BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein neues KI-Tool namens „Future Feld“ übersetzt Nutzerideen zum Tempelhofer Feld in Bildentwürfe. Nutzerinnen und Nutzer erhalten ein Referenzfoto aus der Vogelperspektive und steuern mit drei Fragen Randbebauung, Feldmitte und Atmosphäre. Die Entwickler planen eine öffentliche Bildergalerie, später eventuell Voting und Ausstellungen im Stadtgebiet. Gleichzeitig nennt das Team Kosten und Energieaufwand pro Bildgenerierung als Grund, warum Sponsoren gesucht werden.

Wer in Berlin über das Tempelhofer Feld spricht, landet schnell bei einer Grundsatzfrage: Paradies oder Parkplatz. Genau an dieser Spannung setzt „Future Feld“ an, ein kostenloses KI-Tool, das Ideen nicht nur diskutierbar, sondern visuell erfahrbar macht. Statt dass Bürgerinnen und Bürger ihre Vorstellungen ausschließlich in Worten formulieren, erzeugt die Anwendung innerhalb kurzer Zeit Bildentwürfe auf Basis eines festen Referenzbildes. Das Projekt kommt damit zu einem Zeitpunkt, an dem der Wohnungsdruck in der Stadt erneut die Debatte über mögliche Randbebauung befeuert.
Technisch folgt das Tool einem vergleichsweise klaren Ablauf. Ausgangspunkt ist ein Luftbild des Tempelhofer Feldes aus der Vogelperspektive. Darauf wurde die Anwendung trainiert, das Bild anhand der Nutzereingaben so zu verändern, dass ein individueller Entwurf entsteht. Die Steuerung funktioniert bewusst niedrigschwellig: Nutzer stellen im Kern drei Fragen zu Randbebauung, zur Feldmitte und zur Atmosphäre. Damit wird aus einer abstrakten Planungsdiskussion eine konkrete Bildhypothese – mit dem Anspruch, dass die KI die gewählten Details so umsetzt, wie man es sich vorstellt.
Für die Wirkung ist entscheidend, wie die Entwickler das Tool in den Nutzungsprozess einbetten. Nach der Generierung fragt der Bot, ob der eigene Entwurf in eine öffentliche Bildergalerie aufgenommen werden soll. Damit entsteht potenziell eine sichtbare Sammlung verschiedener Zukunftsbilder, die sich ähnlich wie ein kreatives Feedback-Board durch die Stadt bewegen könnte. Perspektivisch nennt das Team weitere Funktionen: Ein Voting könnte spätere Favoriten herausfiltern, und bei passender Finanzierung ist auch eine Posteraktion im Stadtgebiet denkbar, um die Reaktionen vor Ort zu testen. Zudem sollen Ausstellungen mit anschließenden Diskussionen möglich sein – beispielsweise auf dem Tempelhofer Feld oder in einem politischen Kontext.
Der politische Hintergrund bleibt dabei der zentrale Kontextfaktor. Die Randbebauung des Tempelhofer Feldes ist seit Jahren ein Streitthema in der Berliner Landespolitik. Ein Volksentscheid aus dem Jahr 2014 hatte damals festgehalten, dass die komplette Freifläche erhalten bleiben soll. Gleichzeitig gerät dieses Ziel unter Druck, weil die verschärfte Lage am Berliner Wohnungsmarkt die Randbereiche wieder in den Fokus rückt. Erst im Mai wurde ein Entwurf bekannt, der am Rand des Feldes eine hohe Zahl an Wohnungen vorsieht und zugleich die große Freifläche in der Mitte erhalten lassen will.
Genau hier liegt auch der Nutzen von „Future Feld“: Es ersetzt nicht die politische Entscheidung, liefert aber einen schnelleren Weg, sich Vorstellungen gegenseitig verständlich zu machen. In der Debatte prallen dabei Positionen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Während eine Seite die Randbebauung ohne neuen Volksentscheid oder eine erneute Bürgerbefragung durchsetzen will, wird sie von anderer Seite grundsätzlich abgelehnt. Letztere hat als Alternative sogar eine Idee eingebracht, die nicht auf Bebauung, sondern auf eine Nutzung der Freifläche setzt. Mit „Future Feld“ kann man diese Optionen zumindest gedanklich gegeneinanderstellen – etwa als Bildentwurf für Bebauung am Rand, als Variante, die die Mitte stärker betont, oder als eher spielerische Nutzungsform.
Die Entwickler ordnen das Projekt jedoch ausdrücklich als Kunstprojekt ein. Ziel ist es, zu zeigen, was mit Künstlicher Intelligenz technisch möglich ist, und gleichzeitig positive Anwendungsmöglichkeiten sichtbar zu machen. Das Tool soll Kreativität ermöglichen, nicht die Realität eins zu eins nachbauen. So betont das Team auch Grenzen: Eingebaute Sicherheitsvorgaben sollen nach Angaben der Entwickler verhindern, dass Inhalte wie Nacktheit, verbotene Symbole oder gewaltverherrlichende Darstellungen generiert werden. Gleichzeitig ist klar, dass nicht jede erzeugte Ansicht als Planungsgrundlage taugt – sie funktioniert eher als Inspirations- und Kommunikationsmedium. Auch Erfahrungen aus einem ähnlichen Kunst- und Ausstellungsprojekt fließen ein, bei dem Entwürfe zu einem Vorplatz und seiner möglichen Umgestaltung gebündelt an die Stadt weitergegeben wurden.
Für Unternehmen, öffentliche Institutionen und Sponsor-Modelle steckt in „Future Feld“ zudem ein praktischer Hinweis auf den Betrieb solcher Bildsysteme. Jede Bildgenerierung koste Geld und verbrauche Energie; als Orientierung nennt der Entwickler, dass der Aufwand in etwa dem entspricht, was nötig sei, um ein Handy von null auf 100 Prozent zu laden. Damit wird nachvollziehbar, warum das Team aktuell auf Sponsoren setzt, die das Projekt unterstützen oder gemeinsam weiterentwickeln wollen. Wenn die Idee aus der Kunst in dauerhafte Beteiligungsformate übergehen soll, wird genau diese Skalierung – Kosten, Energieverbrauch und Wartbarkeit – zum entscheidenden Hebel. Unabhängig davon dürfte „Future Feld“ schon jetzt vor allem eines erreichen: Aus einer schwer greifbaren Stadtplanung wird ein Anschauungsobjekt, das Diskussionen schneller in konkrete Bilder übersetzt.
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