GÖTTINGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Repairon zeichnet Prof. Wolfram-Hubertus Zimmermann mit dem Galenus-von-Pergamon-Preis 2026 aus. Der Mitgründer und Chief Scientific Officer erhält die Auszeichnung für pharmakologische Grundlagenforschung an aus iPS-Zellen hergestelltem Herzmuskelgewebe. Im Zentrum steht BioVAT, also eine biologisch unterstützende Herztherapie gegen fortgeschrittene Herzinsuffizienz. Parallel laufen laut Unternehmen Vorbereitungen für eine multinational zulassungsrelevante klinische Studie.

Für die Kardiologie ist es vor allem ein Signal, dass regenerative Ansätze inzwischen nicht nur im Labor funktionieren sollen, sondern auch in Richtung klinischer Wirksamkeit gedacht werden. Repairon meldet, dass Prof. Dr. Wolfram-Hubertus Zimmermann, Mitgründer und Chief Scientific Officer des Unternehmens, den Galenus-von-Pergamon-Preis 2026 für „herausragende pharmakologische Grundlagenforschung“ erhält. Konkret bezieht sich die Ehrung auf seine Arbeit an aus induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) hergestelltem Herzmuskelgewebe, das bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz eingesetzt werden soll.
Technisch betrachtet geht es bei solchen Therapien um eine anspruchsvolle Kette aus Zelldesign, Reifung und Funktionstest: iPS-Zellen müssen so geführt werden, dass am Ende tatsächlich herzmuskelähnliche Eigenschaften dominieren – einschließlich geeigneter elektrischer und mechanischer Aktivität. Genau hier setzt das Projekt an, das Repairon unter dem Begriff BioVAT (Biologic Ventricular Assist Therapy) zusammenfasst: Das „Herzpflaster“ genannte künstlich hergestellte Herzmuskelgewebe soll das geschädigte Herzgewebe remuskularisieren und damit den Gesundheitszustand sowie die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz verbessern. Dass dabei nicht nur regenerative Biologie, sondern auch pharmakologische Grundlagen relevant sind, deutet darauf hin, dass man die Therapie nicht als reines „Zellpflaster“ versteht, sondern als biologisch-therapeutische Systemlösung.
Die Einordnung in den klinischen Kontext ist für Unternehmen besonders wichtig, weil regenerative Herztherapien typischerweise an mehreren Engpässen gleichzeitig scheitern können: an der Reproduzierbarkeit der Zellchargen, an der Steuerbarkeit der Differenzierung, an der Haltbarkeit bis zum Einsatz am Patienten und schließlich an der klinisch messbaren Verbesserung gegenüber dem Standard der Versorgung. Repairon schreibt, dass Prof. Zimmermann und sein Team seit mehr als einem Jahrzehnt eng mit dem Unternehmen zusammenarbeiten – von der Technologieentwicklung bis zu laufenden klinischen Studien. Als führender therapeutischer Kandidat wird das künstlich hergestellte Herzmuskelgewebe im Rahmen einer Phase-2-Studie mit dem Namen „BioVAT-HF-DZHK20“ als biologisches Herzunterstützungsgewebe bei Herzinsuffizienz im Endstadium untersucht.
Auch die Marktlogik ist klar: Ein solcher Preis adressiert nicht nur wissenschaftliche Reputation, sondern erhöht die Sichtbarkeit in einem Feld, in dem die Abgrenzung zwischen „wissenschaftlich plausibel“ und „regulatorisch und klinisch robust“ häufig der entscheidende Schritt ist. Laut Unternehmensangaben mündeten jahrelange Laborforschung unter der Leitung von Zimmermann in klinische Studien, die zeigen sollen, dass eine Remuskularisierung des geschädigten Herzens erreichbar ist. Der CEO des Unternehmens betont zudem den nächsten Meilenstein: die Fortsetzung im Rahmen einer multinationalen, zulassungsrelevanten klinischen Studie, mit dem Ziel, die Therapie langfristig einem breiteren Patientenkreis zugänglich zu machen. Für Entscheider in der Industrie ist das deshalb relevant, weil solche Projekte den Übergang von universitärem Tissue Engineering hin zu standardisierbaren Produkt- und Prozessanforderungen markieren.
Historisch betrachtet sind Herztherapien mit Gewebeersatz und zellbasierten Ansätzen immer wieder an zwei Kernfragen hängen geblieben: Erstens, ob das transplantierte Material dauerhaft integriert und funktional bleibt; zweitens, wie stark der Nutzen gegenüber etablierten Behandlungsstrategien tatsächlich ausfällt. Die iPS-basierte Herstellung zielt darauf, Material wiederholbar zu generieren und dabei die Biologie so zu steuern, dass das resultierende Gewebe weniger „wild“ als vielmehr definierter ist. Dass Zimmermann seit 2008 Professor für Pharmakologie ist und als Direktor des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie an der Universitätsmedizin Göttingen wirkt, legt zudem nahe, dass die Arbeit nicht nur auf Effektivität, sondern auch auf pharmakologisch relevante Aspekte wie Wirkmechanismen und Sicherheitslogik fokussiert – zumindest soweit es die Grundlagenforschung hergeben kann.
Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, wie gut sich BioVAT in der Praxis skalieren lässt. Reproduzierbare Zelltherapie braucht starke Qualitätskontrollen entlang der gesamten Pipeline, von der Herstellung über Charakterisierung bis zur Anwendung. In der Mitteilung nennt Repairon außerdem, dass Zimmermann und sein Team über zahlreiche Publikationen und Patente verfügen, was in vielen Entwicklungsprogrammen ein Indikator dafür ist, dass Methoden bereits über Jahre iteriert wurden. Ebenso wichtig wird sein, wie die kommenden Studien die therapeutische Wirkung, die funktionelle Integration und mögliche Nebenwirkungen im klinischen Alltag abbilden. Für Patientinnen und Patienten und für die Branche verschiebt sich damit der Blick von der reinen Machbarkeit hin zu der Frage, ob sich regenerative Herztherapien zuverlässig als behandlungsfähige Option etablieren lassen.
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