BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Militärhistoriker Sönke Neitzel hat in einer Anhörung des Verteidigungsausschusses betont, dass die Einführung einer Auswahlwehrpflicht für einen schnellen personellen Aufwuchs der Bundeswehr unerlässlich sei. Angesichts der politischen Hürden setzt das Verteidigungsministerium jedoch auf Freiwilligkeit, um bis 2035 jährlich 8.000 neue Soldaten zu gewinnen. Diese Strategie wird von Experten kritisch betrachtet, da sie im Vergleich zur Aufstellung der Bundeswehr im Kalten Krieg als zu langsam angesehen wird.

In der aktuellen sicherheitspolitischen Debatte um die Zukunft der Bundeswehr hat der renommierte Militärhistoriker Sönke Neitzel eine klare Position bezogen. Als Sachverständiger im Verteidigungsausschuss des Bundestages argumentierte er, dass eine Auswahlwehrpflicht notwendig sei, um den dringend benötigten personellen Aufwuchs der Bundeswehr zu gewährleisten. Diese Forderung steht im Kontext wachsender internationaler Spannungen, insbesondere mit Blick auf Russland, das laut Neitzel in wenigen Jahren die NATO angreifen könnte.
Das Verteidigungsministerium verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Es setzt auf die Freiwilligkeit, um die Truppenstärke bis 2035 signifikant zu erhöhen. Dies bedeutet, dass jährlich etwa 8.000 neue Soldaten gewonnen werden sollen. Neitzel kritisiert diese Strategie als zu langsam und verweist auf historische Vergleiche: Wäre die Bundeswehr im Kalten Krieg mit dieser Geschwindigkeit aufgebaut worden, hätte der Prozess 60 Jahre gedauert.
Die Diskussion um den neuen Wehrdienst ist nicht nur eine Frage der Personalgewinnung, sondern auch ein politisches Tauziehen innerhalb der Regierungskoalition. Der aktuelle Gesetzesentwurf, der Mitte Oktober in den Bundestag eingebracht wurde, ist zwischen Union und SPD umstritten. Insbesondere die Frage, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen, falls die Freiwilligkeit nicht ausreicht, um genügend Wehrdienstleistende zu rekrutieren, sorgt für Debatten. Mögliche Lösungen wie Zufalls- oder Losverfahren werden diskutiert.
Experten wie der Chef des Bundeswehrverbands, André Wüstner, und der Generalsekretär der Bundesschülerkonferenz, Quentin Gärtner, haben sich ebenfalls zu Wort gemeldet. Sie betonen die Notwendigkeit einer klaren Strategie, um die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu sichern. Die Einführung einer Auswahlwehrpflicht könnte dabei ein entscheidender Schritt sein, um die Bundeswehr zukunftsfähig zu machen und den Herausforderungen der globalen Sicherheitslage gerecht zu werden.
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