LONDON (IT BOLTWISE) – Die Grippesaison zeigt in diesem Jahr einen ungewöhnlich frühen Verlauf: Laut CDC steigen die Fallzahlen bereits seit Ende August. Daten aus Abwassermessungen deuten auf Aktivitätsniveaus hin, die sonst eher erst im Dezember oder Januar erreicht werden. Zusätzlich zur Empfehlung, sich frühzeitig zu schützen, steht mit mFLUSIVA eine neue mRNA-Grippeimpfung für Erwachsene ab 50 im Raum. Entscheidend ist dabei, wie sie sich technisch von herkömmlichen Impfstoffen unterscheidet und für wen sie besonders relevant ist.

In vielen Jahren liegt der Beginn der Grippewelle im Oktober, doch diesmal zieht sie offenbar deutlich früher an. Die US-Gesundheitsbehörde CDC beschreibt, dass die frühe Influenza-Aktivität aktuell höher ist als sonst zu diesem Zeitpunkt des Jahres zu beobachten. Gleichzeitig ordnet die CDC ein: Trotz des frühen Starts befindet sich ein Großteil der USA weiterhin im Bereich „minimal“ bei den Grippefällen. Besonders auffällig ist zudem der zeitliche Versatz, denn die Kurve steigt bereits seit Ende des Sommers, nicht erst in der klassischen Übergangsphase von Spätherbst zu Winter.
Technisch lässt sich dieser Trend nicht nur über klinische Meldungen abbilden, sondern auch über Umweltüberwachung: Abwasserdaten wurden als Hinweis genutzt, dass die Influenza-Aktivität dieses Monats Werte erreicht, die normalerweise eher gegen Dezember oder Januar auftreten, also wenn die Saison traditionell ihren Höhepunkt erreicht. Das klingt zunächst nach „Früherkennung“, hat aber eine praktische Konsequenz: Wer für Personalplanung, Risikomanagement und Besuchsregeln in Pflege- und Gesundheitseinrichtungen verantwortlich ist, muss deutlich früher mit Wellen rechnen. Dazu passt auch, dass der Verlauf geografisch zunächst im Westen auffällig wurde, etwa in Kalifornien, Washington, Hawaii und Alaska.
Genau hier setzt die Diskussion über Impfstrategien an. Experten raten bei einem früheren Verlauf über eine frühere Impfung nachzudenken, aber sie warnen auch: Eine neue Saison ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem „besonders schweren“ Verlauf. Für den Moment bleibt die Lage im Rahmen der erwartbaren saisonalen Schwankungen, die CDC nennt. Parallel dazu gilt als Standardempfehlung weiterhin das Basispaket der Prävention: Abstand zu Erkrankten, konsequentes Händewaschen und eine jährliche Grippeimpfung. In diesem Jahr tritt allerdings ein neuer Impfstofftyp stärker in den Vordergrund, weil er auf der klassischen Methodik aufsetzt, aber nicht mit einem abgeschwächten oder inaktivierten Virus arbeitet.
Im August hat die US-Arzneimittelbehörde FDA die erste mRNA-Grippeimpfung für Erwachsene ab 50 zugelassen: mFLUSIVA. Der zentrale Unterschied zu herkömmlichen Grippeimpfstoffen liegt in der „Signalübermittlung“ an das Immunsystem: Während klassische Vakzinen typischerweise mit Bestandteilen bzw. (je nach Technologie) mit inaktivierten Viren oder deren Komponenten arbeiten, liefert mFLUSIVA Anweisungen über mRNA an die körpereigenen Immunzellen. Diese sollen dann selbst lernen, wie sie das Grippevirus bekämpfen. Die Technologie ist damit verwandt mit dem Ansatz, der bereits bei COVID-19-Impfstoffen eingesetzt wurde – mit dem Ziel, schneller und zielgerichteter Immunantworten aufzubauen.
Laut dem Text gibt es frühe Hinweise, dass mFLUSIVA bei der Wirksamkeit im Vergleich zu traditionellen Grippeimpfstoffen Vorteile bieten könnte. Dr. Rebecca Choudhury, Infektiologin am Mount Sinai, sagte: „There is some evidence that suggests mFlusiva may offer somewhat better protection against the flu than traditional flu vaccines“. In den Angaben wird außerdem eine messbare Differenz für die Altersgruppe der 50- bis 64-Jährigen genannt: Dort sei die Rate einer Grippeinfektion unter dem mRNA-Impfstoff um 27 % niedriger gewesen als unter traditionellen Impfstoffen. Auffälliger als diese Zahl ist allerdings die Nebenwirkungs- und Verträglichkeitsbotschaft: Schwere unerwünschte Reaktionen werden als sehr selten beschrieben, und die Häufigkeit entspreche in etwa der von Nebenwirkungen der herkömmlichen Grippeimpfung.
Für Unternehmen und Gesundheitseinrichtungen ergibt sich daraus ein zweistufiges Bild: Erstens ist die Immunisierung in dieser Saison noch früher planungsrelevant, weil der saisonale Verlauf zeitlich nach vorne rutscht. Zweitens verändert die Existenz eines mRNA-Ansatzes die Auswahlmöglichkeiten bei Risikogruppen. Die CDC betont dabei, dass grundsätzlich alle Menschen ab sechs Monaten jährlich geimpft werden sollten; die traditionellen Impfstoffe zielen in dieser Saison auf drei Viren ab, unter anderem H1N1 und H3N2 sowie Influenza B. Laut CDC-Daten liegen über 75 % der positiven Tests im letzten Monat bei H1N1, das seit 2009 als „Schweinegrippe“-Virus bekannt ist und sich als wiederkehrender Bestandteil der Saison etabliert hat. Gleichzeitig wurde der Impfstoff für H3N2 an eine Mutation angepasst, die als „subclade K“ bezeichnet wird und letztes Jahr besonders weit verbreitet war.
Auch wenn mFLUSIVA damit technisch und im Profil für bestimmte Gruppen besonders attraktiv erscheint, bleibt der praktische Zugang eine offene Frage. Der Text stellt ausdrücklich klar, dass der Impfstoff als sehr neu gilt und möglicherweise nicht in jedem Arzt- oder Apothekenumfeld verfügbar ist. Choudhury empfiehlt daher nicht „warten auf den neuen Typ“, sondern im Zweifel den klassischen Grippeimpfstoff zu nehmen, um keinen Schutzzeitraum zu verpassen. Für die nächste Planungsrunde heißt das: Hygiene- und Kontaktregeln müssen früh greifen, Impfkampagnen sollten kurzfristig überprüft werden, und Beschaffungs- wie Terminlogistik sollten die neue Impfstoffoption mRNA-versus-traditionell zumindest in der Entscheidungslogik berücksichtigen – ohne die bewährte Jahresroutine zu unterbrechen.
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