LONDON (IT BOLTWISE) – Der Frankfurter UCITS ETF „Modern Value“ zielt nicht auf kurzfristige Effekte wie bei Spin-offs, sondern auf langfristig robuste Unternehmen. Der Fonds wählt genau 25 Aktien anhand einer Kombination aus Eigentümerstabilität und dauerhaftem Wettbewerbsvorteil. 2023 sprang die Performance um 29,64 Prozent, während das laufende Jahr bislang durch einzelne Belastungen gebremst wird. Entscheidend für Anleger ist dabei auch die hohe Konzentration: jede Position trägt rund 4 Prozent ins Depot.

Viele ETF-Investoren achten bei neuen Produkten zuerst auf das Etikett der Strategie. Der Frankfurter UCITS ETF „Modern Value“ macht es dagegen explizit anders: Er soll kein kurzfristiger Sondereffekt sein, sondern eine methodische Wette auf Strukturen, die möglichst lange halten. Als Alternative zu einem in Deutschland nicht regulär handelbaren US-Fonds, der nach Unternehmensabspaltungen („Spin-Offs“) sucht, verfolgt der ETF die verwandte Grundidee nach „Value“-Qualität, aber ohne den Fokus auf den Abspaltungs-Moment. Stattdessen steht die Frage im Mittelpunkt, wie dauerhaft ein Unternehmen gegen Wettbewerber bestehen kann – und wie stark die Interessenlage von Eigentümern und Aktionären über die Zeit zusammenpasst.
Aufgelegt wurde der Fonds am 30. Juni 2022 von der Frankfurter Vermögensverwaltung Shareholder Value Management gemeinsam mit der Luxemburger Kapitalverwaltungsgesellschaft Axxion. Der ETF bildet den Frankfurter Modern Value Index nach, einen gleichgewichteten weltweiten Aktienindex mit nur 25 Unternehmen. Entscheidend für die operative Umsetzung ist die Replikation: Der Index wird physisch und vollständig abgebildet, und die Anpassungen erfolgen vierteljährlich jeweils am zweiten Freitag der Monate März, Juni, September und Dezember. Damit haben Anleger nicht nur eine „Burggraben“-Story, sondern auch einen klaren Mechanismus, wie regelmäßig Entscheidungen über die Zusammensetzung getroffen werden.
Wie der Index die 25 Werte auswählt, startet zunächst mit einem breiten Anlageuniversum aus Industrieländern. Davon werden anschließend Unternehmen über Ausschlusskriterien für nicht nachhaltige Geschäftsbereiche sowie über Handelbarkeitsfilter herausgefiltert. Die verbleibenden Kandidaten landen danach in einer fundamental und qualitativ ausgerichteten Prüfung durch Analysten des Fondshauses, bevor sie überhaupt auf eine Beobachtungsliste kommen. Im Zentrum steht anschließend eine Kennzahl namens Total Shareholder Return, die die erwartete Gesamtrendite eines Investors über die kommenden fünf Jahre abbilden soll. Zusammengesetzt wird diese Erwartung aus Kurssteigerung, Dividenden, Aktienrückkäufen, Wachstum sowie der Rendite auf reinvestiertes Kapital. Zwei qualitative Bausteine geben der quantitativen Renditeerwartung die Richtung vor: Erstens eine starke Eigentümerstruktur, verstanden als langfristig orientierte, stabile Eigentümer mit spürbarer Kontrollnähe, etwa Gründerfamilien oder ein Management mit sichtbarem Eigenkapitaleinsatz. Zweitens ein wirtschaftlicher Burggraben („Economic Moat“) – also ein struktureller Vorteil wie Skaleneffekte, Markenstärke, Patente oder hohe Wechselkosten, der die Ertragskraft auch dann stützen soll, wenn Wettbewerber angreifen. Ergänzend fließen harte Fundamentalkennzahlen ein, etwa eine gesunde Bilanz, eine beständig überdurchschnittliche Eigenkapitalrendite und ein niedriger Verschuldungsgrad.
Für die Konstruktion bedeutet das: Der Fonds kombiniert Eigentümer- und Qualitätsargumente, aber übersetzt sie konsequent in eine Portfoliobildung mit engen Grenzen. Die Gleichgewichtung ist dabei bewusst gewählt, nicht dem klassischen Marktkapitalisierungsansatz folgend: Jedes Unternehmen startet bei der jeweiligen Überprüfung mit einem Ausgangsgewicht von 4 Prozent. Der Vorteil liegt auf der Hand – ein einzelner Wert, der stark steigt, soll den Fonds nicht dominieren, Gewinne werden systematisch in die verbleibenden Titel umgeschichtet. Gleichzeitig zeigt sich bei nur 25 Positionen auch der klare Nachteil: Selbst mit Gleichgewichtung trägt jede Aktie rund 4 Prozent zum Risiko- und Renditeprofil bei. In breiten Weltindizes mit hunderten oder tausenden Werten liegt ein einzelnes Unternehmen oft unter einem Prozent, dort wird Diversifikation stärker allein durch die Anzahl der Positionen erreicht. Beim Modern Value bleibt Diversifikation damit zwar vorhanden, aber spürbar begrenzt – sowohl durch die Wertzahl als auch durch die Konzentration, die sich nicht vollständig „wegdiversifizieren“ lässt.
