NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Startup-Gründung Fission sammelt 10 Millionen US-Dollar Series A ein, um das „Post-Tokenization“-Problem zu lösen. Statt auf monatelange Rücknahmeprozesse zu warten, sollen Anleger tokenisierte Fondsanteile in Sekunden verkaufen können. Das Unternehmen tritt dabei als Käufer auf und übernimmt die rechtlichen und handelsseitigen Abläufe. Im Hintergrund treibt Fission die Idee voran, dass Blockchain-Token nicht nur ausgegeben, sondern auch wirklich als Exit-Kanal genutzt werden.

Wenn Vermögensverwalter Fondsanteile in Token verwandeln, entsteht häufig der Eindruck, damit auch die Ausstiegsseite „automatisch“ schneller wird. Genau diese Lücke adressiert Fission: Money kann zwar zügiger in tokenisierte Private-Funds fließen, die Liquidität für den Rückweg zu Anlegern aber hinkt weiterhin hinterher. Hintergrund ist ein klassisches Marktproblem, das sich im Krypto-Umfeld besonders scharf zeigt: Tokenisierung ersetzt nicht automatisch den Handel. Ohne funktionierende Käufer, passende Preisbildung und eine belastbare Abwicklung müssen Anleger oft so lange warten, bis der Fonds eine Rücknahme aus dem Bestand heraus verarbeitet. Fission setzt dagegen an und will für Anleger einen schnellen Verkaufsschritt ermöglichen, bei dem sie nicht zuerst wochen- oder monatelang auf einen Käufer im Sekundärmarkt angewiesen sind.
Das neu finanzierte Setup dahinter erhielt laut Meldung eine Series-A-Runde über 10 Millionen US-Dollar, die im September abgeschlossen wurde. Pantera Capital führte die Runde, außerdem beteiligten sich Circle Ventures, Borderless Capital und Ari Rubenstein; die Bewertung wollte das Unternehmen nicht offenlegen. Technisch betrachtet folgt Fission einem Mechanismus, der die Abwicklung entkoppelt: Anleger können ihre digitalen Wallets mit der Plattform verbinden, einen Verkauf für ihre tokenisierten Fondsanteile anstoßen und Fission übernimmt die „legal and trading mechanics“ im Hintergrund. Der entscheidende Unterschied zur klassischen Fondslogik liegt darin, dass Fission nicht auf einen sequentiellen Prozess wartet, in dem der Fonds zuerst eine Rücknahme prüft und abwickelt, sondern eine Verkaufsoption in Sekunden anbietet und damit die Wartezeit aus dem Prozess herauszieht. In der Außendarstellung wird dafür eine sehr kurze Abwicklungszeit in den Mittelpunkt gestellt; statt Monate soll ein Settlement laut CEO Jonathan Shaffer „in 90 Sekunden oder weniger“ erfolgen – allerdings gekoppelt an einen (meist institutionellen) Verkaufsweg über die Plattform.
Damit verschiebt sich auch die Rolle, die Blockchain dabei spielt: Tokenisierung dient nicht nur als Brücke, um Emission und Eigentumsnachweis auf verteilten Registern abzubilden, sondern soll den zweiten Lebenszyklus eines Fondsanteils verbessern – nämlich den Handel und Exit. Genau hier setzt Fission auch gegen die in der Branche verbreitete Schwerpunktsetzung an. Aus dem Umfeld der Finanzierung wird betont, dass viele Fortschritte bisher vor allem auf die „bridging layer“ und die „issuance layer“ fokussierten, also darauf, wie Token erzeugt und in bestehende Systeme überführt werden. Das Problem „post-tokenization“ – also was nach der Token-Ausgabe passiert, wenn ein Anleger tatsächlich verkaufen will – sei dagegen lange zu wenig adressiert worden. Für Unternehmen und Investoren ist das relevant, weil Liquidität nicht nur eine Kennzahl ist, sondern ein Serviceversprechen: Ein tokenisierter Anteil ist erst dann operativ wertvoll, wenn Anleger daraus in einer angemessenen Zeit wieder Bargeld machen können, ohne die wirtschaftliche Position zu lange „einzufrieren“.
