DEUTSCHLAND / LONDON (IT BOLTWISE) – GMX und web.de schalten Passkeys als neue Login-Option frei und ermöglichen damit den Einstieg ins Postfach ohne Passworteingabe. Statt einer Zeichenfolge zu tippen reichen Fingerabdruck, Gesichtsscan oder die PIN des Geräts. Beim nächsten Login ist zusätzlich nur die E-Mail-Adresse erforderlich, danach erfolgt die Verifikation direkt auf dem Endgerät. Für Sicherheitsverantwortliche reduziert das vor allem die Angriffsfläche, die klassische Phishing-Seiten ausnutzen.

GMX und web.de erweitern ihre Kontozugänge um eine passwortfreie Variante: Mit Passkeys sollen Nutzer künftig ohne Passwort in ihr E-Mail-Postfach gelangen können. Aktivieren lässt sich die Funktion kostenlos in den Kontoeinstellungen unter „Login & Sicherheit“. Beim nächsten Anmelden wird dann zwar weiterhin die E-Mail-Adresse abgefragt, die eigentliche Authentisierung erfolgt aber über einen digitalen Schlüssel, der auf dem Gerät des Nutzers gespeichert ist – etwa per Fingerabdruck, Gesichtsscan oder über die PIN des Geräts.
Technisch steckt hinter der Neuerung ein Schlüsselkonzept, das die klassische Logik „Passwort eingeben, danach verifizieren“ ersetzt. Ein Passkey besteht aus zwei Teilen: Ein öffentlicher Schlüssel liegt beim jeweiligen Dienst, der private Schlüssel bleibt auf dem Nutzergerät. Nur die Kombination aus beiden ermöglicht den Zugang. Genau diese Trennung macht das Verfahren für den praktischen Einsatz interessant, weil es sich in bestehende Identitätsworkflows einfügt, ohne dass der Nutzer ein komplexes Geheimnis selbst eingeben oder merken muss. Je nach Umsetzung wird der Passkey auf dem Smartphone oder Tablet abgelegt, zusätzlich ist eine Speicherung im Browser oder in einem Passwortmanager möglich.
Der zentrale Sicherheitsgewinn adressiert die Schwachstelle, die bei Phishing-Angriffen seit Jahren wiederholt ausgenutzt wird: gefälschte Login-Seiten. Laut Beschreibung sollen Passkeys an die echte Webseite des jeweiligen Dienstes gebunden sein. Das bedeutet in der Praxis: Wenn Angreifer eine täuschend echte Maske bereitstellen, kann der Passkey auf diesen Seiten nicht einfach „mitgenommen“ und erfolgreich genutzt werden. Stattdessen läuft die Authentisierung ins Leere, weil der digitale Schlüssel nur dort verifiziert werden kann, wo er korrekt zugeordnet ist. Daneben sinkt die Wahrscheinlichkeit für Nutzerfehler, etwa weil das Passwort nicht mehr händisch eingegeben werden muss und damit auch weniger Angriffsflächen für Copy-&-Paste-Abgriffe oder nachgelagerte Eingabe-Fakes entstehen.
Für den Betrieb im Alltag ist zudem wichtig, wie der Zugriff bei Verlust oder Gerätewechsel geregelt wird. Wenn der Passkey in der Cloud gesichert ist, lässt er sich laut Anbieterbeschreibung auf einem neuen Gerät wiederherstellen. Geht ein Smartphone verloren oder wird es gestohlen, können Nutzer in den Kontoeinstellungen Passkeys löschen und anschließend neu anlegen. Auf diese Weise wird das Sicherheitsmodell nicht nur „einmal umgestellt“, sondern bleibt administrierbar, ohne dass der Nutzer auf eine einzige Authentisierungsschicht festgenagelt ist. Interessant ist auch die Übergangslogik: Wer den Passkey nutzt, behält das bisherige Passwort weiterhin als zweiten Zugang, beispielsweise falls das Mobilgerät gerade nicht griffbereit ist.
Historisch ist der Weg zu passwortlosen Verfahren in der Identitätslandschaft deutlich länger als viele Nutzer wahrnehmen. Während Passwörter noch immer verbreitet sind, haben sich über die Jahre mehrere Mechanismen herausgebildet, die den Benutzer entlasten sollen – von Einmalpasswörtern bis zu Hardware-gestützten Authentisierungen. Passkeys knüpfen an diese Entwicklung an, weil sie die Interaktion stärker an kryptografische Prüfungen auf dem Endgerät koppeln und gleichzeitig das „Geheimnis in der Eingabe“ vermeiden. In der Unternehmenspraxis spielt außerdem die Frage eine Rolle, wie solche Verfahren skalieren: Wenn viele Accounts verwaltet werden müssen, gewinnt die einheitliche Verifikation über Endgeräte-Identitäten, weil sie Login-Vorgänge konsistenter macht und das Passwortmanagement reduziert.
Marktseitig bewegt sich damit erneut ein größerer Provider in Richtung moderner Authentifizierung. Passkeys werden dadurch für Nutzer in einem Alltagsszenario wahrscheinlicher: E-Mail ist für Angreifer oft ein Schlüsselziel, weil kompromittierte Postfächer den Zugang zu weiteren Diensten ermöglichen. Sobald die primäre Eintrittstür weniger anfällig für den „Erfolgshebel“ Phishing ist, verschiebt sich der Aufwand für Angriffe – nicht nur weil gefälschte Seiten weniger nützen, sondern weil die Angreifer dann auf andere Schwachstellen ausweichen müssen, etwa auf Session-Diebstahl oder auf Kompromittierung der Endgeräte selbst. Für Sicherheitsverantwortliche entsteht hier ein klarer Hebel: weniger Nutzer-Opfer, weniger Weiterleitungseffekte, zugleich aber weiterhin die Notwendigkeit, Endgeräte-Hygiene und Kontowiederherstellung sauber zu betreiben.
Für die Einführung im Unternehmen lässt sich daraus ein pragmatisches Fazit ableiten: Passkeys sind kein „Sicherheitsversprechen durch Magie“, sondern sie wirken dort besonders gut, wo der Angriffsweg über gefälschte Logins führt. GMX und web.de liefern dafür eine konkrete Nutzerführung über Kontoeinstellungen und einen mehrstufigen Ablauf aus E-Mail-Adresse plus Gerätesignatur. Gleichzeitig bleibt es entscheidend, dass Prozesse für Geräteverlust, Wiederherstellung und Rollenwechsel klar definiert sind – genau wie das bei jeder anderen Form starker Authentisierung der Fall ist. Wer Passkeys nutzt, reduziert die klassische Passwort-Eingabefehlerquelle, stärkt die Resistenz gegen Phishing und gewinnt Zeit in der Support-Schleife, weil „vergessenes Passwort“ und „abgeschöpftes Passwort“ als Fehlerbilder tendenziell seltener werden.
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