HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Der IT-Dienstleister GFT Technologies SE meldet für das zweite Quartal spürbare Fortschritte bei Umsatzwachstum und Profitabilität. Das Management verweist auf Effizienzgewinne bei Personalkosten, außerdem sinken Abschreibungen durch niedrigere Mietaufwände. Gleichzeitig steigt der Auftragsbestand deutlich und sorgt für mehr Sichtbarkeit in Richtung zweites Halbjahr. Für 2026 bleibt die Unternehmensplanung im Kern bestätigt, während auch Wettbewerber-Fortschritte auf wieder öffnende Bank-IT-Budgets hindeuten.

GFT Technologies: Q2 treibt Wachstum und Margen, Auftragsbestand steigt deutlich
GFT Technologies: Q2 treibt Wachstum und Margen, Auftragsbestand steigt deutlich (Foto: IT BOLTWISE)
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GFT Technologies SE liefert im zweiten Quartal ein Zahlenbild, das eher nach „Wiederbeschleunigung“ als nach müdem Erholungskurs aussieht. Die Erlöse steigen gegenüber dem Vorjahr um 6,1 % auf 233 Mio. EUR. Besonders relevant ist dabei die Dynamik: Im ersten Quartal lag das Plus nur bei 3,4 % yoy. Wer GFTs Positionierung im Umfeld digitaler Kernsysteme für Banken kennt, erkennt darin ein Muster – denn mehr Tempo in den Umsatzzeilen korreliert üblicherweise mit laufenden Modernisierungs- und Plattformprojekten statt mit reiner Nachfrage-Stückelung.

Operativ setzt das Unternehmen auf eine Mischung aus Wachstum und kontrollierter Kostenentwicklung. Der bereinigte EBIT steigt um 9,9 % auf 16,5 Mio. EUR, die entsprechende Marge liegt bei 7,1 % und damit 0,2 Prozentpunkte über dem Vorjahresniveau. Nach der Aufschlüsselung fällt die Marzdrehung vor allem in das Zusammenspiel aus Personal-Effizienz und abnehmenden Abschreibungen: Personalkosten steigen nur um 3,9 % yoy, während das FTE-Wachstum bei 3 % yoy liegt. Die Auslastung bewegt sich mit 92,8 % erneut auf hohem Niveau (im Vergleich: 92,3 % im Quartal zuvor). Daneben sinken Abschreibungen und zwar um 8 % yoy – laut Bericht unter anderem wegen geringerer Aufwendungen für Büroräume.

Die geografische Aufteilung zeigt, dass das Wachstum nicht nur aus einem „Heimatmarkt“-Impuls kommt. In den USA und im asiatisch-pazifischen Raum wächst der Umsatz zusammen um 16 % yoy auf 123 Mio. EUR. Treiber sind dort sehr dynamische Aktivitäten in Brasilien und Kolumbien. Europa bleibt dagegen mit 110 Mio. EUR zunächst unter Vorjahresniveau (-3 % yoy). Interessant ist aber, wie das Unternehmen die Lage interpretiert: Spanien und die Schweiz halten eine starke Entwicklung, während Deutschland wegen anhaltender Vorsicht bremst und der britische Markt mit einem schwächeren Vergleichsrahmen erst ab dem zweiten Halbjahr wieder in Fahrt kommen soll – mit dem Hinweis, dass die Talsohle bereits im ersten Halbjahr durchschritten sei und im dritten Quartal eine Rückkehr zu Wachstum erwartet wird.

Für die Mittelfrist-Sichtbarkeit spielt der Auftragsbestand eine zentrale Rolle. Er steigt um 18 % yoy auf 484 Mio. EUR, nachdem das erste Quartal bereits +11 % yoy gebracht hatte. Der Bericht führt den Schritt vor allem auf mehrjährige SAP-Verträge sowie auf sechs neue Projekte im Bereich „Next-gen core banking“ zurück. Genau diese Projektklasse ist für IT-Dienstleister strategisch wichtig, weil sie typischerweise nicht mit einem kurzen Implementierungsfenster erledigt ist, sondern Architekturentscheidungen, Integrationsarbeit und anschließende Betriebs- oder Weiterentwicklungsphasen umfasst. Zusätzlich hebt das Management den Stimmungsumschwung bei Kunden hervor: Die Zurückhaltung gegenüber IT-Services nimmt ab, insbesondere bei Angeboten mit höherem Wertschöpfungsanteil wie Modernisierungsvorhaben – und damit liegen die Kernkompetenzen von GFT dort, wo Banken am ehesten bereit sind, Budgets von reinen Betriebsausgaben auf zukunftsfähige Transformationen umzuschichten.