Ein Blick auf die Vergleichsgruppe der in Deutschland verfügbaren Burggraben-ETFs macht die Einordnung leichter: Der Frankfurter Fonds liegt mit 0,54 Prozent laufenden Kosten pro Jahr knapp über dem VanEck Morningstar Global Wide Moat UCITS ETF (0,52 Prozent) sowie über einem aktiv gemanagten Xtrackers Global Growth Leaders Active UCITS ETF (0,50 Prozent) und deutlich über dem L&G Global Brands UCITS ETF (0,39 Prozent). Beim Volumen positioniert sich der ETF mit 73 Millionen Euro als zweitgrößter im Vergleich – nach dem VanEck-Pendant mit 148 Millionen Euro. Inhaltlich zeigt die aktuelle Top-3-Zusammensetzung, wie die Kriterien in der Praxis aussehen: Merck KGaA ist mit 4,35 Prozent die größte Position und bietet ein Lehrbuchbeispiel für die Eigentümerkomponente, weil rund 70 Prozent der Anteile bei der Gründerfamilie über die E. Merck KG liegen und nur etwa 30 Prozent im freien Streubesitz. Der „Moat“ wird hier über mehrere margenstarke Geschäftsfelder sowie eine lange gewachsene Forschungs- und Patentbasis plausibilisiert. Auf Platz zwei folgt Ryanair mit 4,32 Prozent; der Wettbewerbsvorteil wird vor allem aus der extrem kostenfokussierten Ausrichtung abgeleitet, inklusive einheitlicher Flotte und hoher Auslastung. Allianz liegt mit 4,25 Prozent auf Rang drei, wobei der Burggraben über die schiere Größe, die globale Diversifizierung über Versicherung und Vermögensverwaltung sowie eine kapitaldisziplinierte Führung und eine etablierte institutionelle Eigentümerbasis begründet wird.
Auch die Branchen- und Regionenverteilung liefert einen weiteren Interpretationsrahmen. Branchenbezogen zeigt sich für einen Aktienfonds eine ungewöhnlich klare Balance innerhalb der größten Segmente: Finanzwesen kommt auf 24,59 Prozent, Gesundheitswesen auf 24,06 Prozent, Technologie auf 19,97 Prozent und Industrie auf 15,94 Prozent. Diese Verteilung kann helfen, nicht wie viele stärker US-lastige ETFs von einer einzelnen Branche dominiert zu werden, wodurch branchenspezifische Rückschläge weniger „durchschlagen“ dürften. Gleichzeitig fehlen bzw. sind andere große Bereiche wie Energie, Grundstoffe, Versorger oder Immobilien aktuell kaum vertreten, sodass die Breite gegenüber einem klassischen Welt-ETF insgesamt dennoch geringer ausfällt. Regional betrachtet entfallen rund 81 Prozent auf Europa – davon 28,6 Prozentpunkte auf den deutschsprachigen Raum Deutschland, Österreich und Schweiz und 52,3 Prozentpunkte auf das übrige Europa. Nordamerika ist mit etwas mehr als 19 Prozent dabei. Für Anleger ergibt sich daraus vor allem ein Depot-Effekt: Wer bereits stark in US-Werte investiert ist, bekommt mit Europa-Schwerpunkt eine echte Ergänzung; zugleich werden die USA nicht ausgeklammert, aber sie prägen das Profil weniger stark.
Bei der Rendite zeichnet sich bisher eine deutliche Dynamik über die ersten Jahre nach Auflage ab. In allen drei vollen Kalenderjahren seit 2022 zeigt der Fonds laut Angaben eine mindestens attraktive Entwicklung: 2023 beträgt das Plus 29,64 Prozent, getragen von einer Markterholung nach dem Zinsschock des Vorjahres, von der insbesondere robuste, bilanzstarke Qualitätsunternehmen profitierten. 2024 und 2025 folgten dann 8,99 und 10,29 Prozent, also moderatere, aber weiterhin solide Ergebnisse. Das laufende Jahr wiederum ist bislang auf ein Minus von 0,42 Prozent gekommen. Als konkretes Beispiel wird auf Ryanair verwiesen: Spürbare Gewinnbelastungen durch den eskalierenden Nahost-Konflikt sollen Treibstoffkosten und die Planungssicherheit im Reisemarkt verschärft haben. Für die langfristige Tragfähigkeit der Systematik ist das trotz der bisherigen „guten ersten Jahre“ noch zu früh, weil die Historie erst rund drei Jahre umfasst. Die Risikokennzahlen liegen über ein bis drei Jahre bei rund 13 Prozent Volatilität; der maximale Verlust über drei Jahre wird mit minus 15,07 Prozent beziffert. Gerade für konzentrierte 25-Werte-Fonds sind solche Werte zwar nicht ungewöhnlich, aber sie bleiben angesichts der jungen Historie vorläufig.
Unterm Strich richtet sich der Modern-Value-Ansatz an Anleger, die bewusst weniger streuen, dafür aber gezielt auf Unternehmen mit strukturellem Wettbewerbsvorteil und langfristig orientierter Eigentümerbasis setzen wollen. Als Ergänzung zu einem typischen Depot mit US- und Technologie-Schwerpunkt kann der Europa-Fokus und die ausgewogene Branchenverteilung tatsächlich einen Diversifikationsbeitrag liefern. Gleichzeitig müssen Anleger die Trade-offs akzeptieren: höhere laufende Kosten als bei „breiteren“ ETF-Kategorien sowie die Tatsache, dass ein einzelner Titel bei nur 25 Positionen spürbar wirkt. Wer einen mittel- bis langfristigen Anlagehorizont verfolgt, versteht, dass einzelne Jahre auch von externen Ereignissen geprägt sein können, und berücksichtigt, dass die Performance bisher erst über eine kurze Historie belastbar beurteilt werden kann, findet in diesem Burggraben-ETF daher eher ein strukturiertes Qualitäts- als ein „Event“-Produkt.
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