BESANÇON / LONDON (IT BOLTWISE) – Das 68. Afrikanische Artillerieregiment der französischen Armee strukturiert seine 155-mm-Caesar-Batterien neu, um stärker gegen Drohnenaufklärung und Gegenbatteriefeuer zu bestehen. Statt wie bisher vier Geschütze pro Einheit setzt der Verband künftig auf kleinere, aus zwei Geschützen bestehende Abschnitte. Gleichzeitig entsteht eine dedizierte Unterstützungseinheit, die Feuerstellungen vorbereitet, Täuschkörper aufstellt und Munitionsnachschub koordiniert. Voraussetzung bleibt dabei die zentrale Feuerleitlogik mit dem Atlas-System, um trotz der Dispergierung konzentriert wirken zu können.

Im Raum Besançon zeigt sich, wie sich Artillerieorganisationen unter dem Eindruck von Aufklärung durch Drohnen neu ausrichten. Das 68e RAA (68. Afrikanisches Artillerieregiment) verfolgt dabei weniger den Ansatz „größer und schwerer“, sondern „kleiner, versteckter und schneller verfügbar“. Konkret reorganisiert der Verband seine Geschützverbände so, dass sie im Einsatz stärker voneinander getrennt arbeiten können und dadurch weniger Ziel für präzise Gegenbatterie-Schläge werden. Der Kern der Änderung liegt in der Umstellung der bisherigen Batterielogik: Aus größeren Einheiten mit mehr Geschützen werden kleinere Abschnitte, während die Fähigkeit zum Bündeln von Wirkung erhalten bleiben soll.
Ausgangspunkt ist die Re-Strukturierung der 155-mm-Caesar-Haubitzen auf Brigade-Ebene: Laut Kommandeur Col. Rémy Jaillet werden die Batterien des Regiments von zwei vier-Geschütz-Formationen auf drei Abschnitte mit jeweils zwei Geschützen umgestellt. Dabei bleibt die Gesamtgröße des Caesar-Fuhrparks zunächst unverändert. Diese Verteilung verändert die Art, wie Feueraufträge organisiert werden: In einer Umgebung, in der gegnerische Systeme Feuerstellungen durch wiederkehrende Beobachtungszyklen identifizieren und anschließend mit Gegenbatteriewirkung bekämpfen, kann eine größere Anzahl kleinerer, dispers verteilter Elemente die Zeitfenster verkürzen, in denen ein einzelner Aufstellungsort verwertbar wird.
Entscheidend ist, dass die Dezentralisierung nicht zu einem Verlust an Koordination führt. Das Regiment setzt dafür auf das Atlas-Feuerleitsystem, das mehrere Abschnitte zusammenbringt und die Logik hinter koordinierten Feuerwirkungen abbildet. Jaillet beschreibt den Grundgedanken dabei bewusst gegen die intuitive Erwartung: „As counter-intuitive as it may seem, splitting sections into pairs increases the availability of fires and therefore their responsiveness.“ In der gleichen Linie argumentiert er, dass kleinere, dispersere Einheiten die Überlebensfähigkeit und Robustheit in einem „degraded environment“ mit starkem Gegenbatteriecharakter verbessern. Auf dem Papier klingt das wie eine reine Organisationsfrage; praktisch hängt die Wirkung aber auch an Datenflüssen, Verbindungsstabilität und einer schnellen Umwandlung von Beobachtung in effektive Feuerbefehle.
Als Bezugspunkt nennt Jaillet die Muster, die in der Ukraine sichtbar geworden sind, nachdem anhaltende Drohnenbeobachtung Feuerstellungen verwundbarer gemacht hat. Dazu gehörten Anpassungen wie das Zerstreuen von Geschützen, das Verkürzen von Feuermissionen, das Verdecken von Positionen sowie das zeitliche und organisatorische Trennen von Munitionseinheiten von den Feuertrupps. Als analytischer Hintergrund wird in der Quelle eine Untersuchung des Royal United Services Institute zu „emergent approaches“ im Kontext von combined arms manoeuvre angeführt. Der französische Schritt ergänzt diese Erfahrung um eine stärker „systemische“ Sicht: Nicht jedes Geschütz soll seine eigene Mini-Aufklärung und Schutzlogik besitzen, sondern eine zentralere Unterstützungseinheit soll die Funktionen bündeln, die direkt mit Überleben, Täuschung und kohärenter Verbringung zusammenhängen.
