HUB27 BERLIN/MESSEGELÄNDE / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine gemeinsame Workshop-Session von Get Started by Bitkom und dem Institut für den öffentlichen Sektor e.V. soll klären, wie GovTech-Startups und Verwaltung praktisch zusammenarbeiten. Im Fokus stehen die Rahmenbedingungen für Kooperationen, von organisatorischen Abläufen bis zu Fragen der Beschaffung. Teilnehmende erhalten konkrete Best Practices aus der GovTech-Praxis und diskutieren, worauf es für eine erfolgreiche Umsetzung wirklich ankommt. Die Veranstaltung findet am 14. Oktober von 14:00 bis 15:00 Uhr im hub27 statt.

GovTech-Workshops: Rahmenbedingungen für den Austausch mit der Verwaltung
GovTech-Workshops: Rahmenbedingungen für den Austausch mit der Verwaltung (Foto: IT BOLTWISE)
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Staat und Verwaltung stehen unter Druck, ihre Dienstleistungen digitaler und leistungsfähiger zu machen. Genau an dieser Schnittstelle setzen GovTech-Startups an: Sie bringen neue Produkte, Daten- und Prozesskompetenz sowie frische Entwicklungswege mit, während öffentliche Organisationen ihrerseits feste Anforderungen an Sicherheit, Nachweisbarkeit und Verantwortlichkeiten mitbringen. Dass daraus nicht automatisch eine funktionierende Zusammenarbeit entsteht, liegt weniger an fehlender Innovationsbereitschaft als an den Rahmenbedingungen: Wer darf wie testen, wie werden Pilotprojekte ausgewählt, und welche Beschaffungssysteme passen zu kurzen Entwicklungszyklen? Die Smart Country Convention greift dieses Spannungsfeld nun konkret auf und bringt Akteure zusammen, die die typischen Reibungspunkte aus unterschiedlichen Perspektiven kennen.

Die Session adressiert genau drei Fragen, die in Projekten zwischen Startup und Verwaltung immer wieder auftauchen: Welche Rahmenbedingungen existieren aktuell für Kooperationen, welche Faktoren entscheiden über Erfolg oder Scheitern und welche Best Practices lassen sich daraus ableiten? Organisationen suchen digitale Innovationen, aber sie brauchen zugleich Steuerbarkeit: messbare Ziele, klare Verantwortlichkeiten und definierte Übergänge vom Pilot zur Regelversorgung. Für GovTech-Startups wiederum ist entscheidend, ob die Verwaltungsseite planbare Entscheidungen trifft, ob Test- und Implementationsschritte realistisch terminiert sind und ob die technische Integration im Alltag der Behörde nicht an Schnittstellenproblemen oder Dokumentationsanforderungen scheitert. In der Veranstaltung werden diese Aspekte daher nicht als abstrakte Prinzipien diskutiert, sondern als praktische Leitplanken für die Umsetzung.

Ein Schwerpunkt der Diskussion liegt auf der juristischen und organisatorischen „Klammer“, die öffentliche Beschaffung und Vergabe in der Praxis bildet. Mit Henrik-Christian Baumann nimmt ein Fachanwalt für Vergaberecht und Informationstechnologierecht an der Session teil, wodurch insbesondere die Frage im Raum steht, wie Innovationsbeschaffung so gestaltet werden kann, dass sowohl Compliance als auch Geschwindigkeit möglich bleiben. Für Unternehmen ist das der Teil, der oft über den Projektstart entscheidet: Von der Ausgestaltung des Vergabeverfahrens über die Definition von Leistungsanforderungen bis hin zu vertraglichen Rahmenbedingungen für Testphasen. Gerade bei digitalen Lösungen ist zudem die saubere Abgrenzung von Verantwortung und Datenschutz- bzw. Informationssicherheitsanforderungen zentral, weil sonst aus dem Pilot ein Rechts- und Integrationsrisiko wird. Hier setzt der Workshop an, indem er eine Vergabepraxis beleuchtet, die nicht nur „rechtssicher“, sondern auch „projektfähig“ sein soll.

