LONDON (IT BOLTWISE) – Google hat eine KI-Funktion in Google Earth nach weniger als 24 Stunden wieder abgeschaltet. Das Tool ließ sich über Texteingaben steuern und generierte daraus künstlich erzeugte Satelliten- und Luftbilder. Statt geplanter Szenarien kursierten jedoch schnell manipulierte Aufnahmen, die wie echte Ereignisse wirkten. Google kündigt nun stärkere Schutzmechanismen an und lässt offen, wann die Funktion zurückkommt.

Google schaltet KI-Bildfunktion in Google Earth nach 24 Stunden ab
Google schaltet KI-Bildfunktion in Google Earth nach 24 Stunden ab (Foto: IT BOLTWISE)
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Google hat eine KI-Funktion für Google Earth offenbar zu schnell an die Öffentlichkeit gelassen. Schon nach weniger als 24 Stunden war die Funktion in der Webversion wieder weg, nachdem Nutzer mit einfachen Texteingaben reale Orte so umgestalten konnten, dass daraus neue, künstliche Satelliten- und Luftbilder entstanden. Das Ziel war dabei zunächst klar umrissen: Ein leerer Platz sollte etwa als Park sichtbar werden, ein Stadtviertel sollte sich verändern, oder historische Zustände sollten als Visualisierung wiedererkennbar gemacht werden.

Technisch beruhte das Ganze auf Googles Bildmodell Nano Banana 2. In Google Earth lief der Prozess im Kern wie ein einfacher Workflow: Nutzer wählten einen Ort aus, klickten auf „Create Image“ und beschrieben in Textform, was im Bild erscheinen sollte. Im Hintergrund wurden dabei Daten aus der Earth-Umgebung kombiniert – also Satelliten- und Luftaufnahmen sowie 3D-Informationen –, bevor das Modell die gewünschten Inhalte ergänzte. Genau diese Verknüpfung aus vorhandener Geografie und KI-Erzeugnissen macht den Reiz aus: Das Ergebnis sieht nicht wie ein freistehendes KI-Poster aus, sondern wie eine plausible Erweiterung des Kartenkontexts.

Dass es zugleich auch missbräuchlich funktioniert, zeigte sich schon innerhalb weniger Stunden. Die durch Texteingaben gesteuerten Bilder konnten so weitgehend umgedeutet werden, dass am Ende Darstellungen auftauchten, die wie echte Aufnahmen aktueller Vorfälle wirkten. Im Netz kursierten demnach manipulierte Satellitenbilder mit angeblichen Bombenschäden, Flüchtlingslagern, Bränden oder militärischen Einrichtungen. Auch wenn die Details nicht in jedem Fall vollständig überzeugten, reichten sie für viele Nutzer offenbar schon für den ersten Eindruck – und genau dieser erste Eindruck wird durch den Screenshot-Charakter zusätzlich verstärkt.

Problematisch ist dabei weniger der Erzeugungsprozess selbst als die Wirkungskette außerhalb des Tools. Google Earth wird von vielen Menschen sowie von Journalisten und Recherchegruppen als vergleichsweise verlässliche Darstellung der realen Welt genutzt. Ein Screenshot aus dieser Oberfläche startet dadurch mit zusätzlicher Glaubwürdigkeit: Wer ein Bild „aus Google Earth“ sieht, erwartet typischerweise Kontext und geerdete Referenzen, auch wenn das Bild im Kern künstlich erzeugt wurde. Entscheidend ist außerdem, dass die KI-Ergebnisse nicht zwingend in die normale Kartenansicht für andere Nutzer übernommen wurden. Stattdessen reichten speicher- und teilbare Screenshots, die sich aus dem ursprünglichen Zusammenhang lösen und über soziale Netzwerke weiterverbreiten lassen.

Google setzte zudem auf einen digitalen Hinweis im Bild, wie das Unternehmen in seinen Angaben beschreibt: Es kam unter anderem SynthID zum Einsatz, ein für das menschliche Auge unsichtbares Wasserzeichen. Der Haken: Ein unsichtbares Wasserzeichen ist für normale Anwender praktisch nur dann hilfreich, wenn es auch ohne Spezialwerkzeug zuverlässig erkennbar ist. Sobald jemand ein Bild zuschneidet, erneut hochlädt oder in anderen Formaten teilt, kann die Warnwirkung aus dem sichtbaren Informationsraum verschwinden – auch wenn das Wasserzeichen technisch möglicherweise weiterhin vorhanden ist. Genau diese Diskrepanz zwischen Schutz auf Modellebene und Erkennbarkeit auf Plattformebene zeigt, warum „nur“ ein Wasserzeichen häufig nicht genügt.

Mit Blick auf die öffentliche Nutzung zog Google die Funktion daher am 31. Juli 2026 vorerst zurück. Die Begründung bleibt zweigeteilt: Das Unternehmen habe zwar sinnvolle Anwendungen durch Fachleute gesehen, gleichzeitig seien jedoch Screenshots geteilt worden, die offenbar gegen die eigenen Richtlinien verstießen. Nun sollen laut Angaben stärkere Schutzmechanismen in die Funktion eingebaut werden. Bis eine Rückkehr erfolgt, bleibt Google Earth wieder „Darstellung der Welt“ statt KI-Wunschmaschine – eine Rückbesinnung auf die Rolle als Geografie- und Kontextoberfläche, nicht als universelle Fälschungs- oder Visualisierungsmaschine.

Gleichzeitig lässt sich die Grundidee nicht einfach abtun. Für Architektur und Stadtplanung kann eine solche Visualisierung helfen, geplante Gebäude im realen Umfeld zu prüfen, neue Grünflächen zu entwerfen oder Lehrmaterial historisch anschaulich zu machen. Die Kehrseite ist jedoch strukturell: Wenn eine KI nahezu beliebige Texteingaben mit realitätsnahen, georeferenzierten Hintergründen kombiniert, entstehen zwangsläufig auch Bilder, die für Täuschung, Propaganda oder Desinformation genutzt werden. In der Praxis entscheidet dann nicht nur das Modell, sondern die Leitplanke: Welche Prompts sind erlaubt, wie werden Ergebnisse geprüft, wie schnell greift Moderation ein, und wie werden geteilte Screenshots technisch so behandelt, dass die Herkunft auch ohne „Datenforensik“ sichtbar bleibt.


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