Aus dieser Idee entsteht im 68e RAA eine neue Artillerieunterstützungssektion. Sie übernimmt laut Jaillet die Identifikation sämtlicher Feuerpositionen, das Aufstellen von Decoys (Täuschkörper) und das Vorpositionieren von Munition. Statt dass zwei Feuerabschnitte jeweils autonom kleine Logistik- und Erkundungsteile ausprägen, soll ein Abschnittskommandeur „dynamic artillery maneuver“ ermöglichen und damit die mit Autonomie verbundenen Limitierungen reduzieren. In der Darstellung des Regiments wird das nicht nur als Konzept beschrieben: Im Einsatzraum sollen Caesar-Geschütze vor Feueraufträgen in „opacity bubbles“ warten, also bewusst wenig signalisierende Zustände einnehmen, um Detektion zu vermeiden. Parallel richtet die Unterstützungseinheit Nachschub-Plotings für Munition ein, stellt Täuschkörper bereit und stattet Feuerstellungen mit metallischen Schutzkäfigen aus, in die die Selbstfahrlafetten rückwärts einfahren können.
Die Test- und Übergangslogik zeigt, dass die Reorganisation nicht abrupt erfolgt. Das Regiment habe das Organisationsmodell bereits im Canjuers-Militärlager in Südfrankreich erprobt und die Details erneut während des groß angelegten Manövers Orion 2026, das bis Ende April lief, nachgeschärft. Dabei ging es nicht nur um die Aufteilung der Geschützabschnitte, sondern auch um Komponenten wie die Schutzkäfige und die konkrete Auslegung der Täuschkörper. Der erste Caesar-Batterieübergang in die neue Struktur ist für das nächste Jahr geplant, während die übrigen Batterien später folgen; außerdem betont Jaillet, dass man die „dug-in“-Bedingungen aus einem Wettbewerbssetting im August in Rumänien nicht einfach als allgemeine Regel übernehmen solle.
Technisch betrachtet ordnet sich das Vorhaben in eine größere Entwicklung ein: Mit der Breitenwirkung von Drohnen verschiebt sich der Schwerpunkt der Artillerie weg von reiner Reichweite hin zu Zielerfassung und Sensor-zu-Shooter-Zyklen. Jaillet nennt als Wendepunkt bereits die Zeit vor dem Krieg in der Ukraine, als während der 2020er Auseinandersetzungen in Nagorno-Karabach integrierte Zielerfassungs- und Wirkssysteme eingesetzt wurden, bei denen Drohnen Zielinformationen über schnelle Kommunikationswege lieferten. Genau solche Synergien machen die Reaktionsfähigkeit und die kurze Überlappung zwischen Identifikation und Wirkauslösung zur kritischen Größe. Das Atlas-System ist dabei interoperabel mit brigade-level Command-and-Control-Umgebungen wie SitaWare; zugleich bleibt aus Sicht der Quelle der Bedarf, weitere Fähigkeiten zu schaffen, um Sensoren und Effektoren über das Gefechtsfeld hinweg stärker zu koppeln. Parallel entwickelt sich auch die Struktur der Liaison-, Beobachtungs- und Koordinationsdetachments: Aus einem im Kern fahrzeuggetragenen Team werden Teams, die stärker mit gepanzerten Plattformen sowie Boden-, Radar- und Drohnenfähigkeiten kombiniert arbeiten. Für die Umrüstung setzt das Regiment zudem auf bereits gemeldete Ausrüstungskomponenten, darunter Murin-Bodenüberwachungsradar und ein DT46-Aufklärungsdrohnensystem, um die neue Rolle von Täuschung, Position-Management und schneller Verknüpfung von Aufklärung mit Wirkung praktisch zu stützen.
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