SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Foundations, ein Startup-Netzwerk mit Hubs in Seattle und San Francisco, startet mit „Foundations Design and Engineering“ einen neuen Service zur Entwicklung von KI-Systemen. Unternehmen können dabei nicht nur Kapazitäten anfragen, sondern konkrete Entwickler aus dem Netzwerk einbinden, viele davon selbst aktive Gründer. Das Modell zielt auf Projektpreise statt Stundensätze und soll frühen Startups eine Einnahmequelle schaffen, während Investitionen schwieriger werden. Wie viel die Plattform pro Auftrag behält und ob Verträge über Foundations oder direkt mit den Buildern laufen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Wenn frühes Venture Capital in vielen Märkten weniger schnell fließt, verschiebt sich der Wettbewerb im Startup-Ökosystem spürbar: Nicht nur Produktideen müssen sich gegen andere behaupten, sondern auch die Finanzierung der „zweiten Woche“ nach dem Launch. Genau dort setzt Foundations an. Das Unternehmen betreibt Hubs in Seattle und San Francisco und bringt seit Dienstag mit „Foundations Design and Engineering“ einen Service an den Start, der Unternehmen gezielt mit Mitgliedern zusammenführt, die KI-Systeme und zugehörige Anwendungen planen, entwickeln und implementieren. Anders als bei klassischer Beratung steht nicht ein Team externer Consultants im Vordergrund, sondern eine Community aus Gründern, die häufig parallel an eigenen Firmen arbeiten.
Das Geschäftsmodell ist dabei bewusst auf die Arbeitsweise von Buildern zugeschnitten. Laut der Projektbeschreibung gibt es „keine Stundensätze“ und auch keine Consulting-Abteilung, die ihre Zeit „verkauft“. Stattdessen werden Arbeiten projektbasiert bepreist; die Website formuliert das zugespitzt als „Not consultants studying AI. Builders using it every day.“ Für Unternehmen klingt das nach einer Abkürzung: Weg von langen Discovery-Phasen, hin zu konkreter Umsetzung. Gleichzeitig ist das auch eine Antwort auf einen Wandel, den viele Produktteams bereits spüren: KI macht Software leichter zu bauen, wodurch Startups zunehmend serviceähnliche Leistungen anbieten, die stärker auf einzelne Kundenanforderungen zugeschnitten sind.
Aviel Ginzburg, Mitgründer von Foundations und Investor mit Sitz in Seattle, ordnet den Ansatz als Annäherung an eine „Router“-Logik ein: Eine Anfrage eines Unternehmens soll nicht automatisch an das nächstverfügbare Beratungsbüro gehen, sondern an die Person oder das Mitglied im Netzwerk, das die Problemstellung am besten kennt. Das kann ein bereits existierendes Member-Produkt für den jeweiligen Anwendungsbereich sein, ein Gründer mit Erfahrung in der jeweiligen Branche des Kunden oder auch ein „early-stage founder“, der bezahlte Arbeit sucht, um Cashflow aufzubauen. Diese Nähe zum Kundennutzen kann zudem helfen, die typischen Pain Points hinter den Anforderungen besser zu verstehen – so dass Gründer später eher wissen, welche Produkte sich aus den Kundenproblemen wirklich ableiten lassen.
Technisch interessant ist vor allem die Anlehnung an das Konzept des „forward deployed engineer“. Die Abkürzung FDE spielt direkt auf diese Rolle an, die Palantir popularisiert hat: Entwickler, die eng mit einem Kunden zusammenarbeiten, um Technologie direkt im Geschäftsalltag lauffähig zu machen. Foundations greift damit einen praxisnahen Ansatz auf, der aus Sicht der Umsetzungsqualität vor allem dann wirkt, wenn KI nicht nur „im Modell-Prompt“ steht, sondern in Prozesse, Datenflüsse und Integrationen hinein muss. Dass Foundations das nicht als reines Beratungsangebot versteht, zeigt sich auch daran, dass die Arbeit in Projektschritten gedacht ist und ein Gründer typischerweise nicht nur Empfehlungen abgibt, sondern den Weg bis zur Implementierung begleiten soll.
Weniger klar ist der Zuschnitt der Plattformbeteiligung und die Vertragsarchitektur. Ginzburg sagt, Foundations werde je nach Fall unterschiedlich viel am Vertrag halten – von „nichts“ bis zu einem „double-digit“ Prozentanteil. Auch offen bleibt, ob das Unternehmen den Vertrag mit Foundations abschließt oder ob der Vertrag direkt mit dem Gründer geschlossen wird, der die eigentliche Arbeit ausführt. Ähnlich flexibel wirken die Einstiegspreise: Als Orientierung nennt Ginzburg, dass Community-Mitglieder etwa 1.000 bis 2.000 US-Dollar für ein paar Stunden mit dem Team des Unternehmens verlangen können und bis zu 5.000 US-Dollar für ein Audit, wie ein Unternehmen KI einsetzen könnte. Größere Projekte sollen dann deutlich stärker variieren – was in der Praxis meist bedeutet, dass Umfang, Datenlage, Integrationsbedarf und Sicherheitsanforderungen stärker in die Kalkulation eingehen.
Für den Markt ist die Initiative vor allem deshalb relevant, weil sie das Ökosystem finanziell dichter mit konkreter Umsetzung verknüpft. Foundations zählt nach eigenen Angaben mehr als 300 Gründer in seiner Community, darunter rund 30 im „founder-in-residence“-Programm. Das Unternehmen ist als Public Benefit Corporation organisiert: Gewinnorientierung und öffentlicher Zweck sollen zusammenfallen – und damit wird auch verständlich, warum es laut Ginzburg nicht darum geht, das Netzwerk von seiner Mission abzulenken. Die Plattform nimmt demnach nicht direkt Eigenkapital aus den Startups, die im Residency-Programm Unterstützung erhalten, und der neue Service soll Einnahmen ermöglichen, ohne die Kernaufgabe „Gründer erfolgreich zu machen“ zu verwässern. Ob das Konzept skaliert, hängt nun stark davon ab, wie schnell Vertrauen zwischen Unternehmen, Builders und Foundations entsteht – und wie gut sich Projektpreise für wiederkehrende KI-Anwendungsfälle standardisieren lassen, ohne die individuelle Anpassung zu verlieren.
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