LONDON (IT BOLTWISE) – Google bringt Ads in seinen KI-gestützten Search-Erlebnissen in internationale Märkte. Die Initiative soll Erlöse aus dem Werbegeschäft stärken, während das Wachstum im Kerngeschäft Search Advertising im Tempo nachlässt. Auf der Ergebnisrunde meldete Alphabet 127,6 Milliarden US-Dollar Umsatz, doch die Aktie reagierte mit einem Kursrückgang. Google will dabei Formate in KI Mode, Multi-Turn Ads und zusätzliche Werbeplatzierungen in den USA ausrollen und geht von frühen positiven Nutzer- und Klickdaten aus.

Google setzt im Werbegeschäft auf eine doppelte Strategie: einerseits bringt der Konzern KI-Funktionen im Search kontinuierlich näher an die Nutzer, andererseits versucht er, diese KI-gestützten Sucherlebnisse messbar monetarisierbar zu machen. Der Schritt wirkt wie eine Reaktion auf eine klar sichtbare Bremse im Kerngeschäft: Während Künstliche Intelligenz (KI) im Search inzwischen stärker präsent ist, verlangsamt sich das Wachstum der klassischen Search-Werbung. Bei der Veröffentlichung der Zahlen lag der Gesamtumsatz von Alphabet im dritten Quartal bei 127,6 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 25% im Jahresvergleich. Doch die Details zeigen den Druck: Search-Werbeeinnahmen stiegen zwar, aber langsamer als zuvor.
Im dritten Quartal wuchs die Search-Werbung um 12% gegenüber dem Vorjahr, zuvor waren es 17% im zweiten Quartal und 19% im ersten. Dieser Verlauf bedeutet für Google mehr als nur eine statistische Trendlinie: Wenn Nutzer schneller zu KI-gestützten Interaktionen wechseln, müssen Werbeplätze in neuen Kontexten entstehen, statt ausschließlich in den bisherigen Suchergebnislisten. Auf der Investor-Call machte Philipp Schindler, Chief Business Officer von Google, genau diesen Zusammenhang deutlich: „We are now scaling high-quality ads within AI overviews in AI mode to more users and queries.“ Er ordnete die Erweiterung zugleich in die Breite ein: „This includes taking our monetization footprint global for the first time.“ Damit zielt Google darauf ab, die KI-gestützten Search-Formate nicht nur in einer begrenzten Region, sondern global als planbare Werbefläche zu etablieren.
Technisch und produkthaft baut die Monetarisierung dabei auf mehreren Werbeformaten auf, die bereits in den USA getestet wurden. Google verweist auf Ads in KI Mode, auf Multi-Turn Ads sowie auf die Einbindung von Werbung in AI Mode bereits innerhalb internationaler Rollouts. Entscheidend ist, dass Google nicht nur „werblich“ im KI-Kontext präsent sein will, sondern die Leistungskriterien der klassischen Suchwerbung in die neuen Abläufe überträgt. Laut Schindler sind die frühen Ergebnisse entsprechend positiv: Die Klickrate bei sponsored product listings in AI Mode sei bereits vergleichbar mit der Klickrate bei organischen Listings. Außerdem deuten die Nutzerforschung darauf hin, dass die Anzeigen als relevant wahrgenommen werden. Für Werbetreibende ist das insofern relevant, als KI-Overviews und dialogartige Suchinteraktionen potenziell die Aufmerksamkeit anders verteilen als das klassische Ranking.
Der Werbeausbau hängt direkt an der Art, wie KI die Suchanfrage verändert. Sundar Pichai verwies auf die Nutzungssignale: Search-Queries hätten im Jahresvergleich in den schnellsten fünf Jahren zugelegt, ohne dass Google eine exakte Wachstumsrate nannte. Pichai führte das unter anderem darauf zurück, dass KI-Funktionen das Suchverhalten neu prägen. Konkret werden Anfragen länger und komplexer, zusätzlich kommen multimodale Inputs stärker ins Spiel: Pichai sagte, Queries in AI Mode seien im Durchschnitt drei Mal so lang wie traditionelle Suchen. Außerdem liege bei etwa einem Fünftel der AI-Mode-Suchen weltweit eine Nutzung von Voice, Bildern oder Dokumenten vor. Google kombiniert diese Erkenntnisse zudem mit einer weiteren Kennzahl: Der Konzern gibt an, die Schwelle von 50 Milliarden visuellen Suchanfragen pro Monat überschritten zu haben. Zusammengenommen zeigt das, dass Google Search als multimodale KI-Schnittstelle positioniert – und Werbung muss sich genau in diese neue Interaktionslogik einfügen.
Marktseitig ist der Schritt auch eine Antwort auf das Timing: Google kommt mit dem Ausbau der Anzeigen in KI Mode in einer Phase, in der Alphabet insgesamt noch stark wächst, aber eben nicht überall gleich schnell. Während die Google Services Division, zu der Search gehört, im dritten Quartal 96,3 Milliarden US-Dollar Umsatz erzielte (plus 11% im Jahresvergleich), stieg Google Cloud besonders dynamisch um 103% auf 30,7 Milliarden US-Dollar. Gerade weil die Gesamtbilanz starke Treiber hat, wird die Erwartung an Search-Werbung umso höher: Die Plattform soll zusätzliche Einnahmen aus den KI-Funktionen liefern, bevor das Nachlassen im traditionellen Segment den Gesamtkurs dauerhaft belastet. Dass die Aktie nach den Ergebnissen um 8% fiel, unterstreicht die Sensibilität des Marktes für die Frage, wie schnell sich KI-Features in nachhaltige Werbeumsätze übersetzen lassen.
Google verknüpft den aktuellen Schritt außerdem mit einer laufenden Produktlinie bei Gemini. Der Konzern verweist auf eine „May“-Ankündigung neuer, Gemini-gestützter Ad Formate, darunter conversational discovery ads, die auf Fragen der Nutzer reagieren, sowie sponsored recommendations, die in AI-generated Antworten integriert sind. Im selben Kontext nennt Google weitere jüngere Entwicklungen rund um Gemini 4 Argon, die Ausweitung der Gemini-App auf eine Milliarde monatliche Nutzer sowie die Markteinführung der Pixel 11-Linie. Für Unternehmen bedeutet das: Die KI-gestützte Suchwerbung ist nicht als isoliertes Experiment gedacht, sondern als Baustein einer breiteren KI-Produktstrategie. Wer in den nächsten Monaten Kampagnen plant, sollte deshalb mehr als nur die klassischen Suchbegriffe berücksichtigen, sondern auch, wie sich die Suchanfrage durch längere, kontextreichere und multimodale Inputs verändert – denn genau dort, in AI overviews und KI-generierten Antwortstrukturen, entscheidet sich künftig die Sichtbarkeit.
Unterm Strich verlagert Google mit der internationalen Expansion der KI-Search-Ads die Diskussion von „KI als Nutzerfeature“ hin zu „KI als Werbeplattform“. Die Kombination aus nachweisbaren Nutzer- und Klicksignalen, dem globalen Rollout-Ansatz und dem Timing angesichts verlangsamter Search-Wachstumsraten spricht dafür, dass Google die nächste Monetarisierungsstufe ernsthaft priorisiert. Gleichzeitig bleibt für Werbekunden und Vermarkter die praktische Frage offen, wie konsistent die Performance über verschiedene Länder- und Geräteumgebungen hinweg ausfällt. Die Antwort darauf liefert Google im weiteren Rollout – und der wird zeigen, ob sich der Schritt aus frühen Vergleichswerten in ein skalierbares, planbares Erlösmodell für KI-gestützte Suche überführen lässt.
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