LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage unter 112 Marktteilnehmern zeigt, wie stark Banken und Investoren die operative Arbeit in der Immobilienwirtschaft beeinflussen. Rund 40 Prozent bewerten den Einfluss von Bankenanforderungen als stark bis sehr stark, bei Investoren sind es 39 Prozent. Besonders bei der Datenerfassung dominiert noch der manuelle Aufwand, während digitale Systeme deutlich seltener eingesetzt werden. Gleichzeitig rückt Data Lineage in den Fokus, weil Herkunft und Verarbeitung risikorelevanter Daten nachvollziehbar sein sollen.

Gebäudedaten sind in der Immobilienwirtschaft längst nicht mehr nur ein internes Steuerthema für Instandhaltung, Betriebskosten oder ESG-Reporting. Eine aktuelle Umfrage, durchgeführt von Apleona, dem ZIA und Coalition-X unter 112 Marktteilnehmern, macht vor allem die externe Perspektive deutlich: Die Anforderungen von Banken und Investoren wirken unmittelbar auf die operativen Prozesse in den Unternehmen. Rund 40 Prozent der Befragten schätzen den Einfluss der Datenanforderungen von Banken auf ihren Betrieb als stark bis sehr stark ein; für Investoren liegt dieser Wert bei 39 Prozent. Damit sind Finanzpartner aktuell die Treiber, die die Datenarbeit am schnellsten in Richtung „regelmäßiger Produktivbetrieb“ bewegen.
Technisch sichtbar wird dieser Druck vor allem an der Frage, wie Daten entstehen und in welcher Form sie weitergegeben werden können. Die Erhebung von ESG- und Gebäudedaten erfolgt laut Befragung überwiegend manuell: Etwa 54 Prozent nutzen diese Methode als primäre Vorgehensweise. Etwas mehr als 40 Prozent der Daten kommen über Property Manager, rund 33 Prozent stammen von Facility Managern. Zwar sind CAFM-, Energiemanagement- oder Smart-Metering-Systeme vorhanden, aber sie werden jeweils nur von knapp 30 Prozent eingesetzt. Spezifische ESG-Softwareplattformen werden von gut einem Fünftel verwendet. In Summe entsteht damit ein typischer Medienbruch: Daten wandern aus unterschiedlichen Quellen, werden in heterogenen Formaten konsolidiert und müssen dann für externe Fragestellungen „übersetzt“ werden.
Vergleicht man die Gewichtung, wird ein zweiter Aspekt klar: Regulatorische Vorgaben spielen zwar weiterhin eine Rolle, werden aber von einem kleineren Teil der Befragten als operativ besonders belastend wahrgenommen. Für die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach CSRD/ESRS sehen etwa 24 Prozent den Einfluss als stark bis sehr stark, bei der EU-Taxonomie liegt der Wert bei rund 22 Prozent. Für die Offenlegungsverordnung SFDR bewerten etwa 18 Prozent den Einfluss entsprechend hoch. Entscheidend ist aber weniger der Rang allein, sondern die Konsequenz: Wenn Banken- und Investorenanforderungen das größte operative Gewicht haben, müssen Datenprozesse auch dort anschlussfähig sein, wo Standards und Definitionen nicht deckungsgleich sind. Genau hier berichten die Teilnehmer von konkreten Problemen: Uneinheitliche Datenanforderungen gelten für 70 Prozent als größtes Problem. Zusätzlich nennt jeder zweite Befragte unklare Definitionen und Bezugsgrößen von KPIs als erhebliche Hürde. Fehlende Daten auf Gebäudeebene sowie manuelle und fehleranfällige Übertragungsprozesse werden jeweils von rund 41 Prozent als hinderlich beschrieben.
Im Kern geht es dabei nicht nur um „mehr Daten“, sondern um Datenqualität und Datenfitness für Folgeprozesse. Der CEO der Apleona Group, Dr. Jochen Keysberg, beschreibt die Lage so, dass sich die Branche lange Zeit mit heterogenen Datenbeständen und manuellen Workflows arrangiert habe, die künftig jedoch zunehmend ineffizient werden. Seine zentrale Schlussfolgerung lautet: Digitalisierung und Automatisierung – insbesondere mit KI – setzen verlässlich definierte, einheitlich nutzbare Daten voraus. Diese Sicht passt zur technischen Realität: KI-Anwendungen und automatisierte Auswertungen profitieren nicht von einzelnen Kennzahlen in beliebigen Formaten, sondern von stabilen Datenmodellen, klaren Semantiken und überprüfbaren Quellen. Ohne solche Grundlagen bleibt KI oft auf „Assistenzfunktionen“ beschränkt, während die eigentliche Wertschöpfung in der Datenaufbereitung und Validierung steckt.
Ein weiterer Hebel entsteht durch das Thema Data Lineage, also die nachvollziehbare Herkunft und Verarbeitung risikorelevanter Daten. Knapp die Hälfte der Befragten ist sich demnach bewusst, dass Banken und Aufsichtsbehörden zunehmend Nachvollziehbarkeit verlangen, und bereitet sich aktiv darauf vor. Weitere 30 Prozent kennen die Anforderungen, haben aber noch keine konkreten Maßnahmen ergriffen. Operational bedeutet Data Lineage in der Praxis: Man muss dokumentieren, woher Daten stammen, wie sie verarbeitet, bereinigt oder transformiert wurden und welche KPIs aus welchen Rohwerten abgeleitet wurden. Genau diese Nachvollziehbarkeit macht Daten für Prüfungen, Kreditentscheidungen und Risikoanalysen belastbarer. Gleichzeitig verschiebt sich dadurch die Verantwortung über den gesamten Datenlebenszyklus – vom Erheben über das Mapping bis hin zur Archivierung der verwendeten Werte.
Dass die Branche hier nicht bei Dokumentationspflichten stehen bleibt, zeigt der Blick auf Standardisierung und Vertrauensmechanismen. Auf europäischer Ebene wird laut Quelle an der Standardisierung von Gebäudedaten gearbeitet, unter anderem über die Förderung eines digitalen Gebäudelogbuchs. Parallel testet Coalition-X eine vertrauenswürdige, maschinenlesbare Datensignierung zur Bestätigung der Authentizität. Der ZIA fungiert als Schirmherr, Apleona zählt zu den Pilotpartnern, die die Echtheitssignierung von ESG-Gebäudedaten im operativen Betrieb erproben. Jochen Schenk, Vizepräsident des ZIA, betont dabei die Notwendigkeit klarer Definitionen und verlässlicher Echtheitszertifikate zwischen den Beteiligten. Daten sollen dort erfasst und gesiegelt werden, wo sie entstehen, um anschließend gesichert weitergegeben und genutzt werden zu können. In der Konsequenz entstehen nicht nur bessere Berichte, sondern auch bessere Eingabedaten für automatisierte Prozesse und KI-Anwendungen, die wiederum zur Qualitätsverbesserung beitragen können – etwa durch die frühzeitige Erkennung und Korrektur von Fehlern.
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