Der Markt arbeitet parallel daran, die Tokenisierung selbst stärker zu normalisieren. So wird berichtet, dass große Vermögensverwalter ihr Angebot ausweiten: Beispielsweise wurden im August zwei tokenisierte Geldmarktprodukte ergänzt, und auch eine US-Großbank-Tochter im Asset-Management-Kontext hat ein weiteres tokenisiertes Geldmarktvehikel für US-Anleger angekündigt bzw. auf den Weg gebracht. Daneben wird das Thema Distribution adressiert: Ein anderes Beispiel aus der Branche ist eine Partnerschaft mit einem Marktteilnehmer, um tokenisierte Fonds über Brokerages anzubieten; als Erwartung wird ein erstes Produkt im frühen Jahr 2027 genannt. Diese Initiativen zeigen, dass Tokenisierung zunehmend von „Pilot“ zu „Produktlinie“ wechselt. Gleichzeitig macht das Beispiel aus dem Bereich digitaler Investment-Plattformen aus dem Juni deutlich, warum Fission nicht als reines Token-Frontend endet: Dort wurde beobachtet, dass Anleger bei tokenisierten Private-Credit-Produkten überwiegend direkt in die Fonds einzahlen oder über die Fonds wieder herausziehen, statt den Sekundärhandel zwischen Investoren als echte Alternative zu nutzen.
Historisch betrachtet ist das kein Zufallsproblem. Bereits in früheren Wellen der Wertpapier-Tokenisierung scheiterte die praktische Liquidität oft daran, dass Märkte nicht allein durch die Umstellung auf ein digitales Eigentumsmodell entstehen. Es braucht Marktteilnehmer, standardisierte Bedingungen, regulatorisch saubere Rollen, belastbare Settlement-Regeln und eine Preisfindung, die auch bei kleineren Volumina funktioniert. Eine Einordnung aus der Regulatorik kommt zusätzlich hinzu: In einem Bericht einer internationalen Organisation von Wertpapieraufsichtsbehörden wurde darauf hingewiesen, dass Firmen zwar schneller bei der Schaffung digitaler Token vorankommen, aber weniger Fortschritte beim Aufbau von Märkten erzielen, über die Anleger Token untereinander verkaufen können. Fission positioniert sich damit als Antwort auf ein strukturelles Defizit: Der Exit soll nicht warten, bis sich ein Sekundärmarkt „von allein“ bildet, sondern über eine Plattformmechanik zunächst kontrollierter organisiert werden.
Auf der Nutzerseite beschreibt Fission vor allem institutionelle Kunden und Organisationen, die ohnehin mit Assets arbeiten, die auf Blockchains gehalten werden. Genannt werden US-amerikanische und ausländische Hedgefonds mit tokenisiertem Private-Credit oder Equity, außerdem Krypto-Organisationen, die ihre Treasury verwalten, sowie Stablecoin-Emittenten, die Reserven in tokenisierten Anlagen halten, die Zinsen erwirtschaften. Ein kleinerer, aber wachsender Teil seien zudem vermögende Privatpersonen, die persönliche Bestände über die Plattform liquidieren. Für die Praxis bedeutet das: Wer heute tokenisierte Fonds hält, möchte nicht nur einen schnelleren Eintritt, sondern vor allem eine kontrollierbare Ausstiegsstrategie. Fission versucht daher, die Wartezeit nicht durch „bessere Token“ zu lösen, sondern durch einen systemischen Schritt: Das Unternehmen stellt Käuferfähigkeit bereit und übernimmt die dafür notwendige Ausführung, während der Anleger den Vorgang über seine Wallet anstößt.
Auch der Aufbau der Firma folgt dieser Zielsetzung. Fission wurde 2024 gegründet – laut Angabe durch CEO Jonathan Shaffer, CRO Steve Bendit und CTO Curtis Humphrey. Shaffer hatte das Problem als Investor zuvor „hautnah“ erlebt: Während bei der Umstellung privater Fondsanteile auf digitale Token die Cash-out-Zeiten nicht spürbar kürzer wurden, suchte er nach einer technischen und rechtlichen Mechanik, die den Exit schneller machen kann. Der Weg führte über Gespräche mit dem Umfeld einer Blockchain-basierten Asset-Tokenisierungsfirma hin zur späteren Gründung mit Humphrey. Das aktuelle Team umfasst laut Meldung acht Mitarbeitende, verteilt auf Long Island und Los Angeles. Für die nächste Phase ist entscheidend, ob Fission Skalierung ohne Reibungsverluste schafft: je mehr Käufer- und Verkaufsanfragen, desto stärker werden Anforderungen an Operations, Compliance-Workflows und Settlement-Fähigkeiten. Gleichzeitig wird die Finanzierungsgeschichte auch als Signal gelesen, dass Investoren den „Liquidity Layer“ innerhalb der Tokenisierung als eigenen Markt betrachten – nicht als Nebeneffekt der Token-Emission.
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