LONDON (IT BOLTWISE) – Gemini modernisiert seinen institutionellen Verwahrungsdienst und stellt die Custody-Infrastruktur auf Multi-Party Computation (MPC) um. Auszahlungen sollen damit typischerweise nur noch wenige Minuten dauern statt tagesnaher Verarbeitungsfenster. Zusätzlich bestätigt der Dienst Freigaben künftig mit Passkeys statt klassischen Passwörtern. Welche Blockchains und Signaturschemata unterstützt werden, wird mit der Migration Schritt für Schritt erweitert.

Gemini hat seine institutionelle Custody-Plattform am 8. Oktober 2026 umfassend modernisiert und damit genau die zwei Engpässe adressiert, die in der Praxis bei Krypto-Auszahlungen immer wieder auftauchen: Schlüsselrisiken und Durchsatz. Der Wechsel weg von einem festen Cold-Storage-Takt hin zu einer Multi-Party Computation (MPC)-basierten Signaturlogik zielt vor allem auf schnellere Freigaben. Gleichzeitig ordnet Gemini die Sicherheitsarchitektur so, dass private Schlüssel nicht an einer einzigen Stelle „zusammenlaufen“ können. Für Institute ist das vor allem deshalb relevant, weil Verwahrungssysteme bei steigender Aktivität zwar immer mehr Transaktionen abwickeln müssen, aber gleichzeitig keine größeren Angriffsflächen eröffnen dürfen.
Technisch betrachtet ist MPC der Kern des Upgrades. Dabei werden Anteile privater Schlüssel auf mehrere voneinander getrennte Parteien verteilt. Die Transaktionssignaturen entstehen dann gemeinschaftlich, ohne dass jemals ein vollständiger privater Schlüssel an einem einzelnen Ort zusammengesetzt wird. Diese Trennung ist mehr als ein abstraktes Sicherheitsversprechen: Sie verändert das Bedrohungsmodell gegenüber klassischen Setups, bei denen ein einzelner kompromittierter Speicher- oder Operatorpunkt den vollständigen Zugriff ermöglichen kann. Gemini betont außerdem, dass der vollständige private Schlüssel zu keinem Zeitpunkt im Gesamten zusammengeführt wird. Für die betriebliche Umsetzung bedeutet das, dass die Signaturerzeugung stärker orchestriert und auf mehrere Beteiligte aufgeteilt werden muss – was im Gegenzug typischerweise auch die Latenz- und Laufzeitprofile der Auszahlungsprozesse beeinflusst.
Die Auswirkungen lassen sich in der Meldung sehr konkret festmachen: Laut Gemini dauern Auszahlungen unter der neuen Infrastruktur typischerweise nur noch wenige Minuten. Bislang seien institutionelle Nutzer teilweise auf tägliche Verarbeitungsläufe angewiesen gewesen, um Transaktionen abzuwickeln. Das ist ein deutlicher Schritt in Richtung „Near-Real-Time“-Betrieb, bei dem es nicht reicht, nur kryptografisch korrekt zu sein. Entscheidend ist auch, dass Freigabe-Workflows intern so gestaltet werden, dass die Kette aus Initiierung, Validierung und Autorisierung nicht durch manuelle Abstimmungen ausgebremst wird. Genau hier setzt Gemini zusätzlich an: Mit Passkeys sollen Kunden künftig sowohl Auszahlungen als auch Änderungen im Adressbuch mit eigenen Passkeys bestätigen. So wird die Freigabe näher an biometrische oder hardwaregestützte Sicherheitsmechanismen der Endgeräte gekoppelt, statt auf klassische Passwörter zu vertrauen.