Neben den juristischen und prozessualen Fragen wird auch die Startup-Perspektive sichtbar gemacht. Ellen Lina Schmitt, Chief Revenue Officer bei Ayunis, bringt dabei die Blickrichtung ein, wie sich digitale Angebote in tragfähige Geschäfts- und Erlösmodelle übersetzen lassen, wenn die Kundenseite öffentliche Institutionen sind. In der GovTech-Welt bedeutet das: Zahlungsmodelle, Projektlaufzeiten und Skalierungserwartungen dürfen nicht nur auf dem Papier stimmen, sondern müssen zur Beschaffungslogik und zu den Entscheiderstrukturen der Verwaltung passen. Während Startups häufig mit agilen Iterationszyklen planen, erwarten Behörden oft belastbare Ergebnisse, die sich sauber evaluieren lassen. Genau dieser Unterschied beeinflusst, wie schnell ein Produkt von einer ersten Machbarkeitsphase zu einer dauerhaften Einführung gelangt. Die Session dürfte damit auch beleuchten, wie man Angebote so formuliert, dass sie sowohl technologisch als auch wirtschaftlich überprüfbar sind, ohne Innovation im Namen der Planbarkeit zu ersticken.

Auch die praktische Umsetzung in einzelnen Regionen kommt durch Emil Schwarze, Consultant bei NewGov NRW, auf die Agenda. In der Praxis entscheidet sich Zusammenarbeit häufig daran, ob es gelingt, die richtigen Ansprechpartner, Daten- oder Systemzugänge und Testumgebungen früh genug zusammenzubekommen. Dabei spielt die Frage eine Rolle, wie ein Pilot in einen realistischen Implementationspfad überführt wird: Welche Integrationsarbeiten sind erforderlich, wie wird der Betrieb organisiert, und wie werden Ergebnisse dokumentiert, damit sie intern weiterverwendet werden können? Aus Startup-Sicht ist das oft der „unsichtbare“ Teil, der Kapazitäten bindet. Aus Sicht der Verwaltung dagegen ist es der Teil, der die Nachhaltigkeit sicherstellt. Wenn hier die Erwartungen nicht sauber gemanagt werden, entstehen typische Verzögerungen wie unklare Schnittstellen, fehlende Betriebsannahmen oder zu spät abgestimmte Abnahmekriterien.

Moderiert wird die Session von Franziska Holler vom Institut für den öffentlichen Sektor e.V. sowie von Lena Hornecker von Bitkom e.V., wodurch der Austausch vermutlich entlang der Praxisfragen strukturiert wird, die Projektteams in der Vorbereitung tatsächlich klären müssen. Interessant ist dabei, dass die Veranstaltung als Workshop-Session angekündigt ist und damit eher auf Interaktion als auf reine Vortragslogik ausgelegt sein dürfte. Genau das kann entscheidend sein, weil GovTech-Projekte selten an „einer“ Hürde scheitern, sondern an der Verkettung mehrerer Faktoren: Angebotsspezifikation, Vergabestrategie, technische Integration, Evaluation und schließlich die Entscheidung über die weitere Beschaffung. Wenn diese Kette in einem Raum mit juristischer, kaufmännischer und technischer Perspektive diskutiert wird, entsteht schneller ein gemeinsames Verständnis darüber, wo konkrete Hebel liegen.

Für Unternehmen und Startups in der GovTech-Branche ergibt sich daraus ein klarer Mehrwert: Wer Kooperationen mit der Verwaltung anstrebt, kann die Erwartungshaltung an Pilotprojekte, die Beschaffungsanforderungen und die notwendige Zieldefinition besser antizipieren. Statt erst im Projektverlauf zu merken, dass Schnittstellen, Dokumentationsumfang oder Vergabeschritte nicht passen, lässt sich die Vorbereitung gezielter gestalten. Gleichzeitig profitieren auch öffentliche Stellen, weil die Diskussion die Startup-Werkzeuge für Innovation nicht „wegmoderieren“ will, sondern in einen belastbaren Rahmen gießt. Unterm Strich adressiert die Session damit ein zentrales Thema moderner Verwaltungsdigitalisierung: nicht nur Lösungen zu finden, sondern sie so zu implementieren, dass Innovation verlässlich vom Test in den Regelbetrieb übergeht.


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