Auch die Unternehmensplanung bleibt im Kern auf Kurs. Für das Geschäftsjahr 2026 bestätigt GFT die Guidance mit rund 930 Mio. EUR Umsatz und etwa 71 Mio. EUR bereinigtem EBIT. Die daraus abgeleitete Logik ist dabei klar: Für das zweite Halbjahr würde das Unternehmen ein Umsatzwachstum von ungefähr 4,6 % yoy erwarten, während die bereinigte EBIT-Marge bei 8,2 % liegen soll – leicht unter dem Vorjahr (um -0,1 Prozentpunkte). Entscheidend ist jedoch weniger das „ambitioniert oder nicht“ als die Einordnung, dass das Unternehmen eine weitere Wachstumsbeschleunigung im dritten Quartal sowie eine günstige Wechselkursentwicklung erwartet. Damit ergibt sich aus Sicht der Analysten eine Momentum-Story, die die bestätigte Planung nicht nur nachzeichnet, sondern zumindest wahrscheinlich macht.

Der Blick auf die Peers liefert zudem Marktsignale: In der Branche werden für Finanz-IT-Vertikale wieder positive Fortschritte sichtbar. So erhöht ein Wettbewerber seine Zielspanne für organisches Wachstum für das Gesamtjahr nach einem starken zweiten Quartal; bei einem anderen Konzern wird die Umsatzprognose im Bereich Finanzdienstleistungen angehoben. Beide Beobachtungen werden im Bericht als Indiz gelesen, dass Bank-IT-Budgets wieder offener werden – und das passt zu dem, was GFT aus der Kundenstimmung ableitet. Für Unternehmen, die Banking-Services einkaufen, heißt das: Projekte rund um Modernisierung, Plattformmigrationen und „high value“-Services bekommen einen neuen Priorisierungsrahmen, während reine Taktikprogramme weniger im Fokus stehen.

Unterm Strich beschreibt die Meldung ein operatives „Inflection“-Bild, das sich aus mehreren Bausteinen zusammensetzt: beschleunigtes Wachstum, eine breitere Marge und ein Auftragsbestand, der mehr Planungsraum schafft. Der Hinweis auf den „UK-Reset“ und auf eine Nachfrage, die von KI-gestützter Modernisierung getrieben bleibt, ist dabei weniger Marketing als eine Argumentationskette für den zweiten Halbjahresverlauf. Für GFT bedeutet das vor allem, dass die nächsten Quartale nicht nur beweisen müssen, dass die Auslastung stabil bleibt, sondern auch, dass die Projektpipeline in Richtung H2 und darüber hinaus die Marge stützt. Für den Markt wiederum ist die zentrale Frage, ob sich die Budgetöffnung in den Finanzdienstleistungen verstetigt und ob die Kombination aus SAP-Mehrjahresverträgen und Next-gen Core-Banking-Programmen zu einer dauerhaften Ergebnisqualität führt.

In diesem Kontext wirkt die Bewertungskonstellation aus dem Bericht wie eine Konsequenz aus dem Zahlenwerk: Die Einstufung bleibt auf „BUY“, das Kursziel liegt bei 32 EUR, abgeleitet aus einem DCF-Ansatz, nachdem es nur zu einer geringfügigen Anpassung bei den Annahmen gekommen ist. Entscheidend für Leser jenseits der Aktie ist dabei die technische Aussage hinter den Kennzahlen: Wenn Personalaufwand langsamer wächst als Umsatz und gleichzeitig D&A sinkt, entsteht Spielraum für bereinigte Profitabilität. Der Auftragsbestand liefert dann das Fundament, damit dieser Spielraum nicht nur aus kurzfristigen Buchungseffekten resultiert, sondern auch in den Folgequartalen mit Projektumsätzen unterlegt werden kann.


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