LONDON (IT BOLTWISE) – Google testet derzeit eine geänderte Startseite für die Suche, bei der der klassische „Google Search“-Button verschwindet. Stattdessen erscheinen drei KI-Shortcuts: „Create images“, „Ask about files“ und „Brainstorm“. Der Test betrifft laut Beobachtungen vor allem Nutzer, die auf die Google-Startseite zugreifen, ohne eingeloggt zu sein. Offen bleibt, wie breit dieser Rollout tatsächlich ist und ob er auf allen Geräten und Regionen auftaucht.

Auf der Google-Startseite könnte sich die Art verändern, wie Nutzer überhaupt mit „Suche“ starten: In einem aktuellen Testmodus sieht ein Teil der Nutzer offenbar keine separate Schaltfläche mehr für den klassischen Einstieg in die Websuche. Stattdessen rückt die Oberfläche KI-Funktionen in den Vordergrund und ersetzt den bisherigen „Google Search“-Button durch drei direkte Shortcuts. Besonders auffällig ist dabei, dass diese Umstellung in den Beobachtungen vor allem dann auftaucht, wenn Nutzer die Seite ohne Login öffnen.
Konkret berichten Nutzer von einer neuen Anordnung der Startseite, bei der statt des klassischen Buttons nun drei KI-nahe Eingabemöglichkeiten sichtbar sind: „Create images“, „Ask about files“ und „Brainstorm“. „Create images“ führt in einen Flow, in dem Google offenbar Vorschläge für Bildtypen macht, die sich generieren lassen, und dabei mit einem Tool namens „Nano Banana“ arbeitet. „Ask about files“ setzt auf Uploads: Nutzer geben Dateien hoch und stellen dann Fragen dazu, wobei die KI die Inhalte aus den hochgeladenen Dokumenten zu beantworten versucht. „Brainstorm with me“ schließlich zielt auf den Einstieg in eine Unterhaltung über ein beliebiges Thema direkt von der Startseite aus.
Technisch betrachtet verschiebt dieser UI-Ansatz den Schwerpunkt der Startseite weg von einem expliziten „Jetzt im Browser suchen“-Signal hin zu KI-gestützten Interaktionen, die ohne den Umweg über die reine Such-Query starten. Das ist nicht nur ein kosmetischer Wechsel, sondern verändert den ersten Klickpfad: Wer bisher den klassischen Button wählte, wurde sehr wahrscheinlich direkt in die Suchergebnisse überführt. Im neuen Layout gibt es dagegen keine sichtbare Aufforderung, „Web“ oder „Suche im Netz“ als Hauptziel anzusteuern; die Aufmerksamkeit lenkt die Startseite vielmehr auf KI-Aktionen. Dass dabei die bekannte „I’m Feeling Lucky“-Schaltfläche als Erbe erhalten bleibt, deutet darauf hin, dass Google einen Hybrid-Charakter anstrebt: Legacy-Elemente bleiben erreichbar, während neue KI-Fähigkeiten die Platzierung dominieren.
Für die Praxis im Alltag bedeutet das: Eine „normale“ Suche soll weiterhin möglich bleiben, denn laut den Beobachtungen kann man weiterhin über die Sucheingabe selbst Text eingeben und mit Enter oder Return die Suche auslösen. Genau diese Trennung ist wichtig, weil sie zeigt, dass es sich offenbar um eine Startseiten-Inszenierung handelt, nicht um eine komplette Abschaltung des klassischen Suchverhaltens. Gleichzeitig dürfte der Effekt auf die Nutzerpfade spürbar sein: Wenn KI-Shortcuts stärker sichtbar sind als der klassische Button, verschiebt sich die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer zuerst eine KI-Aktion starten statt sofort eine klassische Suchanfrage zu formulieren.
Markt- und Wettbewerbslogik spielt dabei eine klare Rolle: Google versucht seit dem Boom von Large-Language-Modellen, Suchanfragen stärker als KI-Dialoge zu rahmen, statt sie primär als Keyword-Abfragen zu behandeln. Die getestete Startseitenvariante passt in dieses Muster, weil sie bereits beim ersten Besuch KI-Nutzung „vor den Suchbegriff“ setzt. Auch für den Wettbewerb heißt das: Plattformen, die ähnliche KI-Funktionen ausrollen, profitieren häufig von derselben Hebelwirkung—Sichtbarkeit an einem Eingangsportal. Wenn die Startseite den Einstieg umwidmet, entstehen zudem indirekte Effekte auf Partner- und Entwickler-Ökosysteme, weil mehr Nutzer die KI-gestützten Workflows verwenden, bevor sie überhaupt klassische Such-URLs betrachten.
Für Unternehmen und Produktteams ist die Meldung vor allem als Signal zu verstehen, dass Google die Bedienoberfläche als Steuerungsinstrument nutzt. UI-Tests wie dieser lassen sich schwer als „einmalige Änderung“ einordnen; sie sind typischerweise A/B- oder Segment-Tests, bei denen Nutzungsverhalten gemessen wird – etwa wie oft Nutzer die KI-Shortcuts statt die Suchbox nutzen, wie schnell sie wieder zur klassischen Suche wechseln und welche Texteingaben oder Uploads daraus entstehen. Interessant ist dabei die geografische und account-bezogene Einschränkung: In den Beobachtungen ist der Test nicht für alle Nutzer gleichzeitig sichtbar gewesen. Das spricht dafür, dass Google Rollouts segmentiert, statt sie in einem großen Wurf durchzuziehen.
Unterm Strich zeigt der Versuch, wie stark die Suchoberfläche zur KI-Orchestrierung werden kann: Die Startseite wird zum „Action Center“, in dem Bildgenerierung, Dateianalyse und Ideenfindung als konkrete Buttons angeboten werden. Sollte sich das Layout durchsetzen, könnten sich Such- und Informationsstrategien weiter verändern – von „erst suchen, dann verarbeiten“ hin zu „erst KI anstoßen, dann bei Bedarf präzisieren“. Für Nutzer bleibt entscheidend, dass die klassische Suche über die Suchleiste weiterhin funktioniert; für Produktverantwortliche ist dagegen die Frage zentral, wie solche KI-Shortcuts die Informationsbeschaffung im Hintergrund neu strukturieren. Ob und wann der Test für mehr Nutzer ausgerollt wird, bleibt offen – aber der Ansatz ist klar genug, um ihn bereits jetzt als Richtung zu lesen.
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