebotsstrategien wird ein einheitliches Entscheidungszentrum, das die bislang gegeneinander gerichteten Steuerungsgrößen bündelt.

Nicht nur der Handel, auch die Beschaffung rückt in den Fokus. Die EU-Kommission verweist darauf, dass XXXLutz bereits ein bedeutender Kunde für Möbelhersteller ist und über erhebliche Einkaufsmacht verfügt. Sollte Porta-Marken Teil der Unternehmensgruppe werden, könnte laut Mitteilung einer von nur wenigen großen alternativen Abnehmern wegfallen. Für die Lieferanten bedeutet das im Kern: weniger Spielraum, um Konditionen über verschiedene Absatzkanäle zu verhandeln. In solchen Konstellationen prüft die Behörde deshalb, ob Lieferanten durch die neue Struktur stärker vom fusionierten Unternehmen abhängig würden und ob dies den Wettbewerb auf vorgelagerten Märkten indirekt dämpft.

Die zeitliche Abfolge der Transaktion macht die Sache zusätzlich juristisch sensibel. Bereits im Juli startete die Kommission eine Untersuchung, und die Wettbewerbshüter hegen den Verdacht, dass die beteiligten Unternehmen die Durchführung nicht abgewartet haben, bis eine Genehmigung vorliegt. Hintergrund ist die sogenannte Stillhalteverpflichtung: Nach EU-Regeln dürfen Firmen während des Genehmigungsverfahrens keine Maßnahmen treffen, die zu einem faktischen Kontrollwechsel führen. Dazu zählen etwa die Abstimmung von Geschäftsabläufen oder der Austausch sensibler, wettbewerbsrelevanter Informationen. Die EU-Kommission nennt hier Hinweise, wonach XXXLutz und Porta möglicherweise gegen diese Stillhaltepflicht verstoßen haben könnten; dass diese Vorwürfe sich in eine abschließende Rechtsbewertung übersetzen, ist damit ausdrücklich noch nicht entschieden.

Für die Bewertung spielt auch die Kommunikations- und Anmeldezeitlinie eine Rolle. Demnach war das Vorhaben erst am 7. September in Brüssel angemeldet worden, während die Transaktion Anfang Januar 2025 bereits öffentlich bekanntgegeben worden war. Solche Verzahnungen sind in der Praxis nicht ungewöhnlich, können aber sicherheitshalber zu zusätzlichen Fragen führen, weil die Behörde danach unterscheidet, was bereits faktisch umgesetzt wurde, bevor ein formeller Verfahrensrahmen greift. Die Kommission hat zudem Zeit, bis zum 25. Februar 2027 zu entscheiden. Die Ermittlungen selbst bedeuten dabei nicht automatisch, dass die Übernahme am Ende untersagt wird; sie zeigen vor allem, dass die Behörde die Wettbewerbs- und Abhängigkeitsrisiken gründlich gegen die möglichen Effizienz- und Umstrukturierungseffekte abwägen muss.

Aus Branchensicht kommt noch hinzu, dass die deutsche Möbelindustrie die geplante Übernahme zuletzt als potenziell konzentrationsverstärkendes Ereignis eingeordnet hat. Der Hintergrund: Der deutsche Möbelhandel ist in vielen Regionen bereits eng verflochten, und zusätzliche Konsolidierung kann den Verhandlungsspielraum von Herstellern sowie die Wahlmöglichkeiten von Kunden beeinflussen. XXXLutz ist zudem eine breite Gruppe, die unter anderem auch Roller, Home24, Möbelix, Mömax und Poco umfasst. Porta existiert seit 1965, das erste Einrichtungshaus wurde damals in der Nähe von Porta Westfalica eröffnet. Genau diese Mischung aus großer Händlergruppe und marktnahen Discounter-Strukturen kann erklären, warum die EU-Kommission sowohl lokale Wettbewerbseffekte als auch Beschaffungsrisiken gleichzeitig prüft.

Für Unternehmen, die in solchen Märkten aktiv sind, ist der Fall auch eine praktische Erinnerung an die Konsequenzen der Verfahrensregeln. Gerade weil noch keine finale Entscheidung gefallen ist, wächst der Druck auf die Compliance- und Governance-Prozesse in Deal-Teams: Abstimmungen zwischen den Partnern müssen so gestaltet sein, dass kein faktischer Kontrollübergang entsteht und zugleich das Geschäftsnotwendige weiterläuft. Beobachtbar wird dabei auch, wie stark Fusionskontrolle heute nicht nur „nachher“ wirkt, sondern bereits während des Verfahrens operatives Verhalten beeinflusst. Unabhängig vom Ausgang wird die Entscheidung der Kommission am 25. Februar 2027 ein Signal dafür setzen, wie konsequent die Behörden sowohl Wettbewerbswirkungen im Markt als auch potenzielle Umgehungsrisiken rund um die Stillhaltepflichten gewichten.


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