Historisch gesehen ist dieser Schritt konsequent, weil Passwort-gestützte Logins in vielen Sicherheitskonzepten seit Jahren als schwächstes Glied gelten. Viele Organisationen haben zwar Zugriffsrechte, Rollen und Sperrprozesse feinjustiert, aber trotzdem hängt der Erfolg im Alltag oft an der Qualität des Benutzer-Authentifizierungsfaktors. Passkeys lösen dieses Problem nicht „magisch“, sondern verlagern den Schwerpunkt auf kryptografische, gerätegebundene oder zumindest phishing-resistentere Bestätigungsmuster. In der Gemini-Umgebung bedeutet das: Der Autorisierungsprozess soll weniger vom Passwort-Management und mehr von einem stabilen Passkey-Workflow abhängen. Für Unternehmen ist zudem relevant, dass sich dadurch die Bedienung im Tagesgeschäft verändert – Passkey-Setups müssen geplant und auf unterschiedlichen Nutzerrollen sowie Endgeräten konsistent ausgerollt werden.
Auch organisatorisch bleibt Gemini auf Kontinuität bedacht. Trotz der veränderten technischen Architektur sollen die regulatorischen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Verwahrung unverändert bestehen. Soweit Gemini es darstellt, verbleiben sämtliche Vermögenswerte weiterhin bei der Gemini Trust Company, LLC. Daneben will der Anbieter die Bestände institutioneller Kunden weiterhin On-Chain getrennt voneinander verwahren, um eine klare Zuordnung sicherzustellen. Genau diese Kombination aus neuer Kryptografieschicht (MPC) und unverändertem Verwahrungsrahmen ist für viele Institute der „real-world“-Taktgeber: Neue Technik muss in bestehende interne Kontrollen, Abstimmungsprozesse und Prüfpfade passen, statt sie komplett neu zu erfinden. Für die Migration gilt zudem: Neukunden starten ab sofort direkt auf der neuen Architektur, bestehende Kunden werden schrittweise umgestellt.
Mit der Umstellung auf MPC bleibt es aber nicht bei einer reinen Sicherheits- und Geschwindigkeitsoptimierung. Gemini erweitert laut Ankündigung auch die funktionale Abdeckung und integriert die Unterstützung für mehrere zusätzliche Blockchain-Netzwerke. Unter anderem sollen Tron, SUI, MON, Hype, Arbitrum und XRPL hinzukommen. Dazu kommt die modernisierte Plattform für neue Signaturschemata, wodurch institutionellen Nutzern eine breitere Palette an Krypto-Assets innerhalb der regulierten Verwahrungsumgebung zur Verfügung stehen soll. Das ist marktrelevant, weil Custody-Anbieter zunehmend nicht nur „klassische“ Assets verwahren, sondern Workflows für viele Netzwerke anbieten müssen – besonders, wenn Auszahlungen in unterschiedlichen Taktungen erfolgen und Signaturen je Kette unterschiedliche Anforderungen an Parameter, Validierung und Setup mitbringen. Wer heute MPC einführt, entscheidet damit auch mit, wie schnell der nächste Netzwerk- oder Signatur-Updatezyklus in der Pipeline anlaufen kann.
Für die Branche setzt die Kombination aus MPC und Passkeys ein Signal: Sicherheit wird zunehmend nicht nur als „starker Tresor“ verstanden, sondern als Ende-zu-Ende-Design entlang der gesamten Prozesskette. MPC reduziert die Gefahr, dass ein einzelner Schlüsselpunkt kompromittiert wird, während Passkeys die Authentifizierung im Freigabeschritt robuster gegen typische Angriffe machen sollen. Gleichzeitig ist Geschwindigkeit nicht automatisch garantiert, wenn die Kryptografie schneller wird – sie hängt auch von Produktdesign, Freigabe-UX, internen Rollenmodellen und der tatsächlichen Betriebsführung ab. Interessant ist deshalb, wie Gemini die Umstellung für Bestandskunden operationalisiert und wie sich das in der Praxis auf die Durchlaufzeiten auswirkt, sobald neben Neukunden auch der Migrationsteil der bestehenden Institute durchgehend die neue Signatur- und Autorisierungslogik nutzt.
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