LONDON (IT BOLTWISE) – Groundcover hat eine Finanzierungsrunde über 100 Millionen US-Dollar abgeschlossen. Die Plattform für Cloud-Observability setzt dabei auf eine eBPF-basierte Telemetrie-Erfassung im Linux-Kernel. Damit will das Startup vermeiden, dass Monitoring-Teams aus Kostengründen ganze Workloads ausklammern müssen. Gleichzeitig sollen fehlende Datenlücken beim Debugging und bei der Erkennung von Cyberangriffen kleiner werden.

Groundcover startet mit zusätzlichem Kapital in den Ausbau seiner Cloud-Observability-Plattform. Das Startup hat nach eigenen Angaben 100 Millionen US-Dollar im Rahmen einer Series-C-Runde eingesammelt; angeführt wurde der Deal von One Peak. Weitere Investoren, die an der Runde beteiligt waren, werden im Kontext der Mitteilung mit Morgan Stanley sowie mehreren Venture- und Startup-Partnern genannt. In derselben Berichterstattung wird außerdem ein Firmenwert von 500 Millionen US-Dollar genannt. Für Unternehmen ist das vor allem deshalb relevant, weil Observability in vielen Umgebungen längst nicht mehr nur ein Debugging-Tool ist, sondern zur Grundlage für Sicherheitsanalysen und Betriebsentscheidungen wird.
Ein Kernproblem klassischer Monitoring-Setups liegt im Preismodell: Viele Anbieter koppeln die Kosten an die Menge der gesammelten Telemetrie. Sobald Budgets enger werden, entsteht ein Zielkonflikt zwischen vollständiger Sichtbarkeit und laufenden Ausgaben. Groundcover beschreibt genau diese Spannung als Auslöser dafür, dass Teams Workloads seltener oder gar nicht überwachen – etwa Entwicklungsumgebungen, die angeblich keine sensiblen Daten enthalten. Sobald jedoch im Ernstfall ein Ausfall eintritt, fehlen die Daten zu genau der betroffenen Komponente. Zusätzlich verstärken Telemetrie-Lücken das Risiko, Angriffe zu spät zu erkennen, weil Indicators häufig erst sichtbar werden, wenn Logs, Metriken und Traces durchgehend vorliegen.
Technisch unterscheidet sich Groundcover damit nicht nur im Marketing, sondern in der Art, wie Telemetrie überhaupt erhoben wird. Laut Darstellung setzt die Plattform auf eBPF (Extended Berkeley Packet Filter), eine Technologie, die im Linux-Ökosystem als Kernel-Erweiterungsmechanismus bekannt ist. Der entscheidende Punkt: Groundcover nutzt eBPF, um Beobachtungsdaten aus den Aktivitäten abzuleiten, die der Linux-Kernel für Anwendungen ausführt. Das ist wichtig, weil der Kernel in praktisch allen Schritten der aufgesetzten Systeme eine Rolle spielt und dadurch detaillierte Informationen über das Verhalten bereitstellt. Üblicherweise wäre es für Entwickler riskant, den Kernel gezielt zu verändern, weil Betriebssystemmodifikationen Zuverlässigkeit und Sicherheit gefährden können. eBPF adressiert genau diese Hürde, indem es Kernel-Erweiterungen in einer isolierten Sandbox ausführt.
Die praktische Umsetzung zielt auf einen schnellen Rollout. Groundcover macht geltend, dass sich der eBPF-basierte Telemetrie-Sensor in wenigen Minuten installieren lässt und dass dabei keine Code-Änderungen an den Anwendungen notwendig sind, die beobachtet werden sollen. Für Teams, die bereits ein Observability-Ökosystem betreiben, bleibt zudem die Option, die eBPF-Daten mit OpenTelemetry anzureichern; OpenTelemetry wird in der Mitteilung als Standard genannt, dessen Einsatz optional zusätzliche Code-Modifikationen erfordern kann. Beim Datenhandling verspricht Groundcover außerdem eine hohe Erfassungsqualität: Es gehe um Full-Fidelity-Telemetrie ohne Sampling über Infrastruktur-, Anwendungs- und auch AI-Workloads hinweg. Die Plattform könne dabei Telemetrie in der Größenordnung mehrerer Gigabytes pro Sekunde ingestieren und erfasst Logs, Metriken und Traces, die anschließend so strukturiert werden, dass leichter nachvollziehbar ist, welcher Datensatz zu welcher Anwendung gehört.
Besonders interessant ist die Kombination aus Erfassungsansatz und Speicherstrategie. Einige Observability-Plattformen halten Telemetrie in einem verwalteten Speicher, sodass Kunden Datenflüsse abgeben und sich an deren Kosten- und Speicherlogik binden. Groundcover stellt demgegenüber die Möglichkeit in den Vordergrund, Telemetrie in eigenen Public-Cloud-Deployments zu speichern. Das soll laut Anbieter nicht nur Sicherheitsvorteile bringen, sondern auch betriebliche Kosten optimieren: Neue Logs könnten auf schnellen Flash-Medien verbleiben, während historische Daten in günstigeren Cold-Storage-Schichten verschoben werden. Gerade für Organisationen, die große Datenvolumina erzeugen – etwa durch umfangreiche Tracing-Abdeckung oder hochfrequentierte Systeme – kann diese Trennung aus Performance- und Kostengesichtspunkten den Unterschied machen zwischen „wir brauchen alles“ und „wir müssen reduzieren“.
Die Marktdynamik wird zudem durch die Kundenbasis untermauert. Groundcover gibt an, dass die Plattform von mehr als 250 Organisationen genutzt wird, und nennt außerdem, dass mehrere Kunden im vergangenen Jahr Verträge im siebenstelligen Bereich mit dem Anbieter abgeschlossen hätten. Mit der neuen Finanzierung will das Unternehmen vor allem die Go-to-Market-Aktivitäten in Nordamerika beschleunigen. Parallel soll die internationale Präsenz wachsen, und der Partnerbereich wird ausgebaut; im Mittelpunkt stehen dabei gemeinsame Vertriebsinitiativen zusammen mit Cloud-Anbietern. Für Entscheider ergibt sich daraus ein klarer Blick auf den Wettbewerb: Observability-Anbieter müssen nicht nur zuverlässige Daten liefern, sondern auch die betriebliche Realität adressieren, in der Telemetrie, Kostenkontrolle und Sicherheitsanforderungen gleichzeitig verhandelt werden.
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